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Maßstab Qualität

"Man muss dem Messplatz Zeit geben, sich zu entwickeln", versteht der Kirchheimer Krankenhausdirektor Siegfried Schmid den Pulverdampf nicht, der von Esslingen über den Neckar herüberweht.

RICHARD UMSTADT

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KIRCHHEIM Der neue Kirchheimer Chefarzt Dr. Martin Beyer ist gerade mal drei Tage im Dienst, da wird ihm bereits von einem niedergelassenen Esslinger Kardiologen abgesprochen, auf Grund mangelnder Fallzahlen einen Oberarzt gut ausbilden zu können.

"So kann man nicht miteinander umgehen", zeigt sich Direktor Schmid enttäuscht. "Wir sind froh, dass wir Dr. Beyer gewinnen konnten." Der Chefarzt war bis zu seinem Wechsel nach Kirchheim leitender Oberarzt des Herzkatheterlabors der Medizinischen Universitätsklinik Tübingen. Natürlich weiß auch der Krankenhausdirektor, dass der Konkurrenzkampf im Klinikbereich über die Qualität der Leistungen entschieden wird. "Wir werden beweisen müssen, dass wir gut sind". Deshalb soll am Klinikum II in Kirchheim so rasch wie möglich ein hochqualifiziertes Team gebildet werden.

Mit den niedergelassenen Kardiologen in Kirchheim und Nürtingen seien mehrere Gespräche geführt worden, berichtet Siegfried Schmid. Diese wollen mit der Kirchheimer Kardiologie zusammenarbeiten, wenn eine hohe Qualität sichergestellt sei, hätten ihm die Herzspezialisten signalisiert. Schmid verweist darauf, dass der Messplatz am Standort Kirchheim gerade vorbereitet werde. "Man muss dem Ganzen Zeit geben, sich zu entwickeln." Nachdem der Kreistag Mitte März sein Plazet für einen Linksherzkathetermessplatz in Kirchheim gab, wird der Betriebsausschuss Krankenhaus im Oktober über den Kauf des rund eine Million Euro teuren Gerätes befinden.

Die Krankenkassen befürchten indes höhere Fallzahlen. "Wir möchten durch das neue Gerät in Kirchheim, es ist dann das vierte im Landkreis, keine Mengenausweitung", sagt Karl-Rudolf Traub, Geschäftsführer der AOK Nürtingen-Kirchheim und fügt hinzu: "und wir wollen die gleiche Qualität wie in Esslingen." Schließlich handle es sich bei einem Eingriff auf Grund eines Herzinfarkts nicht um eine schlichte Röntgenuntersuchung. Traub will ebenso wie sein Kollege von der AOK Esslingen, Dieter Kress, die Qualität der Untersuchungen genau beobachten und über eine Mengenbegrenzung für den Landkreis nachdenken.