Lokales

Manchmal ist das Elend bezwingbar. . .

Kürzlich hatte der Verein "Hilfe für Guasmo", der Kinder und Jugendliche in Ecuador betreut, ins Gemeindehaus Sankt Ulrich in Kirchheim eingeladen. Kunsthandwerkliche Erzeugnisse aus Ecuador wurden angeboten. Lateinamerikanische Klänge erfreuten Besucher, vorgetragen von Luis Arellano aus Ecuador und Carolin Bross.

KIRCHHEIM Der Saal des Gemeindehauses war voll besetzt, als Ursula Hauser, Erste Vorsitzende des Vereins, das Wort ergriff. Sie dankte allen, von denen der Verein Unterstützung erhält. Dankbar berichtete sie, dass in diesem Jahr wieder mehrere Geburtstagskinder ihre Gratulanten um eine Spende für "Hilfe für Guasmo" anstellle eines persönlichen Geschenks gebeten hatten.

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Eine originelle Idee zur Hilfe kommt jetzt auch aus einer anderen Richtung: Die noch junge "Song-Company" aus Ötlingen hat versprochen, "Hilfe für Guasmo" an den Erlösen ihrer Konzerte zu beteiligen. Der Erste Vorsitzende der Song-Company überreichte den ersten Scheck und kündigte weitere Spen-den an.

Für diejenigen, die im vergangenen Winter mit Stoffen und Nähmaterial die Arbeit in der Schneiderinnenausbildung unterstützt hatten, gab es die Information, dass das Material per Container in Ecuador angekommen ist und der Empfang dort mit Jubel begrüßt wurde.

Die Vorsitzende berichtete über ihren vierwöchigen Besuch im Sommer bei ihren Schützlingen in Ecuador und in den Projekten und Institutionen, in denen die Kinder und Jugendlichen gefördert werden. Mit bewegenden Worten schilderte sie Glück und Freude der Schüler, die sich über eine von "Hilfe für Guasmo" geförderte Ausbildung aus scheinbar chancenlosem Elend herausarbeiten; sie verschwieg aber auch nicht die Not der zahllosen Menschen, denen sie nicht helfen konnte, weil die Möglichkeiten des Vereins begrenzt sind. Die Spenden müssen mit Umsicht eingesetzt werden, damit die Finanzierung der vor 17 Jahren begonnenen Hilfe auch künftig mittel- und langfristig auf sicheren Füßen steht. Ein deutliches "Nein" zu sagen, ist schwer, aber oft notwendig.

Über die Arbeit vor Ort und die Verwendung der Spenden erfuhren die Zuhörer Folgendes: In Puerto Napo im Urwald der Amazonasregion erhalten derzeit rund 40 Schülerinnen eine schulische Grundausbildung. An diese Basis können sie eine praxisorientierte Weiterbildung oder eine Schulausbildung bis zum Abitur anschließen. Im Internat in Puerto Napo werden Mädchen aus dem Urwald betreut, für die der Schulweg zu weit wäre, oder die zu Hause in unzumutbaren Verhältnissen leben. In diesem Jahr waren Instandsetzungsarbeiten am Internatsgebäude dringend erforderlich. Lehrergehälter werden mit wenigen Dollar im Monat finanziert oder aufgebessert. Ehemalige Stipendiaten, die ihre Ausbildung mittlerweile beendet haben, bilden sich in Abendkursen weiter, übernehmen aber auch bereits Verantwortung in den von "Hilfe für Guasmo" geförderten Kursen. Eine Sozialarbeiterin kümmert sich um 150 Kinder und deren Familien; sie macht beschwerliche und oft gefährliche "Hausbesuche" in der unwegsamen Urwaldregion.

Wie die Hilfe des Vereins sich auswirken kann, zeigt der besonders gelungene Ausbildungsweg der neunzehnjährigen Yadira aus Tena, die von "Hilfe für Guasmo" gefördert wird: Yadira ist eines von zehn Kindern einer Familie. Die Primarschule absolvierte sie in Puerto Napo als beste Schülerin. Die dreijährige Ausbildung in der Academia Maria Auxiliadora schloss sie als Schneidermeisterin ab. Wieder hatte sie das beste Ergebnis. Danach war sie drei Jahre im Colegio Francisco Javier und erreichte das Abitur mit überdurchschnittlichen Noten. Mit ihrem Fleiß hat sie sich ein Studium erarbeitet, das sie augenblicklich in der Universidad Politecnica Ecolgica in Tena absolviert.

Im von "Hilfe für Guasmo" geführten und staatlich anerkannten Fernkolleg "Hermann Hesse" mitten im Slum von Guayaquil bereiten sich Studierende neben ihrer Berufstätigkeit abends und an den Wochenenden auf Prüfungen vor. Die Lehrer dort setzen sich mit ganzer Kraft ein. Auch in Salasaca und Ambato ist der Verein helfend und finanziell unterstützend tätig.

Anschließend wies Ursula Hauser noch hin auf die gemeinsame Veranstaltung von vhs und "Hilfe für Guasmo" am 23. November um 20 Uhr in der Stadtbücherei in Kirchheim mit dem Thema "Märchen aus Lateinamerika Lesung mit Musik aus Ecuador". Informationen zu "Hilfe für Guasmo" gibt es bei Ursula Hauser, Telefon 0 70 21/4 43 09, und unter www. hilfe-fuer-guasmo.de.

pm