Lokales

„Lothar“ störte die Planung nachhaltig

50 Prozent des Holzvorrates der Gemeinde gingen durch den wütenden Orkan verloren

Hauptthema bei der jüngsten Sitzung des Gemeinderats war der Wald. Nach einer Waldbegehung zusammen mit Forstfachleuten ging es im Gremium um den zehnjährigen Forsteinrichtungsplan von 2008 bis 2017 und um den Betriebsplan für das laufende Jahr.

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Rudolf Stäbler

Holzmaden. „Unser Wald sieht ordentlich aus“ befand Bürgermeister Jürgen Riehle nach dem etwa zweistündigen Rundgang durch den Gemeindewald der Museumsgemeinde. Dem pflichteten Forstdirektor Reining sowie der neue Forstrevierleiter Daniel Ritter bei. Der bisherige Revierleiter Markus König, der auch noch die zur Beratung anstehenden Pläne aufgestellt hatte, musste krankheitshalber passen.

Im Forsteinrichtungsplan sind nach den Worten von Reining verschiedene Rahmenbedingungen zu berücksichtigen. Dazu gehören gesetzliche Vorgaben, die sich aus dem Landeswaldgesetz ergeben, Nachhaltigkeitskriterien, Vorgaben zur Zertifizierung, raumordnerische Aspekte und standörtliche sowie waldbauliche Verhältnisse. Die Schutzfunktion hat als Daseinsvorsorge, insbesondere auf Flächen mit besonderer Zielsetzung – Boden-, Wasser- und Naturschutz – hohe Priorität. Besonderer Wert wird auf eine naturnahe Gestaltung der Waldinnen- und-außenränder gelegt, die für die Bestandsstabilität, den Schutz und die Erholungsfunktion von hoher Bedeutung sind. Die Erholungsfunktion des Gemeindewaldes wird auch durch die Erhaltung der vorhandenen Waldwege gewährleistet. Innerhalb der zehnjährigen Forsteinrichtungsperiode wird ein ausgeglichenes Betriebsergebnis im Produktbereich Holzproduktion bei gleichzeitig hoher Wertschöpfung vor Ort angestrebt.

Oberstes Ziel bei der zehnjährigen Planung ist es, den Wald und natürlich auch seine Nutzung den kommenden Generationen zu erhalten. Die sogenannte „Nachhaltigkeit“ steht dabei für die Verantwortlichen der Forstverwaltung absolut im Vordergrund. Stark betroffen vom Orkan Lothar, leidet der Holzmadener Gemeindewald noch bis heute. Forstdirektor Reining betonte, dass durch den Orkan rund 50 Prozent des Holzvorrates der Gemeinde verloren gegangen sei. So ist der Vollzug im abgelaufenen Zeitraum von 1998 bis 2007 überwiegend von Lothar bestimmt worden. So waren 75 Prozent des Einschlags eine „zufällige Nutzung“. Die Nutzung von 3 500 Festmetern entsprach so 194 Prozent des geplanten Hiebsatzes. Erfreut zeigte er sich, dass durch Zukäufe der Gemeinde die Waldfläche leicht vergrößert werden konnte. So betrug die Waldfläche zum 1. Oktober 1985 24,6 Hek­tar und kann bis zum 1. Oktober 2008 eine Fläche von 26,4 Hektar aufweisen. Davon entfallen 58 Prozent auf Laubbäume, 11 Prozent auf den Mischwald und der Fichtenbestand liegt bei 31 Prozent. Die Nutzfläche, im Fachjargon „Holzbodenfläche“ ist mit 25,8 Hektar in die Pläne eingegangen. Bürgermeister Riehle betonte dazu, dass die Gemeinde bestrebt sei, auch in Zukunft ihren Wald durch Zukauf von Waldgrundstücken zu arrondieren und zu vergrößern.

„Vorsichtig geplant“ wurde nach den Worten von Forstdirektor Reining für das Jahr 2008. Angestrebt sei die „Schwarze Null“. Zwar erwartet man aus der Holzernte einen Überschuss von rund 600 Euro, aber durch Pflanzungskosten, Bestandspflege und die Verwaltungskosten sei dieser schnell aufgebraucht.

Nach den detaillierten Vorstellungen und der vorangegangenen Besichtigung zeigte sich der Gemeinderat zufrieden und stimmte dem zehnjährigen Forsteinrichtungsplan zu. Auch der Betriebsplan 2008 wurde vom Gremium ohne Diskussion angenommen.