Lokales

"Manege frei" für kühne Akrobaten und lustige Clowns

LENNINGEN Ein buntes Bild bietet sich dem Besucher in der Unterlenninger Sporthalle: In der einen Ecke laufen die ersten Versuche, Plastikteller auf einem Stab zu drehen und in der anderen übt ein Mädchen, bunte Tücher mit elegantem

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IRIS HÄFNER

Wurf zu jonglieren. Andere wiederum brauchen um einiges mehr Platz für ihr Training. Sie versuchen angestrengt und mit einer gewissen Ausdauer, Reifen rückwärts rollen zu lassen Kollisionen mit Mitstreitern sind dabei allerdings nicht ausgeschlossen.

Was auf den ersten Blick wie ein recht unkoordiniertes Durcheinander aussieht, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als Übungsstunde des Zirkusprojekts am Schulzentrum Lenningen, das die Gemeinde Lenningen in Kooperation mit dem Kreisjugendring Esslingen veranstaltet. Rund 60 Kinder in zwei Gruppen beteiligen sich an diesem Projekt. "Wir haben uns für das Zirkuskonzept entschieden, weil es zum einen faszinierend ist und zum andern sich jeder irgendwie einbringen kann, egal ob sportlich oder unsportlich", sagt Kurt Spätling, Geschäftsführer des Kreisjugendrings (KJR). Schließlich sind bei einem Zirkus alle Beteiligten wichtig: vom Kartenabreißer, über Gerätewarte bis hin zu den tollkühnen Akrobaten. "Außerdem kann man sich auch verkleiden, selbst inszenieren, bei der Vorstellung seine Leistung Eltern und Freunden zeigen und bekommt noch Anerkennung durch Applaus", zählt Kurt Spätling die Vorteile auf. Auch der Zeitraum des Projekts ist überschaubar, die Kinder und Jugendlichen können auf ein bestimmtes und nicht allzu weit entferntes Datum hinarbeiten.

Chef pardon, Zirkusdirektor, Übungsleiter, Koordinator und Pädagoge in Personalunion der Truppe in Lenningen ist Klaus Nimmrichter vom KJR. Er gibt Hilfestellungen, wenn die turnerischen Übungen recht gewagt sind und steht den Schülerinnen und Schülern mit Rat und Tat zur Seite. Er lässt den Jungen und Mädchen auch die nötige Freiheit, selbst herauszufinden, welche Kunststücke ihnen liegen und bei denen sie sich vorstellen können, sie auch der geneigten Öffentlichkeit im Zirkuszelt vorzustellen.

Zwei Mädchen zeigen beispielsweise ihre Fertigkeit im Bodenturnen und haben eine zirzensische Übung eingebaut. Derweil beklagen drei Buben, dass sie noch dringend einen weiteren Mann für ihre Pyramide brauchen, improvisieren jedoch gekonnt, als sie auf kein Interesse stoßen. Zwei Jungs, die für ihren Balanceakt in Frage gekommen wären, lassen sich nämlich nicht davon abbringen, sich jeweils mit den Händen an den Füßen des Kumpfels festzuhalten und dabei in einer Art Endlosschleife eine Rolle vorwärts nach der anderen vorzuführen. Und ein Junge ist gar nicht mehr zu bremsen, mit Hilfe zweier Stäbe, die durch ein Seil verbunden sind, das Diabolo unter das Hallendach zu katapultieren.

Nebenbei wird in der Übungsstunde auch der Teamgeist gefördert. Vertrauen ist gefragt beim Trampolinsprung über die Mitstreiter auf die weiche Matte Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten, so weit springen zu können, um keinen der Untenliegenden zu verletzen und letztere müssen umgekehrt ebenfalls darauf vertrauen, dass sie nicht von einem Fuß einer der "Überflieger" am Kopf getroffen werden. Ein weiteres gemeinsames Projekt ist der Pyramidenbau. Hier sind der Fantasie kaum Grenzen gesetzt, lediglich ein paar Grundsätze sollten berücksichtigt und eingehalten werden: Die Kräftigen bilden den stabilen Sockel, die Leichtgewichte die zweite Ebene und diejenigen, die eine perfekte Grätsche oder den Handstand beherrschen, flankieren das Ganze.

Die große Mehrzahl der Schüler ist mit Begeisterung dabei, ihnen macht es Spaß, außerhalb des Unterrichts neue oder bekannte Dinge auszuprobieren. Die Lenninger Schulen Grund-, Haupt-, Förder- und Realschule sind ebenfalls in das Projekt involviert, teilweise werden die "Zirkusleute" sogar vom Unterricht befreit für viele Schüler ein nicht zu unterschätzender Anreiz. Die offene Jugendarbeit an der Schule, wie das Ganze genannt wird, soll es in Zukunft auch weiterhin in Lenningen geben, in welcher Form und in welchen Räumen steht allerdings noch nicht endgültig fest. Kurt Spätling hat für die Zukunft schon weitere Pläne: "Im nächsten Jahr kann es vielleicht auch ein Musical wie in Deizisau geben oder nochmals einen Zirkus, der dann beispielsweise in allen Teilorte von Lenningen Vorstellungen gibt." Da sich die Lenninger Schüler vor allem "was mit Bewegung" wünschen, könnte es durchaus auch wieder heißen "Manege frei". So lang brauchen die Lenninger jedoch nicht zu warten dieses Kommando ist schon am kommenden Samstag zu hören.

INFOAm Samstag, 23. Juli, um 16 Uhr heißt es "Manege frei" für 90 Minuten spannende Unterhaltung. Die Schülerinnen und Schüler des Zirkusprojekts präsentieren waghalsige Akrobatik. Es gibt elegante Artistinnen, flotte Turner, gefährliche Raubkatzen, lustige Clowns, Zauberer und vieles mehr. Das Zirkuszelt steht am Pouilly-Platz an der Sporthalle Unterlenningen, der Eintritt ist frei.