Lokales

Löschtrupps rechnen mit finanzieller Durststrecke

Sinkende Förderquoten stellen Feuerwehren im Landkreis vor Herausforderung – Bernhard Dittrich bestätigt

In seiner Jahreshauptversammlung und bei der Dienstbesprechung der Feuerwehrkommandanten blickte der Kreisfeuerwehrverband Esslingen-Nürtingen in der Kirchheimer Feuerwache auf das abgelaufene Einsatzjahr zurück.

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DANIELA HAUSSMANN

Kirchheim. 132 Feuerwehr- und Abteilungskommandanten, Vertreter von Rettungsdiensten und der Bundeswehr, wohnten der Veranstaltung bei. Wie Kirchheims Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker ausführte, hat das Feuerwehrwesen in der Teckstadt eine lange Tradition. „Herzogin Henriette, deren 150. Todestag im vergangenen Jahr begangen wurde, war die Begründerin des bürgerschaftlichen Engagements in der Stadt“, so die Oberbürgermeisterin. „Sie war es auch, die die Begründung der Feuerwehr in ihrer modernen Form auf den Weg brachte.“ Die Rathauschefin betonte, dass die Stadt sehr stolz sei auf das Erscheinungsbild ihrer Wehr mit ihren fünf Abteilungen und den 449 Mitgliedern, davon 256 Aktive. Dass sich Kirchheim der Bedeutung und Tradition ihrer Feuerwehr bewusst ist, verdeutlichte Angelika Matt-Heidecker unter Verweis auf das entstehende Feuerwehrmuseum, das die Stadt mit 50 000 Euro bezuschusst.

Der Vorsitzende des Kreisfeuerwehrverbands, Frank Buß, unterstrich die Bedeutung der lebensnotwendigen Dienste, die von den 44 Feuerwehren im Landkreis Esslingen alljährlich im Einsatz erbracht werden. Ein Engagement, das in der Bevölkerung eine hohe Wertschätzung erfahre. In seinem Rückblick auf das abgelaufene Einsatzjahr stellte Buß fest, dass die Unfälle auf dem Weg zum Einsatz beziehungsweise im Einsatz ein wichtiges Thema darstellten. „Leider kam es in der Vergangenheit wiederholt zu Unfällen. Der Kreisfeuerwehrverband hat deshalb ein Förderprogramm aufgelegt, das die weitere Ausbildung der Maschinisten hinsichtlich der Verkehrssicherheit fördert“, so der Schultes. Hilfstrupps, die ein Verkehrssicherheitstraining anbieten, erhalten damit vom Kreisverband einen Zuschuss von bis zu 250 Euro.

Hinsichtlich der Zukunft ist dem Verband nicht bange. Ende Dezember vergangenen Jahres hatte die Kreisjugendfeuerwehr 968 Mitglieder, davon 815 Jungen und 153 Mädchen. Dies sind 23 Mitglieder weniger als 2006. „Trotz rückläufiger Mitgliederzahlen sprechen die oben genannten Zahlen für eine hervorragende Jugendarbeit im Landkreis Esslingen“, bilanzierte Kreisjugendfeuerwehrwart Uwe Steck. Die Gruppenstunden der Jugendfeuerwehren im Berichtsjahr verteilen sich auf 3 008 Stunden feuerwehrtechnische Ausbildung und 2 492 Stunden für allgemeine Jugendarbeit. Für die Jugendwarte und Betreuer betrug der zusätzliche Zeitaufwand in diesem Bereich im vergangenen Jahr 13 610 Stunden. „Wir können stolz darauf sein, dass wir immer genügend Frauen und Männer finden, die unsere Jugendlichen ausbilden und ihre Freizeit in die Jugendarbeit investieren.“ Daran schloss sich der Bericht des Kassenführers Siegfried Mezger an, der von den versammelten Feuerwehrvertretern ebenso wie der Gesamtvorstand entlastet wurde.

Bernhard Dittrich, der in seinem Amt als stellvertretender Vorsitzender des Kreisfeuerwehrverbandes Esslingen-Nürtingen bestätigt wurde, wies auf die Rückgänge bei der Förderquote des Feuerwehrwesens hin. „2008 belaufen sich die beantragten Zuwendungen im Kreis auf 1 298 992 Euro“, so der Kreisbrandmeister. „2006 und 2007 hatten wir von den beantragten Mitteln noch 100 Prozent erhalten. In diesem Jahr werden es wahrscheinlich weniger als 60 Prozent sein. Wir werden uns also auf eine Durststrecke einstellen müssen.“

Im Bereich des Katastrophenschutzes kommen die meisten freiwilligen Helfer im Vergleich mit Deutschem Rotem Kreuz, Technischem Hilfswerk und Malteser Hilfsdienst aus den Reihen der Feuerwehren, bei denen laut Dittrich die Zahl der Katastrophenhelfer allerdings rückläufig sei. Diese Entwicklung gilt es aus Sicht des Vizevorsitzenden im Auge zu behalten. „Ein Problem wird allerdings das neue Fahrzeugkonzept des Bundes sein“, kritisierte der Kreisbrandmeister. „Man denkt über Sondereinheiten nach. Man will weiterhin Löschfahrzeuge bereitstellen und auch Schlauchwagen, aber das Land entschließt sich für ein Warenkorbmodell.“ Im Rahmen dessen könne frei gewählt werden, ob ein Feuerwehrfahrzeug oder ein Fahrzeug des zivilen Katastrophenschutzes zur Verfügung gestellt werde. Aus Sicht des stellvertretenden Kreisfeuerwehrverbandsvorsitzenden zeichnet sich damit eine deutliche Verschlechterung im Bereich der Feuerwehren ab. „Ich will kein Prophet sein, aber dem Konzept zufolge werden im Landkreis von den jetzt zwölf Löschgruppenfahrzeugen nur noch drei übrig sein und ein Schlauchwagen. Dann darf man sich im Katastrophenfall aber auch nicht wundern, wenn landkreisübergreifend nicht mehr so viel Unterstützung erfolgen kann.“ Diese Entwicklung gilt es für ihn im Auge zu behalten.

Landrat Heinz Eininger ging in seinen Ausführungen auf den Rückzug des Bundes aus der mit den Ländern gemeinsam wahrzunehmenden Verantwortung für den Bevölkerungs- und Katastrophenschutz ein. „Beide sind sich zwar einig, dass der Bund beim Katastrophenschutz neue Schwerpunkte wahrnehmen muss“, so der Landrat. „Wie dies allerdings geschehen soll und welche Konsequenzen sich dabei auf Kreis- und Gemeindeebene ergeben, das bleibt in der Debatte offen.“ 2007 sei das Ausstattungskonzept vor dem Hintergrund einer veränderten Bedrohungslage und einer damit zusammenhängenden neuen Strategie im Bevölkerungsschutz an die Herausforderungen der Zukunft angepasst worden. „Und wie so oft heißt Anpassung ein Herunterfahren der Leistungen“, so der CDU-Mann. „Das Land hat deshalb 2007 zweckgebundene Mittel aus dem Feuerwehrbereich aus der Feuerwehrschutzsteuer zugunsten des Katastrophenschutzes anzuzapfen. Diese Mittel fehlen den Wehren nachhaltig.“ Aufgrund der Entwicklung könnten bereits 2008 nicht mehr alle Bedarfsanträge berücksichtig werden. Jeder zweite Antrag zur Ersatzbeschaffung der Gemeinden müsse um ein Jahr hinausgeschoben werden. Dennoch sei die Ausstattung der Löschtrupps im Landkreis Esslingen nach wie vor sehr gut.