Lokales

Markante Scherenschnitte lotsen durchs Museumsdorf

Besucherfreundlichstes Freilichtmuseum im Land soll das Museumsdorf in den Beurener Herbstwiesen nach dem Willen von Museumsleiterin Steffi Cornelius bis zum Jahr 2010 werden. Neuester Baustein dazu: 13 neue Stelen mit Scherenschnitten und Tafeln, die kurz und bündig Infos über die Gebäude liefern.

ANKE KIRSAMMER

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Von Beginn an sind die Stelen mit den markanten Scherenschnitten das Markenzeichen des Freilichtmuseums des Landkreises Esslingen in Beuren. Die Silhouetten finden sich auch auf Briefköpfen, in Infoschreiben und im Kurzführer. Jetzt durchziehen die von Hand ausgesägten beziehungsweise mit Lasern herausgelösten Scherenschnitte das gesamte Museumsdorf. Schon von weitem ziehen die übermannshohen, anthrazitfarbenen Stelen aus beschichtetem Alu den Blick des Besuchers auf sich: Ein durch eine altertümliche Kamera blickender Fotograf weist auf das Hofmannsche Fotoatelier hin, eine überdimensionale Biene auf das "Immen-Heim", Gockel und Henne auf den Hühnerstall aus Birkach.

Wie der für die Motive verantwortlich zeichnende Grafikdesigner Wilfried Gronwald aus Winnenden während einer Pressekonferenz gestern betonte, gestaltete sich die Suche nach einem prägnanten Bildelement für den Kopf der Stelen nicht immer einfach. Wie zum Beispiel die Pädagogikscheuer versinnbildlichen, in der mal Kinderspiele angeboten werden, mal Lehmbauaktionen stattfinden, das Thema Äpfel im Mittelpunkt steht oder Backaktionen vorbereitet werden? Neben der ehemaligen Bauhofscheuer aus Beuren ist nun eine Stele mit einer fünfköpfigen Menschengruppe installiert, die wohl das Miteinander von Jung und Alt darstellen soll. Einfallsreich auch der Hinweis auf das vormals als Alterssitz dienende Ausgedinghaus aus Aichelau: Unter der Überschrift "Umzug" scheint an einer technisch raffiniert gearbeiteten Kette eine komplette Giebelwand im Kleinformat zu baumeln. Aufwändig gestaltet ist die Silhouette vor dem Bienenstand: Der Imker wird regelrecht von seinem Bienenvolk umschwärmt. Das Motiv ist derart detailliert ausgearbeitet, dass selbst die Pollensäcke an den Beinen der "Honiglieferanten" erkennbar sind auch ohne ein Wort zu lesen, erfahren die Museumsgäste so, worum es an den einzelnen Stationen geht.

Großen Wert hat das Team um Leiterin Steffi Cornelius unter anderem auf den Inhalt der in Augenhöhe angebrachten Emailtafeln gelegt. Prägnante Texte informen die Besucher soweit möglich über die Geschichte der Häuser. "Wir haben für die Infotafeln noch einmal wissenschaftliche Recherchen unternommen", erläuterte Steffi Cornelius. Wo das Datenmaterial trotz aller Bemühungen zu wenig hergab, gewähren die Museumschefin, Brigitte Haug und Ulrike Zimmermann den Besuchern in knappen Sätzen Einblick in die Historie. So erfährt der Leser Details über die Schweinehaltung im 19. Jahrhundert; auf einem mit brauner Patina überzogenen Foto ist die früher übliche Hausschlachtung visualisiert. Neben Skizzen und Landkarten, die auf die Herkunft der Gebäude verweisen, ziert jede Tafel auch eine meist humorige Sprechblase: "Da geht keine Sau mehr rein", heißt es in Anspielung auf den leerstehenden Schweinestall etwa, am Viehunterstand für Ziegen und Schafe wird cool verkündet: "Kein Bock auf Nässe". Die mit dem bekannten "Museumsgrün" durchzogenen, wetterfesten Infotafeln nutzen außerdem die Chance, bemerkenswerte, aber häufig übersehene Details der Häuser wie Kalligrafien in den Blick zu rücken und die Besucher so zu animieren, die Gebäude genauer zu inspizieren.

"Bereits vor zehn Jahren war klar, wir brauchen ein durchgängiges Konzept", erläuterte Steffi Cornelius. Das Atelier Gronwald aus Winnenden ging damals als Sieger aus einem Wettbewerb hervor und ist seitdem zur Stelle, wenn es um gestalterische Elemente beziehunsgsweise das museumsdidaktische Konzept in den Beurener Herbstwiesen geht. Dass die vielfach vermissten Infotafeln erst ein Jahrzehnt nach Eröffnung des Museumsdorfs flächendeckend installiert werden, erklärte Steffi Cornelius einzig mit knappen finanziellen Mitteln. Auf rund 1000 Euro bezifferte sie den Preis pro Stele jede ist ein Unikat. "Die mussten wir im Rahmen unseres Budgets bezahlen", sagte sie.

Erste positive Rückmeldungen zu den neuen Infotafeln hat die Museumsleiterin bereits bekommen. Abzuwarten bleibt, ob sich die Stelen auch auf die Besucherzahlen auswirken werden. Mit der laufenden Saison ist Steffi Cornelius sehr zufrieden. Bis Ende August sind genau 59 584 Gäste durch das Freilichtmuseum geschlendert. Um die 60 000er-Marke bewegte sich die Zahl zu diesem Zeitpunkt auch in anderen Jahren.