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Marktführer im Modellbau setzt weiter auf Innovation

Bereits der Firmengründer Johannes Graupner hatte 1930 das Geschäft mit einer sinnvollen Freizeitbeschäftigung im Blick. Heute, nach 75 Jahren, hat sich die Kirchheimer Firma Graupner dank permanenter Innovationsbereitschaft zum Marktführer im technisch anspruchsvollen Hobby des Modellbaus entwickelt. Außerdem ist sie mit ihrer Tochterfirma EBAGEC in Ecuador weltweit der zweitgrößte Balsaholzlieferant.

RICHARD UMSTADT

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KIRCHHEIM Der Name Graup-ner ist heute jedem anspruchsvollen Modellbauer von Flugzeug-, Schiffs- und Automodellen ein Begriff. Innerhalb von drei Generationen mauserte sich die Firma aus kleinsten Anfängen trotz aller Widrigkeiten in den ersten Jahrzehnten zu einem grundsoliden mittelständischen Unternehmen in Familienbesitz. Vorrangigstes Ziel der Geschäftspolitik ist es, innovative Produkte in hoher Qualität auf den Markt zu bringen.

Bereits Johannes Graupner, der sich im Jahre 1930 mit den damals bekannten "Cannstatter Laubsägearbeiten" selbstständig machte, erkannte Entwicklungen auf dem Freizeitsektor und wusste deren Bedeutung richtig einzuschätzen. Dies zeigte sich vor allem, nach dem er 1935 den Firmensitz in die Stuttgarter Straße nach Kirchheim verlegt hatte. Der zielstrebige Unternehmer wusste um das wachsende Interesse der Jugendlichen am Flug- und später Schiffsmodellbau. Mit dem Segelflugmodell "Graubele" wurde die Firma erstmals bekannt.

Durch Flugmodell-Wettbewerbe gelang es Johannes Graupner, die Jugend mehr und mehr für den Modellbau zu begeistern. Zu dessen Erfolg trug außerdem die Geschäfts-strategie bei, als einziges Unternehmen Modellbauerzeugnisse ausschließlich über den Fachhandel zu liefern, um eine qualifizierte Beratung für den Verkauf der Graupner-Produkte sicherzustellen.

Die unmittelbare Nachkriegszeit brachte erneut einen schweren Anfang mit allen seinen aufreibenden Schwierigkeiten. Ein schwerer Schlag traf Familie und Firma im Dezember 1953 durch den plötzlichen Tod von Johannes Graupner. Mit vier Beschäftigten hatte er sein Werk begonnen. Im Todesjahr waren es 45 Mitarbeiter.

Trotz des viel zu frühen Todes des Vaters war der damals 24-jährige Hans Graupner auf die vor ihm liegenden Aufgaben vorbereitet. Er hatte die Entwicklung des Modellbaus im väterlichen Betrieb bewusst miterlebt und kannte das Unternehmen in allen seinen Einrichtungen. Die auf ihn zukommenden Arbeiten hatte er von der Pike auf gelernt, wobei Hans Graupner Antrieb und Engagement für das Geschäft aus seinem sehr persönlichen Verhältnis zu seiner Arbeit erhielt. Dieser enge Kontakt zur Praxis ermöglichte es ihm, Tendenzen auf dem Modellbausektor zu erkennen und Neuentwicklungen zu entdecken.

Das Gespür, dieser "siebte Sinn", von Hans Graupner für Tendenzen und zukünftige Attraktionen sorgte für die erfolgreiche Innovationspolitik und damit die Minimierung des Risikos. Erfolgreich war Hans Graup-ner auf vielen weiteren Gebieten. Als zum Beispiel in den 50er-Jahren die Modelldiesel zunehmend durch Glühkerzenmotoren verdrängt wurden, verstand er es, die Zusammenarbeit mit der japanischen Firma O.S. auf ein Fundament zu stellen, das bis heute trägt. Ein anderes Beispiel ist die Zusammenarbeit mit der Firma Grundig seit 1962 auf dem Gebiet der Funkfernsteuerung. Hans Graupner wusste, dass der Erfolg eines Modellbausortiments in unmittelbarem Zusammenhang mit einer guten Fernsteuerungsanlage stand.

