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"Markt entscheidet"

Der Rektor der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen begrüßt das Urteil des Bundesverfassungsgerichtes, das grundsätzlich das Verbot von Studiengebühren abgelehnt hatte.

NÜRTINGEN Ohne Studiengebühren, so Rektor Professor Klaus Fischer, sei das Hochschulsystem nicht finanzierbar. Er lässt allerdings keinen Zweifel daran, dass gleichzeitig Stipendien eingerichtet werden müssen: "Jede Studiengebühr steht und fällt mit einem System von Stipendien und finanziellen Hilfestellungen."

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Fischer geht davon aus, dass das Urteil in Baden-Württemberg den Weg zu Studiengebühren frei macht. Bei den Studierenden wird dies zu Problemen führen. Deshalb müsse klar sein, das die Gelder aus den Gebühren komplett bei den Hochschulen bleiben. "Nur dann werden Eltern und Studierende die Gebühr akzeptieren, nur dann werden sie erkennen, dass die Gebühren zu ih-rem Nutzen sind." Die Hochschulen können nur mit zusätzlichem Geld die Probleme lösen.

Gleichzeitig mit den Studiengebühren müsse ein unbürokratisches und flexibles Stipendiensystem geschaffen werden. "Hier sind das Land, die Hochschulen selbst, aber auch die Banken gefordert. Es darf auf keinen Fall passieren, dass qualifizierte Studienbewerber aus finan-ziellen Gründen nicht zum Studium zugelassen werden. "Dies entscheidet über unsere Zukunft und Entwicklung."

Wenn nicht schnell für die heutigen Schüler ein attraktives Finanzierungsmodell geschaffen wird, befürchtet der Nürtinger Rektor einen Einbruch bei den Studentenzahlen. "Wer heute studiert ist fein raus, die ganz Jungen können vorsorgen, aber eine ganze Generation von Abiturienten und Gymnasiasten wird kalt erwischt." Der Blick auf andere Länder zeige, dass Studiengebühren nicht abschreckend sein müssten. Holland, England, Skandinavien und die USA zeigen, dass dort mehr junge Menschen studieren als hier trotz Studiengebühren. "Dort gibt es allerdings zinsgünstige Darlehen, Stipendien aus Spenden und Bildungsfonds, zu denen die Eltern Beiträge steuerlich geltend machen können."

Auch die bisherige BaföG-Förderung müsse dann zwangsläufig auf den Prüfstand, so Fischer. Fischer rechnet damit, dass bei den Studierenden zunächst negative Reaktionen vorherrschen, "die Zeichen stehen vielleicht auf Protest". Es kommt darauf an, dass zum einen die Gelder bei den Hochschulen bleiben und sich gleichzeitig der Staat nicht aus der Grundförderung zurückzieht. "Erst dann erreichen wir die notwendige Zustimmung bei den Studierenden." Die werden dann künftig zu Kunden. Denn wer bezahlt, erwartet dafür eine geldwerte Gegenleistung. "Die Studierenden werden künftig vergleichen, wo sie für ihr Geld welche Gegenleistung bekommen. Welche Hochschule welche und vor allem wie viele Studierenden anlocken kann, entscheidet dann immer mehr der Markt."

üke