Lokales

Luftballons statt Sonnenbrillen

Jugendtag, Straßenfest, Kinder- und Jugendflohmarkt sowie Kunsthandwerkermarkt lauteten die Schlagworte der letzten drei Goldenen Oktobertage, deren Glanz teilweise durch langanhaltende Regenschauer sehr nachhaltig getrübt wurde.

WOLF-DIETER TRUPPAT

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KIRCHHEIM Auf die Wetterprognosen für das samstägliche große Straßenfest in der Dettinger Straße war Verlass leider. Nach einem herrlichen Herbsttag kam tatsächlich der Regen und blieb. Trockenen Fußes konnten am Vormittag nur noch die Vampire, Hexen und Zauberer über die Bühne flanieren und für "gruselige" Halloween-Stimmung sorgen. Kunstfertig geschminkt und mit fantasievollen Frisuren und Kostümen versehen, konnten sie in die Menge winken, die zuletzt auch noch mit Bonbons bombardiert wurde.

Der Moderator, der gehoffte hatte, die restlichen Bonbons in seinen aufgespannten Schirm geschüttet zu bekommen, ging dabei leer aus. Einige der Akteure, die die Bonbonsalven zuvor noch abgefeuert hatten, machten sich schließlich schnell daran, die gerade noch verschleuderten Süßigkeiten auch wieder einzusammeln.

Verstärkerunterstützt etwas in Hörweite gerückt, machten sich "Die 2wei" mit ihren Ständchen zum 20. Geburtstag von "Déjà vu" und die "Lynn Morgan Band" in der Dettinger Straße Konkurrenz. Der Auftakt mit den Liedzeilen "Walking all day and the sun won't shine" hatte fast schon seherischen Charakter, denn auch in der Dettinger Straße konnte man den ganzen Tag herumschlendern, ohne auch nur an die Sonne zu denken. Trotz gewaltiger Rabatte hatten Sonnenbrillen nicht gerade Hochkonjunktur. Schirme oder auch bunte Luftballons fanden da eher neue Besitzer . . .

Sonnige Gefühle kamen am ehesten in der oberen Dettinger Straße auf, wo DJ Siggi P. mit "Arrivederci Claire, wenn nochmal Sommer wär" und tätiger Mithilfe der "Fischer von San Juan" gut gelaunt gegen den Regen anzukämpfen suchte. Klare Vorteile in der Publikumsgunst hatte eindeutig, wer mit möglichst vielen und vor allem großen Schirmen zum Hinsitzen und Zusammenrücken einladen konnte. Mit einem noch so verführerischen "Stay, Lady Stay" ließen sich nun einmal nicht allzu viele im Regen vorbeieilende Ladies zum längeren Bleiben überreden. Große Publikumserfolge konnten dagegen schon am Freitagabend die drei Bands feiern, die bei der zweiten Auflage eines Jugendtages im Rahmen der Goldenen Oktobertage auftraten. Statt das Risiko eines Auftritts auf dem Marktplatz auf sich zu nehmen, hatten sie ihr Konzert vorsorglich in die trockene Linde verlegt, wohin sie rund 300 Zuhörer locken konnten. Fun-Punk mit der "Süd-Apotheke", HipHop mit "Black 'n' Proud featuring Juse Ju" und schließlich Blues mit der Gruppe "Hughes the Blues" sorgten für gute Festival-Stimmung, die auch viele ins Jugendhaus gekommene Erwachsene genossen.

Der sonntägliche Kunsthandwerkermarkt auf dem Marktplatz war vor allem am trockenen Nachmittag ein von vielen angesteuertes Ziel. Deutlich früher mussten sich dagegen die aktiven Teilnehmer des "Kinder- und Jugendmarkts" in die Innenstadt begeben, denn die guten Plätze unter Dachvorsprüngen oder gut vor Regen schützenden Ladeneingängen waren natürlich angesichts der Wetterlage ganz besonders beliebt.

Höchst bemerkenswert war, was "Kinder und Jugendliche" heutzutage offensichtlich alles im Spielzimmer entdecken, um es dann an Gleichaltrige weiter zu verkaufen. Neben der Golftasche und gleich nach Größe sortierten Lederjacken fand sich vom Einwecktopf über den Krauthobel bis zur Mikrowelle und von Porzellan-Sets bis zu angejahrten Römern und Schnapsgläsern gleich in schmucken Sechserpacks alles, was ein Kinderherz begehrt . . .

Da es genügend freie Plätze gab, störten sich die Kinder und Jugendlichen sicher nicht so sehr am konkurrierenden Angebot, sondern wohl deutlich eher am ungleichen Kampf um die allerbesten überdachten Plätze, denn da waren die älteren "Kinder" offensichtlich doch im Vorteil.