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"Man riecht nichts, und man sieht nichts"

Seit nahezu drei Monaten liefert die Anlage bereits zuverlässig Wärme. Am gestrigen Freitag nun wurde sie feierlich eingeweiht: die innovative Holzheizanlage, mit der die Gemeinde Dettingen und der Landkreis Esslingen gemeinsam in den "Unteren Wiesen" Schulen, Hallen und Bäder beheizen wollen.

ANDREAS VOLZ

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DETTINGEN Wolf-Kersten Meyer, Geschäftsführer der Betreibergesellschaft Stadtwerke Pforzheim, sprach davon, dass der Bau eines Heizwerks immer auch ein wenig umstritten sei weil jeder zwar von modernster Technik gut versorgt werden, die dafür erforderlichen Anlagen aber nicht direkt vor der Haustür haben wolle. "Diesen Spagat muss man als Unternehmen vollbringen, und ich denke, es ist uns in Dettingen gut gelungen", sagte er. Auf die Nachbarschaft und die Umweltaspekte sei in besonderer Form eingegangen worden: "So wurde ein Elektrofilter nachgeschaltet, um auch die geringsten Feinstäube jederzeit filtern zu können." Aufgrund der technisch innovativen Lösung im Bereich Holzenergie sei das Projekt zudem durch das Programm "Energieholz Baden-Württemberg" gefördert worden.

Landrat Heinz Eininger hob die "zukunftsorientierte Planung" hervor, die rechtzeitig auf ein Holzheizwerk setzte, da die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen immer stärker zunehme. Die neue Holzheizung bezeichnete er als "ökologisch und wirtschaftlich". Die Ökobilanz stimme, dank modernster Filtertechnik. Da 80 Prozent des Rohmaterials aus der unmittelbaren Umgebung stammten, würden auch keine langen Transportwege anfallen. Zudem sei die Heizöleinsparung enorm. Das gesamte Projekt nannte der Landrat ein "Musterbeispiel für kommunale Zusammenarbeit, zwischen Kreis und Gemeinde". Für die Zukunft wünschte er sich, "dass die Zusammenarbeit so weitergeht, wenn die Verbundschule nächstes Jahr den Betrieb aufnimmt".

Vonseiten der Gemeinde Dettingen erinnerte Bürgermeister Rainer Haußmann daran, dass anfangs "nicht jeder in der Bürgerschaft gleich Feuer und Flamme war" für die neue Heizanlage, die nun seit Anfang August das Hallenbad, die Teckschule und die Sporthalle mit Wärme versorgt. Umso mehr freue er sich nun, "dass wir unsere Zusagen gegenüber der Nachbarschaft einhalten können. Wir haben zwei Filter in der Anlage, die wir nicht hätten einbauen müssen, und jetzt können wir beweisen, was zu beweisen war: Man riecht nichts, und man sieht nichts." Allenfalls Wasserdampf entweiche der Anlage.

Wichtig für das Holzheizwerk sei es, dass die Wärme, die es produziert, das ganze Jahr über gebraucht wird. Das Dettinger Hallenbad sei ganzjährig der größte Abnehmer. Deshalb sei die Entscheidung des Gemeinderats für den Bau der Heizanlage zugleich auch eine Entscheidung für das Hallenbad gewesen. Die richtige Entscheidung ist Bürgermeister Haußmann zufolge auch bei der sorgfältig abgewogenen Wahl des Standorts gefallen. Außerdem hob er die Stadtplanung besonders hervor: "Wenn wir dabei gespart hätten, wäre die Lösung nicht so gut und so nachhaltig geworden."

Der technische Planer der 400-Kilowatt-Anlage, Dr. Georg Berndt vom gleichnamigen Kirchheimer Ingenieurbüro, führte die Gäste der Einweihungsveranstaltung anschließend durch das neue Nutzgebäude an der Dettinger Teckschule. Auch er betonte die besonderen Maßnahmen für den Umweltschutz. Die zusätzlichen Elektrofilter zum Schutz vor Feinstaub seien bei einer Anlage dieser vergleichsweise bescheidenen Größenordnung nicht üblich. Hinzu kommt der Schallschutz. Da die Anlage komplett eingehaust ist, könne der Lärm kaum nach außen dringen.

Das Silo, das ein Fassungsvermögen von 120 Kubikmetern hat, verfügt außerdem über eine eigene Entlüftung, falls es zu unerwünschter Geruchsbildung kommen sollte. "Bisher hatten wir aber noch keine Probleme", versicherte Georg Berndt gestern nach rund zwölf Wochen Erprobung in der Praxis.

Die Heizanlage wird jährlich etwa 4 000 Schüttkubikmeter an nachwachsendem Brennmaterial verbrauchen. Der Holzlieferant soll zugleich auch die Asche abholen und entsorgen. Sowohl Deponien als auch die Landwirtschaft können Abnehmer dafür sein. Für besonders kalte Wintertage verfügt die Anlage noch über einen Ölkessel, dessen Zuschaltung bei Bedarf vollautomatisch erfolgt. Wenn die Verbundschule des Landkreises für körper- und sprachbehinderte Kinder im kommenden Jahr ihren Betrieb aufnimmt, können Lehrer wie Schüler also auch den härtesten Wintern gelassen entgegensehen.

INFODas Holzheizwerk versorgt außer dem Hallenbad auch die Teckschule und die Sporthalle. Hinzu kommt die neue Verbundschule samt Bewegungsbad. In einigen Jahren könnte auch die Schlossberghalle an das Heizsystem angeschlossen werden.