Lokales

Lockerer Talk auf dem blauen Sofa

Alle zwei Jahre lädt die Gemeinde Schlierbach ihre Einwohner zum Bürgerempfang. Die Kommune setzt dabei auf neue Formen der Information. Bei der diesjährigen Auflage am Freitag stand in der Dorfwiesenhalle ein großes blaues Sofa im Mittelpunkt.

NICOLE MOHN

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SCHLIERBACH "Ein Empfang hat immer etwas Zeremonielles. Heute Abend aber soll alles etwas anders verlaufen", erklärte Bürgermeister Paul Schmid. Lockerer Talk auf dem Sofa, Musik, Gelegenheit, untereinander ins Gespräch zu kommen und das Gehörte zu vertiefen so sieht das neue Konzept für den Schlierbacher Bürgerempfang aus. Wer aber auf dem Polstermöbel Platz nehmen würde, daraus machte Schmid bis zuletzt ein Geheimnis. Die Rechnung schien aufzugehen: An die 200 Schlierbacher hatte die ungewöhnliche Ankündigung in die Dorfwiesenhalle gelockt.

Als erster Gast nahm Veronika Adam auf dem Sofa Platz. Die Kunsthistorikerin lebt mit ihrer Familie seit rund einem Jahr in Schlierbach und ist begeistert von der Herzlichkeit, mit der sie hier aufgenommen wurde. "Überall wird man gegrüßt", erzählt die junge Mutter von den vielen positiven Erlebnissen. Seit kurzem engagiert sie sich für ihre neue Heimat: Zusammen mit der Volkshochschule bietet die 41-Jährige Führungen in Museum und Galerien an. Eine Zusammenarbeit ist aber auch mit anderen Einrichtungen in der Gemeinde geplant. So will die Kunsthistorikerin an der geplanten Kinderkunstausstellung der Kindergärten mitarbeiten.

Für Erzieherin Simone Rieker, die als nächste zur Talkrunde stieß, ist die kreative Arbeit mit den Jungen und Mädchen ein wichtiger Aspekt ihrer Arbeit. Zurzeit stehen bei ihr die Ziele des neuen Orientierungsplanes, Sprachförderung und das Thema "schulreifes Kind" im Fokus.

Neue Impulse könnte auch die Musikschule Ebersbach/Schlierbach in den Kindergärten setzen. Mathias Mundl, seit November Leiter der Schule, kann sich eine ganze Reihe neuer Kooperationen mit Vereinen, Schulen und Kindergärten vorstellen. "Wir verstehen uns als Dienstleister für Musiktreibende", erklärte der Musiker, der später sein Können am Vibrafon unter Beweis stellte.

Hier schlug Schmid die Brücke zum vierten und letzten Gast auf dem blauen Sofa: Günther Vossler. Dem Geschäftsführer des Alexander-Stifts wäre sehr an guten Kontakten seines Pflegehauses, das zurzeit auf der "Sommerweide" entsteht, zu den Menschen in Schlierbach gelegen. Im Frühjahr 2007 sollen die 26 Einzel- und zwei Doppelappartements bezugsfertig sein. Gelebt wird im Stift in großen Familien: "Wir möchten unseren Bewohnern die Gelegenheit geben, am Geschehen im Haus teilzunehmen", erläutert Vossler.

Ganz ohne Rede ging es beim neuen Bürgerempfang dann doch nicht. Bevor Schmid seine Gäste zum informativen Talk auf die Bühne holte, gab der Schultes einen kurzen Überblick darüber, was in der knapp 4 000 Einwohner zählenden Kommune in den kommenden Monaten und Jahren ansteht. Viel sei bereits erreicht, die Infrastruktur überproportional gut, so Schmids Resümee. Allerdings stehen den Schlierbacher weitere große Aufgaben bevor: Neben kostenintensiven Sanierungen im Abwasserbereich stehen etliche weitere Sanierungen an. Der Fuhrpark der Feuerwehr, der Allwettersportplatz und die Dorfwiesenhalle sind in die Jahre gekommen.

Auch verkehrstechnisch gibt es Aufgaben wie die Anbindung des Gewerbegebiets an die B 297. Das sei nicht nur im Hinblick auf eine Erweiterung des Gebiets, sondern auch für die Anbindung mit dem Öffentlichen Nahverkehr wichtig. Ab dem Spätfrühjahr werde Schlierbach zudem nicht mehr "kreisfrei" sein: Ein Kreisverkehr soll die Situation am östlichen Ortseingang entschärfen. Eines der großen Themen wird zudem das Sanierungsgebiet II im Ortskern sein.

"Wie diesen Katalog bewältigen?" stellte Schmid die Frage angesichts leerer kommunaler Kassen in den Raum. In Schlierbach stelle sich die Situation glücklicherweise nicht ganz so dramatisch dar wie andernorts. Auch wenn die Gemeinde bis 2007 keine Fremdfinanzierung benötige, müsse man weitere Aufgaben privatisieren.

Wichtiger denn je sei aber das persönliche Engagement, das nicht nur in der Organisation des Bürgerempfangs steckte, den die Jugendkapelle des Musikvereins "Harmonie" und Schüler der Musikschule umrahmten. Um als Gemeinde in Zukunft bestehen zu können, müsse man aus Entwicklungen wie der zunehmenden Überalterung der Gesellschaft Konsequenzen ziehen und die Bürger auf dem Weg mitnehmen. "Wir brauchen die Unterstützung jedes einzelnen", warb der Bürgermeister.