Die internationale Ausrichtung bildet ein besonderes Merkmal der Geschäftspolitik des Kirchheimer Unternehmens. Lange bevor der Begriff "Globalisierung" kreiert und in aller Munde war, handelte Hans Graupner nach diesem Prinzip. Dies belegt der ständig steigende Exportanteil seit 1954. Während Graupner 1953 einen Gesamtumsatz von 1,2 Millionen Mark aufwies, ist er inzwischen auf 40 Millionen Euro angestiegen.

Tochterfirma in EcuadorEinen ungewöhnlichen Weg, der ebenso unter die Rubrik "Globalisierung" fällt, ging Hans Graupner zur Sicherung des Rohstoffnachschubs von Balsaholz, dem Grundmaterial für seine Modelle. 1976 gründete er in Ecuador die Tochterfirma Elaboradora Balsero Germano-Ecuatoriana (EBAGEC) in Guayaquil. Gegenstand des als Aktiengesellschaft konzipierten Tochterunternehmens sind die Ver- und Bearbeitung von Balsaholz für den Export, die Herstellung von Flugmodellbaukästen sowie die Förderung der Balsaholznutzung und des Erhaltes der Balsabaumbestände. Auf eigenen Anbauflächen wird durch nachhaltigen Balsaholzanbau die Rohstoffsicherung garantiert. Andino Balsaholz steht heute als Qualitätszeichen für Halb- und Fertigerzeugnisse.

Die Graupner-Tochter beschäftigt derzeit in Guayaquil mit deutschem Management etwa 70 Mitarbeiter.

Mit seinem wirtschaftlichen Engagement in Ecuador verband Hans Graupner von Beginn an ein soziales Interesse. Er versteht das Tochterunternehmen als praktizierte Entwicklungshilfe, in dem es Arbeits- und Ausbildungsplätze schafft.

Aus Anlass des zehnjährigen Bestehens von EBAGEC stiftete Graup-ner eine Sozialstation für die Madres Doroteas in den Slums von Guayaqui.

Mit der Entwicklung des Geschäfts ging der Ausbau der Fabrikations-, Lager- und Verwaltungsstätten in Kirchheim einher. Akuter Raummangel in der Stuttgarter Straße machte 1962 den Neubau mit den Fertigungsstätten in der Henriettenstraße notwendig. Neun Jahre später wurden Entwicklung, Verwaltung, Lager und Versand ebenso in die Henriettenstraße verlegt. 1974 erweiterte Graupner Lager- und Versandräume, 1976 erfolgte der Bau eines Hochregallagers. Fünf Jahre danach wurde erneut die Lagerkapazität durch den Bau von Hallen erhöht.

Um den vielen interessierten Modellbauern das Sortiment präsentieren zu können, eröffnete Graupner 1989 in der Henriettenstraße sein Ausstellungsstudio.

Parallel mit dem Ausbau der Fertigungs-, Lager- und Versandräumlichkeiten verlief die Entwicklung der maschinellen Ausstattung. Dominierte 1959 noch die Holzverarbeitung, so erhielt vier Jahrzehnte später die Kunststoffbearbeitung größere Aufmerksamkeit.

Die Firma Graupner blieb bis heute Marktführer im Modellbau und steht seit den 1950er-Jahren an der Spitze des Modellflugsports. Der kleine UHU begründete 1956 den heute noch ausgetragenen sehr erfolgreichen Wettbewerb gleichen Namens. Seit Ende der 1980er-Jahre nahm der Elektroflug einen entscheidenden Aufschwung, was sich ebenfalls im Graupner-Sortiment widerspiegelt. Überhaupt lag der Kirchheimer Modellbauer mit seinen neuen Kreationen, die auf den verschiedenen Spielwarenmessen mit Spannung erwartet wurden, immer um eine Nasenlänge vorn.

