Lokales

Mallorca-Temperaturen im Winter?

Am Wochenende wird es mild und stürmisch – mäßige Aussichten für Schneeliebhaber

Der Winter ist nur kurz vorbeigeschneit, es herrscht wieder Tauwetter: Zum Wochenende erwartet die Region ein stürmisches, jedoch ähnlich mildes Wetter wie im Januar 2014.

Der Schnee hat sich nur ein kurzes Stelldichein gegeben: Wo noch am letzten Wochenende Skivergnügen möglich war, müssen Winterfr
Der Schnee hat sich nur ein kurzes Stelldichein gegeben: Wo noch am letzten Wochenende Skivergnügen möglich war, müssen Winterfreunde dieser Tage wegen Tauwetters auf eine Rückkehr des Winters warten.Archivfoto: Jean-Luc Jacques

Kreis Esslingen. „Werden die Tage wieder länger, dann wird auch der Winter strenger“, besagt eine alte Bauernregel. Davon ist aber momentan kaum etwas zu bemerken. Kaum konnte man sich in den letzten Wochen über den ersten Schnee freuen, schwindet die weiße Pracht angesichts der Temperaturen auch schon wieder dahin. Das sorgt vor allem bei Freunden des Wintersports für lange Gesichter: Die Skilifte in der Region haben bereits Mitte der Woche ihren Betrieb aufgrund der milden Witterungsverhältnisse eingestellt und warten auf Neuschnee.

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Ein Blick auf die aktuelle Wetterprognose für den Südwesten sorgt vielleicht ebenfalls für Verwunderung: So soll das Thermometer beispielsweise am heutigen Samstag auf bis zu 14, entlang des Oberrheins stellenweise sogar auf bis zu 16 Grad steigen können. Das entspräche in etwa den aktuellen Temperaturen auf der spanischen Mittelmeerinsel Mallorca – und das mitten im Hochwinter. War es das etwa schon wieder mit dem Schnee für dieses Jahr?

„Diese Situation ist für Anfang Januar vielleicht ungewöhnlich, mit Blick auf die Vergangenheit aber keineswegs außergewöhnlich“, sagt Klaus Riedl vom Deutschen Wetterdienst (DWD) in Stuttgart. Ein kurzer Blick in die Statistik verrät ihm beispielsweise, dass der DWD am 9. Januar vor einem Jahr schon einmal 16,5 Grad gemessen hat. „Auch da war der Winter aber eher mild,“ erinnert sich der Meteorologe. „Ein Trend, der sich vielleicht auch in diesem Jahr fortsetzt.“

Soweit, dass schon jetzt die Sonnenbrille ausgepackt und die warme Jacken im Schrank gelassen werden kann, ist es deshalb aber noch lange nicht. Umwerfendes Wetter dürfe man laut Riedl nämlich nicht erwarten. „Es wird zwar mild, aber sehr stürmisch. Umwerfend sind höchstens die Sturmböen, die dieser Tage über uns hinwegfegen.“ Aus diesem Grund rät der Wetterdienst Spaziergängern auch zur Vorsicht beim Waldbesuch, da abgebrochene, in den Wipfeln hängende Äste herabstürzen und so zur Gefahr werden könnten.

Die aktuelle Wetterlage führt der Meteorologe auf die lebhafte Strömung über dem Atlantik zurück, die im Moment viel warme Luft nach Europa pumpe. „Deshalb beherrschen die Tiefdruckgebiete den Kontinent und drängen den Winter weitgehend zurück.“ Die Kaltluft konzentriere sich auf der Nordhalbkugel im Osten Kanadas und Nordamerikas, wo sie für knackige Kälte sorgt.

Davon ist die Teckregion zwar weit entfernt, gänzlich aufgeben müssen die Freunde des Wintersports die Hoffnung auf Schnee für dieses Jahr aber noch nicht. „Die Kaltluftpotenziale sind eindeutig gegeben. Wenn sich die Druckluftgebiete verschieben, ist in der zweiten Monatshälfte eine kräftige Rückkehr des Winters nicht unwahrscheinlich“, macht Riedl den Schneeliebhabern vorsichtig Mut. Schon in der Nacht zum Sonntag rechnet der Wetterdienst mit einem Temperatursturz auf drei bis sechs Grad. Aus Regen könnte Graupelschauer oder sogar Schnee werden.

All jenen, die sich nostalgisch darauf berufen möchten, dass „früher alles besser gewesen sei“, möchte der Wetterfrosch aber widersprechen: „Da ist viel subjektives Empfinden dabei.“ Als aktuellstes Beispiel dafür, das die Erinnerung einen täusche, könne das Jahr 2014 herhalten. „Seit Beginn der Aufzeichnungen des Stuttgarter DWD im Jahr 1951 haben wir kein wärmeres Jahr verzeichnet.“ Als ein solches Rekordjahr dürfte es aber nur den wenigsten in Erinnerung geblieben sein. Vor allem der Sommer mit seinen wechselhaften, verregneten Tagen im Juli und August trübe den Gesamteindruck. „Wenn es nicht viele, schöne Tage am Stück gibt, fällt der Sommer eben bei vielen durch.“