Lokales

Lust auf die Schwäbische Alb

Veranstaltungsprogramm 2009 des Naturschutzzentrums rückt „Landschaft mit Charme“ in Vordergrund

Die Schwäbische Alb zieht Menschen magisch an. Diese Erfahrung hat das Naturschutzzentrum (NAZ) Schopflocher Alb im Laufe seines 13-jährigen Bestehens gemacht. Deshalb geben im Veranstaltungsjahr 2009 die „Landschaft mit Charme“, das größte Karstgebirge in Mitteleuropa, und das Biosphärengebiet genügend Stoff für Ausstellungen, Führungen und Exkursionen her.

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richard umstadt

Lenningen. Jeder glaubt sie zu kennen, die Schwäbische Alb, das alte, brüchige Mittelgebirge vor der Haustür. Ob per Tourenrad, Mountainbike, auf Schusters Rappen oder im Pferdesattel, ob PS-stark oder mit Kutsche oder gar im Segelflugzeug hoch oben wie der Bussard, haben sie viele Menschen durchwandert, befahren und überflogen. Und doch präsentiert sie sich immer wieder in neuem Licht. Einer, der das sehr wohl weiß, ist Dieter Ruoff, NAZ-Volunteer und Fotograf, der gemeinsam mit der Dettinger Fotografin Erika Zoller-Bender ab 5. März die Fotoausstellung im Naturschutzzent­rum „Landschaft mit Charme – Schwäbische Alb“ zeigen wird. Darin gilt es die Alb neu zu entdecken, ruft NAZ-Leiter Dr. Wolfgang Wohnhas, die Besucher auf. So wie Ruoff und Zoller-Bender sie neu entdeckten – „1 000 mal fotografiert, 1 000 mal ist nichts passiert, dann hat‘s Zoom gemacht“, beschreibt Dieter Ruoff seine Erfahrung mit der herben Schönheit. Die rund 30 Fotografien aus allen vier Jahreszeiten wollen den Betrachter die Atmosphäre der Schwäbischen Alb spüren lassen und Lust auf mehr machen.

Freilich besitzt die Landschaft mit Charme einen recht löchrigen Untergrund. Damit wird sich die naturwissenschaftlich ausgerichtete Wanderausstellung „Kalk und Karst im Biosphärengebiet“ beschäftigen, die gemeinsam mit den Teck-Volunteers erarbeitet wurde und das schlechte Image des Kalks aufpolieren will. Die 15 Tafeln weisen darauf hin, welch einzigartige Bedeutung der Kalk für das Mittelgebirge und die Menschen der Region hat. Vom Kalkkristall über die ältesten Musikinstrumente, einer Flöte aus Schwanenknochen, bis hin zu Steinmurmeln aus der Neidlinger Kugelmühle und der Verwendung von Kalk im Alltag, etwa in der Zahnpasta oder in Tabletten und als Zement, bis zur Karstquelle erfahren die Besucher alles Wissenswerte über die Erscheinungsformen des Kalks. Bereits das Titelbild des neuen Veranstaltungsprogramms, das kostenlos in den Rathäusern der Landkreise Esslingen und Göppingen ausliegt, deutet das Thema an. Es zeigt einen Karstbach im Dontal bei Gutenberg mit den typischen Kalktufftreppen. Als Begleitprogramm gibt es unter anderem eine naturkundliche Wanderung zu den Gütersteiner Wasserfällen, die das Phänomen Kalk vor Ort eindrucksvoll demonstrieren.

Eine weitere Sonderausstellung widmet sich einem Thema, das 2008 in die Schlagzeilen geriet, als 11 000 Bienenvölker am Rhein ausfielen. „Gemeinsam mit dem Bezirksbienenzüchterverein Kirchheim wollen wir auf die große Bedeutung der Bienen und der Imkerei für Natur und Mensch hinweisen“, erklärte Dr. Wohnhas. Neben interessanten Einblicken in die faszinierende Lebensweise der sozial veranlagten Insekten informiert die Ausstellung anhand zahlreicher Objekte auch über die Herstellung von Produkten der Honigbienen.

Neben der Schwäbischen Alb bildet das Biosphärengebiet Schwäbische Alb den zweiten Themenschwerpunkt. Das Naturschutzzentrum Schopflocher Alb ist Nordportal und Informationszentrum im Biosphärengebiet und möchte deshalb über dieses einzigartige und bislang größte Naturschutzprojekt im Ländle informieren und die Werbetrommel rühren. Großes Interesse der Besucher an dem Thema stellte der NAZ-Leiter in den vergangenen beiden Jahren fest. „Wir haben unser Angebot 2009 dementsprechend weiter ausgebaut.“ Neu sind zum Beispiel naturkundliche botanische Führungen im Biosphärenreservat und Informationsveranstaltungen für Wanderführer, Jugendleiter und Lehrer zum Thema Zielsetzung, Aufgaben und Struktur des Biosphärengebiets. Darüber hinaus gibt es naturkundliche Führungen, Busexkursionen auf den ehemaligen Truppenübungsplatz Münsingen und einen Bauernmarkt mit Produkten aus dem Reservat.

Weitere Produkte und sämtliche Informationen zum Thema Biosphärengebiet in Form von Wanderkarten, Broschüren und Bücher hält der Museumsshop des Nordportals Naturschutzzentrum Schopflocher Alb parat. „Wir beraten hier Menschen, die das 85 000 Hektar große Biosphärengebiet entweder geführt oder auf eigene Faust erkunden wollen“, sagte Dr. Wolfgang Wohnhas. Der Bedeutung des Nordportals entsprechend werden im Herbst die Bagger anrollen, wie der Erste Landesbeamte und stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Stiftung Naturschutzzentrum Schopflocher Alb, Matthias Berg, informierte. Nachdem der Kreistag grünes Licht für die Erweiterung des Gebäudes gab und die Lenninger mithalfen, über das Programm Entwicklung Ländlicher Raum (ELR) an den Geldtopf zu kommen, soll das Zentrum an das bisherige Rondell ein Anbau in Form einer „Steinscholle“ erhalten. Außerdem trägt das Land als Stiftungspartner finanziell dazu bei, das Haus energetisch auf Vordermann zu bringen. Wenn alle Arbeiten bis zum Herbst 2010 abgeschlossen sein werden, wird das Naturschutzzentrum neben dem Biosphären­lädle eine rund doppelt so große, modern gestaltete Ausstellungsfläche besitzen.

Die Umweltbildung für Schulklassen, Kinder und Jugendliche ist neben Seminaren und Tagungen für Erwachsene sowie naturkundlichen Führungen ein Arbeitsschwerpunkt des Zentrums. Da gibt es das grüne Klassenzimmer, das Junior-Ranger-Camp, Naturgeburtstage, Workshops, Exkursionen und ein internationales Work-Camp für Jugendliche aus Frankreich, Serbien und Deutschland. Spannend wird‘s für die Kids, wenn Pilipp Felten von den NAZ-Volunteers im Randecker Maar den Schwäbischen Vulkan explodieren lässt. Dann gehen auch Lea Meisner aus Braunschweig und Marco Lutz aus Calw in Deckung. Die beiden leisten zurzeit ihr Freiwillig Ökologisches Jahr im Zentrum.