Lokales

"Man kann sich an die Zeitung gewöhnen"

Steter Tropfen höhlt den Stein dass diese antike Weisheit auch heute noch ihre Berechtigung hat, zeigt sich wieder einmal am Projekt "Zeitung in der Schule" ("ZiSch"). So schreibt eine Achtklässlerin nach mehrwöchiger regelmäßiger Teckboten-Lektüre: "Früher dachte ich, Zeitung ist was für ältere. Aber manchmal sind schon interessante Themen drin."

ANDREAS VOLZ

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KIRCHHEIM Für "ZiSch" 2004 hat bereits die zweite Halbzeit begonnen: 467 Schüler aller Schularten

(O:21070320.JP_aus Kirchheim, Dettingen, Lenningen und Weilheim sind es schon längst gewöhnt, jeden Tag einen Blick in "ihre" Zeitung zu werfen, sich das herauszupicken, was sie ganz persönlich interessiert, und alles andere zu überfliegen oder sogar zu überblättern. Die entsprechende Lesekompetenz haben sie sich also bereits nach wenigen Wochen perfekt angeeignet. Die Weilheimer Achtklässlerin Sengül bringt es auf den Punkt: "Es gibt sehr viele Überschriften in der Zeitung, und da kann man seine Interessen lesen."

Das Zeitungsprojekt an den Schulen rund um die Teck steuert einer gesellschaftlichen Tendenz entgegen, die seit dem "PISA"-Schock bundesweit bekannt ist und allgemein beklagt wird. So findet es die Lenninger Schülerin Mona vor allem deshalb gut, an "ZiSch" teilzunehmen, "weil die meisten Jugendlichen nicht gern lesen, und am wenigsten Zeitung". Dann sei es gut, wenn diese Jugendlichen in der Schule den Teckboten bekämen, damit sie wissen, was in der Welt geschieht, und sich auch über das informieren können, was in ihrer nächsten Umgebung passiert.

Die meisten "ZiSchler", deren Rückmeldungen der Teckboten-Redaktion vorliegen, schreiben, dass sich ihr Leseverhalten geändert hat. Sie alle lesen mehr als noch vor Beginn des Schuljahres. "Man kann sich an die Zeitung gewöhnen", meint Matthias, während Sophia feststellt: "Man tut mehr lesen als sonst." Stärker persönlich geprägt ist Benjamins Aussage: "Ich finde das Projekt in dem Sinn wichtig, weil ich mehr mit den Zeitungen umgehen muss und zusätzlich mehr lese."

Vom Saulus zum Paulus hat sich Diana gewandelt, die ebenfalls eine achte Klasse besucht: "Früher fand ich Zeitunglesen langweilig, doch nun bemühe ich mich, auch zu Hause Zeitung zu lesen. Es ist nämlich doch sehr interessant auch die Berichte zu den Städten, in denen man wohnt, zu lesen." Ganz ähnlich lautet die Bilanz ihres Klassenkameraden Sven: "Durch die Zeitung weiß ich besser über das Weltgeschehen Bescheid als im Fernsehen. In der Zeitung gibt es lokale, nationale und internationale Nachrichten, und ich kann das lesen, was mir gefällt."

Andere Schüler sehen auch einen Vorteil darin, dass sie in der Schule gemeinsam die Zeitung lesen und alles Wesentliche zusammen besprechen. Jetzt, in der zweiten Hälfte des Projekts, wird die Zusammenarbeit im Klassenverband sogar verstärkt: Die Klassen schwärmen aus und nehmen die verschiedensten Recherchetermine wahr, bei Polizei und Feuerwehr, im Krankenhaus, auf der Bank oder in der Bäckerei. Anschließend ist es ihre Aufgabe, gemeinsam darüber einen Artikel zu schreiben oder sich auf einen Artikel zu einigen, den eine kleinere Gruppe verfasst hat.

Die Aussicht auf diese Arbeit scheint den "ZiSch"-Schülern zu behagen. Sie halten es für "interessant, einen eigenen Artikel zu schreiben". Oder sie freuen sich noch ein wenig überschwänglicher auf die Veröffentlichung ihres Werks, wie beispielsweise Davor, der schreibt: "Ich finde es toll, denn wir können da drin nämlich auch vorkommen." Tatsächlich erscheinen die Artikel der einzelnen Klassen nach und nach im Lokalteil des Teckboten, auf speziellen "ZiSch"-Seiten.

Was für die einzelnen Schülerinnen und Schüler beim Projekt "Zeitung in der Schule" noch an Mühe hinzukommt, sind die so genannten "Langzeitarbeiten": Über den gesamten Projektzeitraum sammeln sie Zeitungsartikel zu einem Thema ihrer Wahl, sortieren sie und werten sie aus. Der Aufwand dafür kann sich gleich doppelt lohnen zum einen durch den Wissenszuwachs, den die Arbeit mit sich bringt, und zum anderen durch das Preisgeld, das die Stiftung Kreissparkasse als Wirtschaftspartner für die drei besten Langzeitarbeiten ausgelobt hat.

Noch bis zu Beginn der Weihnachtsferien bekommen die "ZiSch"-Klassen jeden Tag einen Klassensatz des Teckboten als Unterrichtsmaterial. Für die Gewinner des Preisgelds kann es aber zu Beginn des kommenden Jahres gleich wieder Weihnachten werden.