Lokales

Lotsen weisen Arbeitslosen den Weg ins Berufsleben

Damit Langzeitarbeitslose aus dem Kreis Esslingen fit für den Arbeitsmarkt werden, greifen ihnen ehrenamtliche "Lotsen" unter die Arme ob mit Bewerbungstraining, Matheunterricht oder einfach als Ansprechpartner. Damit das "Lotsenprojekt" weiter rollen kann, sucht der Kreisdiakonieverband nun weitere ehrenamtliche Helfer.

ULRIKE RAPP-HIRRLINGER

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KREIS ESSLINGEN Gerhard Pfeiffer sagte sofort zu, als der Kreisdiakonieverband Esslingen ihn bat, ehrenamtlicher Lotse für einen arbeitslosen jungen Mann zu werden: "Es ist für mich eine tolle Chance, einen Menschen so an die Hand zu nehmen." Der ehemalige Leiter einer beruflichen Schule setzt sich einmal pro Woche mit seinem Schützling zusammen und büffelt mit ihm Mathe und Deutsch. Gemeinsam wollen sie so erreichen, dass Dominik Herzig den Hauptschulabschluss schafft. In einem Vertrag haben sie die Bedingungen ihrer Zusammenarbeit festgelegt.

Insgesamt 60 so genannte "Ein-Euro-Jobber" betreut der Kreisdiakonieverband im Rahmen seines Lotsenprojekts. In vier Vermittlungs- und Qualifizierungsstellen in Bernhausen, Esslingen, Kirchheim und Nürtingen kümmern sich hauptamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter um Langzeitarbeitslose, die von ihrem Job-Center für eine Arbeitsgelegenheit vorgesehen sind. "Wir schauen, was für eine Stelle für den Einzelnen in Frage käme und suchen dann passende Einsatzgelegenheiten. Das kann die Stadtverwaltung ebenso sein, wie ein Kindergarten oder Altenheim", erläutert Projektleiter Peter Dannenhauer. Gerhard Pfeiffers Schützling etwa packt im Esslinger Diakonieladen mit an.

Zusätzlich zur Arbeitsmöglichkeit sollen die Betroffenen aber auch qualifiziert werden, denn "Ziel ist es, sie für den ersten Arbeitsmarkt fit zu machen", betont der Projektleiter. Anders als andere Vermittlungsstellen setzt der Kreisdiakonieverband hier nicht nur auf hauptamtliches Know-how, sondern nimmt ehrenamtliche Kompetenz mit ins Boot. Diese Lotsen bringen ihre Erfahrungen und ihr Wissen ein, können sich intensiver persönlich um die Betreuten kümmern. "Der Lotse kann oft auch Kontakte herstellen, Türen öffnen, Tipps geben", weiß Eberhard Haussmann, Geschäftsführer des Kreisdiakonieverbands. So will auch Gerhard Pfeiffer seine Verbindungen als Schulleiter im Ruhestand nutzen, um einen Schulplatz für seinen neuen Schüler zu finden. "Die jüngere Generation muss Zugang zum Berufsleben bekommen, das hat für mich die größte Dringlichkeit", betont er. Gerade schulische Defizite verbauten oft diesen Weg.

Gerhard Pfeiffer erzählt mit Begeisterung von seiner Arbeit als Lotse. "Es ist eine Herausforderung für mich, mein Wissen noch jemandem nutzbringend zur Verfügung zu stellen", wirbt er für das Projekt. Denn die Diakonischen Bezirksstellen im Kreisdiakonieverband suchen noch dringend Menschen, die bereit sind, Lotsen zu werden. "Es kommt nicht darauf an, welche beruflichen oder persönlichen Erfahrungen jemand mitbringt. Vielmehr braucht es die Bereitschaft, sich auf den anderen Menschen einzulassen, ihn quasi ins Schlepptau zu nehmen und in den sicheren Hafen zu bringen", betont Peter Dannenhauer.

So arbeitet Martina Röhm von der Diakonischen Bezirksstelle Bernhausen mit einer Lotsin zusammen, die als Vertriebsleiterin selbst Erfahrungen mit Arbeitslosigkeit hat. Jetzt unterstützt diese neben ihrer Arbeit einen Mann mit intensivem Bewerbungstraining. Zwei andere Lotsen in Kirchheim engagieren sich mehr auf der zwischenmenschlichen Ebene, sind Ansprechpartner bei Problemen oder überlegen gemeinsam mit ihren Schützlingen, wie der berufliche Wiedereinstieg geplant werden kann.

Wie viel Zeit jeder Lotse einbringen möchte, kann er selbst bestimmen. Mit maximal vier Stunden pro Woche rechnet Peter Dannenhauer. Allerdings wünscht sich Eberhard Haussmann wöchentliche Einsätze und ein Engagement über mindestens ein Dreivierteljahr. Die Lotsen stehen in engem Kontakt mit den hauptamtlichen Mitarbeitern in den Vermittlungsstellen. Dannenhauer plant aber auch einen Erfahrungsaustausch untereinander. "Ein Ziel wäre, dass in den vier Kirchenbezirken Netzwerke entstehen und sich ein Pool von Lotsen bildet. Dann könnte man ganz individuell entscheiden, wer zu wem passt", erklärt Eberhard Haussmann. Wer sich für den Einsatz als Lotse in Kirchheim oder Nürtingen interessiert, kann sich unter den Telefonnummern 0 70 21/9 20 92 28 oder 0 70 22/93 27 75 bei Klaus Konzelmann melden oder sich unter der E-Mail-Adresse info@kreisdiakonie-esslingen.de an den Kreisdiakonieverband Esslingen wenden.