Lokales

Luther und der Feiertag

Am Montag ist Feiertag! Zwar nicht bei uns in Baden-Württemberg, aber in den neuen Bundesländern wie zum Beispiel Sachsen oder Thüringen. Dort hat man sich nämlich dafür entschieden, nicht den 1. November (und damit das Fest "Allerheiligen") zum Feiertag zu machen, sondern den 31. Oktober das so genannte "Reformationsfest".

Mir würde das auch für uns viel besser gefallen, denn an diesem Tag, vor knapp 500 Jahren, hat der damals noch junge Theologe Martin Luther eine Bewegung in Gang gebracht, von der wir Christen bis heute ganz wesentlich profitieren. Es war seine intensive Beschäftigung mit der Bibel, die Martin Luther damals klar gemacht hat, dass vieles in der Kirche damals gründlich schief gelaufen war. In den Briefen des Apostel Paulus las er nämlich von dem gnädigen Gott, der die Menschen ohne Vorleistung liebt und der jedem Menschen durch Jesus Christus das Angebot der Rettung und Sündenvergebung macht. Das alles passte nicht zum damaligen Erscheinungsbild der Kirche, wo den Menschen mit Angstmache das Geld aus der Tasche gezogen wurde.

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Deshalb formulierte Luther die legendären "95 Thesen" und heftete sie am 31. Oktober 1517 an die Tür der Schlosskirche zu Wittenberg. Was daraus wurde wissen wir: nämlich eine geschichtliche Epoche, die "Reformation". Und daraus folgte dann die Entstehung der evangelischen Kirchen.

Das Reformationsfest am letzten Tag im Oktober führt uns deshalb zurück auf die Grundlagen unseres christlichen Glaubens: Denn der besteht eben nicht in erster Linie darin, dass wir ein anständiges Leben führen, unsere Kirchensteuer zahlen und möglichst wenig Böses tun. Das, was unseren Glauben letztlich ausmacht, ist allein die Botschaft von einem gnädigen Gott, der die Menschen so unendlich liebt, dass er bereit war, in Jesus Christus zu ihnen zu kommen. Um diesem Gott zu begegnen brauchen wir keine Leistung in Form von "guten Werken" zu bringen, es genügt allein der Glaube. Die Botschaft Luthers war und ist die Botschaft der Bibel und sie gilt heute noch genauso sicher wie vor fast 500 Jahren.

Schade also, dass bei uns nicht das Reformationsfest ein gesetzlicher Feiertag ist. Aber man kann ja trotzdem einen "Luther-Gedenktag" daraus machen, zum Beispiel indem man sich diesmal den sehr empfehlenswerten Spielfilm "Luther" im Fernsehen anschaut (Montag, 20.15 Uhr, ARD).

Pastor Volker Seybold

Evangelisch-methodistische Kirche, Kirchheim