Lokales

"Machen Sie mit beim Gestalten der Gemeinschaft"

Eine nachdenkliche Ute Vogt präsentierte sich beim Neujahrsempfang des SPD-Kreisverbandes Esslingen in der Mörikehalle in Nürtingen. Weit über 300 Menschen waren gekommen, um die SPD-Landesvorsitzende und Parlamentarische Staatssekretärin zu hören und den Gedankenaustausch mit der sozialdemokratischen Polit-Prominenz aus Land, Kreis und Stadt zu pflegen.

CHRISTA ANSEL

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NÜRTINGEN Die Konsequenzen aus der durch das Seebeben in Südostasien ausgelösten Naturkatastrophe für ein Zusammenleben in einer Welt hat die Kreisvorsitzende Barbara Sinner-Bartels bereits in der Einladung skizziert. Sie wurden von Festrednerin Ute Vogt aufgegriffen, die die Gäste beim SPD-Neujahrsempfang aufforderte, "machen Sie mit beim Gestalten unserer Gemeinschaft".

Nachdem die SPD beim Neujahrsempfang im vergangenen Jahr den Wahlsieg von Nürtingens Oberbürgermeister Otmar Heirich habe feiern können, sei es selbstverständlich gewesen, jetzt zum Neujahrsempfang nach Nürtingen einzuladen, betonte SPD-Kreisvorsitzende Barbara Sinner-Bartels am Freitagabend. Mit Ute Vogt habe man eine Festrednerin gewonnen, die bei ihrer steilen politischen Karriere stets menschlich geblieben sei. Mit Menschen zu reden sei eine ganz wichtige Eigenschaft, die Politiker mitbringen sollten, damit sie über die Konsequenzen ihrer Entscheidungen vor Ort Bescheid wüssten.

Barbara Sinner-Bartels konnte beim Neujahrsempfang neben der Festrednerin weit über 300 Gäste aus dem Land und dem Landkreis in Nürtingen begrüßen, unter ihnen die Bundestagsabgeordneten Karin Roth und Rainer Arnold, die Landtagsabgeordneten Wolfgang Drexler, Nils Schmid und später noch Carla Bregenzer, die Kreisrätin Sonja Spohn, Vertreter von Gewerkschaften und vielen Einrichtungen aus dem Kreis.

"Das Jahr 2004 war kein einfaches Jahr", bestätigte Ute Vogt. Schwierige Diskussionen seien geführt und heftige Emotionen frei gesetzt worden, "die uns bewegt haben, weil wir etwas bewegen wollen". Für die SPD-Landesvorsitzende ist es wichtig, solches auszuhalten auch und gerade wenn es schwierig werde. Die Bundesregierung habe in ihrer Regierungszeit vieles positiv verändert, habe den Menschen aber auch etwas abverlangt. Dass viele Menschen diesen Weg begleitet und sich damit kritisch auseinander gesetzt haben, dafür dankte Ute Vogt besonders denen, die sich ehrenamtlich in der Politik engagierten. Und da fand sie auch anerkennende Worte für die Mitarbeiter der Agenturen für Arbeit, die die Hartz-Reform reibungslos umgesetzt hätten. "Reformen funktionieren nur, wenn die Betroffenen und die Verbände vor Ort diese mittragen."

Die Flutkatastrophe, so die SPD-Landeschefin, habe die große Bereitschaft zu helfen und die Zukunft zu sichern in einer Dimension gezeigt, die das bislang Vorstellbare gesprengt habe. Diese Motivation, da zu sein, wo Menschen Unterstützung bräuchten, sei beeindruckend. Jetzt seien Partnerschaftsinitiativen gefordert, damit die Hilfe dort ankomme, wo sie gebraucht werde und nicht in der Bürokratie stecken bleibe. Konsequent sei es deshalb, dass sich die Bundesländer Regionen auswählten, in denen viele Partner der Länder konzentriert und langfristig helfen sollten. Eine entsprechende Initiative habe die Landes-SPD eingebracht. Vielleicht eröffne sich so auch die Chance, im Land Schwerpunkte zu verschieben. Sie forderte auf, den Blick nicht zu verlieren für die globalen Zusammenhänge weltweit und damit auch für das sich dort abspielende Leid. "Entwicklungshilfe ist mehr als der Übergang von Arm und Reich" zitierte die SPD-Landesvorsitzende Willy Brandt und appellierte an die Verantwortung der Politiker, dies als Chance zu begreifen.

Dann streifte Ute Vogt doch noch ureigene politischen Themen wie den bevorstehenden Armutsbericht und die durch die Grundsicherung ermöglichte Existenzsicherung vor allem älterer Frauen, oder die Forderung nach neuen Strukturen in der Kinderbetreuung durch Ganztagesschulen und Ganztagesbetreuung in Kindergärten. "Politik", da zeigte sich Ute Vogt selbstbewusst, "kann etwas bewirken, vor allem dort, wo Menschen miteinander reden und diskutieren". 60 Jahre Frieden seien ein wichtiger Baustein dafür, was Politik erreiche.

Stürmischen Beifall ernteten beim Empfang der Kreis-SPD die Gestalter des musikalischen Programms. Unter der Regie von Paul Theis servierten Tom Bittner, Michael Schlenzog und Eckkehard Kneer eine köstliche Parodie auf die "Drei Tenöre".