Doch nicht nur Flugmodelle bestimmen das Sortiment. Durch die Integration der Firma Gm-Racing, einem international führenden Automodellbauer, wurde die Produktpalette mit hochwertigen elektronischen Fahrtreglern, HochleistungsCar-Motoren, Akkuzellen und Wettbewerbs-RC Cars erweitert. In Zusammenarbeit mit der Heidenheimer Firma Voith Schiffstechnik stellte Graupner 2002 ein Voith-Schneiderantrieb für Schiffsmodelle vor.

Seit 1973 gehören zum Sortiment auch Modellbau-Hubschrauber. So war es nur konsequent, 1995 den weltweit bekannten Modell-Helibauer Heim in die Firma zu integrieren. Für Furore sorgte 2001 auf der Nürnberger Spielwarenmesse der Turbinen-Helikopter NH 90.

Der Teckpokal, 1963 von Hans Graupner ins Leben gerufen und gesponsert, ist heute weltweit der größte Hangflugwettbewerb. Im Rahmen dieses Wettbewerbs erhielt der Unternehmer für sein Engagement und für seine mit Weitblick betriebene Unternehmenspoltik im Jahr 2004 die Stauffermedaille des Landes Baden-Württemberg aus den Händen von Kirchheims Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker.

Seit 1999 teilt sich Stefan Graupner die Geschäftsleitung mit seinem Vater Hans Graupner. Beide Unternehmergenerationen sind stolz darauf, dass bis heute keine betriebsbedingten Entlassungen notwendig wurden. 1980 verzeichnete das Unternehmen mit 300 Beschäftigten den höchsten Mitarbeiterstand. Wichtigstes Ziel der Unternehmensleitung ist es weiterhin, die Arbeitsplätze in Kirchheim mit allen Kräften zu erhalten.

Hochmoderne Logistik Mit einer "Revolution im Kleinteilelager" unternahm Graupner einen wegweisenden Schritt in der Logistik. Das bisherige "Mann zu Ware"-System wurde durch das neue "Ware zu Mann"-System ersetzt. Der Kirchheimer Modellbauer entschloss sich als erstes deutsches Unternehmen (und weltweit als dritter Betrieb) das von der Grazer Firma Knapp angebotene OSR (Order Storage & Retrieval)-System zu installieren. Praktisch funktioniert dies folgendermaßen: Der Anlage werden zunächst die Auftragsdaten elektronisch übermittelt. Aus dem vollautomatischen Regalsystem des Kleinteilelagers werden dann Behälter mit Ware zu einer Pickstation befördert, wo an zwei Kommissionierungsstationen nach dem Prinzip "Pick by Light" kommisioniert wird. An den vorhandenen zwei Stationen können bis zu acht Aufträge gleichzeitig bearbeitet werden. Mit dieser Investition in Millionenhöhe gelang es, den Platzbedarf auf zirka 30 Prozent der bisherigen Lagerfläche zu reduzieren.

Das Bestreben von Hans und Stefan Graupner ist es, mit immer neuen, hochmodernen und innovativen Modellen in allen Sparten des Modellbaus die Kunden zufrieden zu stellen und die führende Marktposition auszubauen. Ein solches futuristische Modell, das ganz sicher unter die Rubrik "Innovation" fällt, ist der originalgetreue Nachbau des BMW "H2R" Wasserstoff-Rekordautos im Maßstab 1:8, das Graupner 2004 in Kooperation mit BMW und der Fachhochschule Ingolstadt entwickelte und der erstmals auf der kommenden Spielwarenmese in Nürnberg nächste Woche zu sehen sein wird.