Lokales

Manche Privatfahrt wird einfach gestrichen

Tank voll, Geldbeutel leer, eine Tatsache nach dem kurzen Besuch an der Tankstelle. Da greift auch der alte Spruch nicht mehr: Bezinpreis? "Ist mir egal, ich tanke sowieso nur für 20 Euro." Aber regt sich tatsächlich jemand über die stattlichen Benzinpreise auf?

RUDOLF STÄBLER

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KIRCHHEIM An einer großen Tankstelle in Kirchheim mit täglich rund 1100 bis 1200 Kunden ist man sich sicher, dass sich die Leute bereits seit einiger Zeit an die neue Preissituation gewöhnt haben und nur noch ein verschwindend kleiner Teil schimpft, oder gar das Personal anmacht, das ja sowieso für die Preisgestaltung nichts kann. Obwohl eine gewisse Aufregung über den hohen Preis herrscht, kann fast niemand die Frage nach dem Grund für den Anstieg beantworten. Bei den Stammkunden findet man so eigentlich gar keine Reaktion. Junge Leute, so wurde vom Personal an der Tankstelle beobachtet, reagieren sicherlich etwas empfindlicher und tanken eben mal nur für zehn Euro, auf die Dauer schlägt der Preis aber trotzdem durch.

Die Erhöhung des Kraftstoffpreises liegt, laut ADAC, zum einen an der hohen Besteuerung, die aus dem Mineralölsteuersatz und der Ökosteuer besteht. Wobei die Steuern fast drei Viertel des gesamten Preises ausmachen. Mit Schuld ist natürlich auch der extreme Anstieg der Rohölpreise, und da ist sicherlich das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht.

Allgemein werden zu Ferienbeginn in Baden-Württemberg und Bayern weitere Anstiege des Preises erwartet. Dem allerdings widerspricht Wolfgang Lipp von der Esso-Tankstelle an der Schlierbacher Straße. Er rechnet mit einer kurzfristigen Erhöhung von zwei bis drei Cent, die dann nach dem Ferienstart wieder zurückgenommen werde.

Verschiedene Kunden reagieren auf ihre ganz persönliche Art und Weise. So wird manches Ausflügle, bei dem man das Auto benötigt, halt nicht gemacht. "Ich fahre nur noch das Notwendigste" ist sich ein Tankkunde sicher, der andere will mit langsamerem Fahren seinen privaten Verbrauch etwas drosseln. Individuelle Lösungen sind halt gefragt. Einige der befragten Kunden würden auch auf öffentliche Verkehrsmittel umsteigen, aber das scheint in vielen Fällen nicht möglich. Zu lang oder zu umständlich wäre die Fahrt an den Arbeitsplatz. "Da bin ich als Schichtarbeiter ganz schön angeschmiert."

Viele der befragten Kunden wollen wegen der erhöhten Ausgaben für Benzin nun eben an anderer Stelle sparen oder überlegen sich sogar den Umstieg auf einen kleineren Wagen. Dieser würde dann auch entsprechend weniger "schlucken."

Absolut nicht im Gespräch sind bei den Tankstellenkunden alternative Kraftstoffe wie Biodiesel, Erdgas, Autogas. So plant auch keiner der befragten Kraftfahrer in der nächsten Zeit auf ein Auto umzusteigen, das mit einem dieser alternativen Kraftstoffe bewegt werden kann. Auch das Interesse der Tankstellen, den Kunden solche Angebote zu machen, hält sich zurzeit noch ziemlich stark in Grenzen. "Es bringt wohl nichts", ist man sich sicher.

Was bringt das Internet?Man hört die Leute täglich jammern: immer höher steigt der Preis, kaum kann man sich mehr eine Füllung leisten. Dabei ginge das alles doch anders, will das Internet weismachen. Zig bunte Webseiten wollen den Autofahrern "helfen" und die billigsten Tankstellen aufzeigen. Schaut man aber genauer hin, ist wenig Substanz hinter diesen Angeboten. Eine glanzvolle Ausnahme: www.clevertanken.de. Hier gibt der preisbewusste Surfer einfach die Spritsorte und einen bestimmten Ort ein, und schon spuckt ein "Tankwart" eine ganze Latte von in der Gegend liegenden Tankstellen aus. Da kann der Vergleich schon mal rund vier Cent pro Liter ausmachen.

Überhaupt keine Billig-Tipps enthält www.benzinpreise.de, das sich ganz auf die stündlich aktualisierte Vorhersage der weiteren Spritpreis-Entwicklung samt Gründen dafür konzentriert. Es kann dem Interessierten aber auch passieren, dass man bereits zwei Jahre alte Artikel zum Rohölpreis serviert bekommt.