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"Man musste richtig nachdenken"

Mathematik als Spaßfaktor was manchen Mitmenschen paradox erscheinen mag, kann tatsächlich zusammenpassen. Die Klasse 10b des Ludwig-Uhland-Gymnasiums hat jetzt den Beweis dafür erbracht: Beim Wettbewerb "Mathematik ohne Grenzen", an dem erstmals auch Gymnasien aus Nordwürttemberg teilnehmen konnten, hat sie auf Anhieb den ersten Platz belegt.

ANDREAS VOLZKIRCHHEIM Die Teamarbeit ist entscheidend. Das sehen nicht nur die Straßburger Organisatoren des internationalen Wettbewerbs "mathematiques sans frontieres" so. Auch für Ulrich Neubert, den Mathelehrer der 10b, steht fest: "Um zu gewinnen, muss der Zusammenhalt in der Klasse stimmen. Da muss jeder mitmachen. Keiner darf sich abseilen." In der 10b seien diese Voraussetzungen gegeben, die genauso wichtig für den Erfolg sind wie das mathematische Denkvermögen.

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Zehn Aufgaben hatten die Zehntklässler und ihre Altersgenossen in Deutschland, Frankreich, Polen, Ungarn oder in der Schweiz zu bewältigen zeitgleich am 7. Februar. In jeder Region wurden anschließend die Sieger ermittelt. Die Region "Nordwürttemberg", die dem Regierungsbezirk Stuttgart entspricht, war zum ersten Mal dabei. Mit 57 von 65 möglichen Punkten hat sich die 10b unter 19 Mitbewerbern durchgesetzt.

Die Ergebnisse sind seit 24. Februar bekannt. Die Sieger haben trotzdem erst gestern von ihrem Erfolg erfahren, am ersten Schultag nach den Ferien. Und wie es sich für würdige Champions gehört, übten sie sich auch gleich in Bescheidenheit. "Wir hätten nicht gedacht, dass wir so fit sind", meinte Cora Willi gestern. "Es war auch nicht so, dass wir da unbedingt gewinnen wollten. Wir dachten, es treten sicher viele gute Klassen gegen uns an, und wir wollten nur so gut wie möglich sein." Wie sich nun herausgestellt hat, waren die Kirchheimer Zehntklässler gleich so gut, dass es in ganz Nordwürttemberg gar nicht besser ging.

Ohne Spaß an der Sache geht es natürlich nicht. "Ich fand's voll interessant", sagte Ellen Beutelschieß nachträglich, "es war nicht so langweilig, und man musste richtig nachdenken." Bei den Aufgaben standen mathematische Problemstellungen im Vordergrund. Aber anders als im "normalen" Unterricht waren keine vorgegebenen Lösungswege gefragt, sondern eigene kreative Ansätze. Bei manchen Aufgaben hatten die späteren Sieger zwar eine Lösung, waren sich aber nicht sicher, ob sie einen korrekten Rechenweg gefunden hatten. Bei anderen Aufgaben genügte eine saubere Zeichnung.

Die Art der Darstellung wurde ebenfalls mitbewertet. Sie hätten sich deshalb extra um Schönschrift bemüht, erzählte Marina Veil gestern. Sie wagte sich auch als erste aus der Deckung und gab offen zu: "Ich mag Mathe." Ulrich Neubert zufolge geht es vielen Schülern genauso. Es sei nur nicht "en vogue", das auch deutlich zu sagen. Dass er mit dieser Aussage ins Französische verfiel, passt bestens zum Wettbewerb, der 1989 im Elsass entwickelt worden war. Eine der Aufgaben ist stets in einer Fremdsprache zu lösen. Für die 10b war das kein Problem: Erstens gehört die Klasse zum sprachlichen Zug am Ludwig-Uhland-Gymnasium, und zweitens war in diesem speziellen Fall ein Schüler für die Formulierung zuständig, der ein halbes Jahr in Frankreich verbracht hat.

Die Teamarbeit in der 10b hat also bestens funktioniert. Selbstständig hatte sich die Klasse in Gruppen aufgeteilt, um jeweils eine oder zwei Aufgaben zu bearbeiten. Je nach Fähigkeiten wurden die Aufgaben auch getauscht oder von den anderen Gruppen noch einmal überprüft. Ihr mathematisches Geschick können die 29 Schülerinnen und Schüler der 10b am 24. Mai noch einmal unter Beweis stellen: Die Sieger aus Nordwürttemberg, Südbaden, dem Elsass und der Schweiz treffen sich dann im Europapark in Rust um gemeinsam Spaß zu haben, aber auch, um mit neuen Aufgaben die beste unter den Siegerklassen zu ermitteln.

Walter Pape, der zuständige Fachabteilungsleiter am Ludwig-Uhland-Gymnasium, übte sich gestern bereits als Motivationstrainer: "Wir trauen es der Klasse zu, dass sie auch in Rust gewinnt."

INFOWer sich für die Details des Wettbewerbs "Mathematik ohne Grenzen" interessiert, zum Beispiel auch für die einzelnen Aufgaben und deren Lösungen, wird im Internet unter der Adresse www.mog-stuttgart.de fündig.