Lokales

"Lohndumping vernichtet Jobs"

Nach dem Durchbruch beim Postmindestlohn informierte sich der SPD-Bundestagsabgeordnete Rainer Arnold über die Stimmung und Meinung vor Ort im Postverteilungszentrum Nürtingen.

NÜRTINGEN Die Diskussion über einen Mindestlohn in der Postbranche verfolgten die Mitarbeiter im Nürtinger Postverteilungszentrum sehr aufmerksam, wie Post-Betriebsrat Jörg Wolff berichtete. Jetzt, nachdem sich CDU und SPD einigen konnten, sei der Druck auf die Löhne genommen worden. Für die Post sei das ganz entscheidend. Als Dienstleistungsunternehmen habe die Post einen hohen Anteil an Personalkosten, sagte Jürgen Stamer, Leiter der Niederlassung Brief in Reutlingen, die für Nürtingen zuständig ist.

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Für Rainer Arnold war der Mindestlohn längst überfällig. Angesichts gezahlter Löhne, die Menschen im Vollerwerb zu Hartz-IV-Empfängern machen, um wenigstens das Existenzminimum zu erreichen, fragte sich der SPD-Bundestagsabgeordnete: "Was ist das für eine Vorstellung von Marktwirtschaft, wenn systematisch Lohndumping betrieben wird, und der Staat dafür noch zahlen soll?" Gleichzeitig würden alle Steuerzahler für die Sozialleistungen aufkommen müssen. Arnold deutlich: "Alle Bürgerinnen und Bürger müssen dafür bezahlen, dass private Postfirmen mit Lohndumping Gewinne machen können."

In Nürtingen bekommen die Mitarbeiter einen Lohn ausbezahlt, der über dem kommenden Mindestlohn liegt. Die Wettbewerbsfähigkeit werde so nicht gefährdet, wohl aber helfe der Mindestlohn, solche fair bezahlten und sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätze zu sichern. "Denn bisher hat der ungleiche Wettbewerb dazu geführt, dass ordentliche Arbeitsplätze bei der Post vernichtet worden sind", sagte Arnold.

Wolff bestätigte diesen Trend für die regionale Situation. Das Sendungsvolumen sei kontinuierlich zurückgegangen. "Wir haben Mühe, alle Mitarbeiter weiter zu beschäftigen und hoffen, betriebsbedingte Kündigungen vermeiden zu können." Verantwortlich dafür sei auch, dass öffentliche Einrichtungen zunehmend den Versand von privaten Anbietern übernehmen lassen

Arnold sagte, dies sei aus kommunalpolitischer Sicht dann völlig unsinnig, wenn die Verwaltung dadurch örtliche Arbeitsplätze selbst gefährde. "Ich möchte unsere Kommunalpolitiker ermuntern, darauf stärker zu achten", sagte er.

pm