Lokales

"Mast verschandelt Landschaft"

Auf dem Wasserhochbehälter Bühl bei Ochsenwang wird kein O2-Antennenmast stehen. Einen entsprechenden Antrag des Mobilfunknetzbetreibers lehnten die Bissinger Bürgervertreter in jüngster Sitzung einstimmig ab.

RICHARD UMSTADT

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BISSINGEN O2 Germany will im Bereich Ochsenwang Adelberg Aufhausen Stötten Salach jeweils Netzknotenpunkte für eine "Verbindungs-Autobahn" errichten und stellte deshalb bei der Gemeinde Bissingen den Antrag auf Baugenehmigung eines 25 Meter hohen Richtfunkantennenmasts auf dem Wasserhochbehälter Bühl. O2-Festnetzplaner Adolf Gareis beschrieb dem Ratsgremium und den zahlreichen Zuhörern den Vorteil dieses hochgelegenen Punktes bei Ochsenwang. Er garantiere nicht nur Sichtbedingungen zu den anderen Richtantennen des Mobilfunkbetreibers. Der Bühl besitze auf Grund des Hochbehälters eine Stromversorgung und Telekomanschluss und sei verkehrstechnisch erschlossen.

Eine Alternative zum Standort Bühl stellt für O

2 das Brucker Hölzle südwestlich des Hochbehälters mitten im Wald gelegen dar. Allerdings müsste der Antennenmast mindestens zehn Meter über die Baumkronen hinausragen. Er benötigte damit eine Höhe von 50 Metern.

2005 ging es dem Mobilfunkbetreiber noch um einen Standort in der Eduard-Mörike-Gemeinde für UMTS-Antennen. Dann entdeckten die O2-Funknetzplaner die Qualitäten des Albtraufs für den Richtfunk und warfen fortan ihre begehrlichen Blicke auf die Höhen um Ochsenwang. Ihre Wunschstandorte Breitenstein und Auchtert wurden allerdings von der Unteren Naturschutzbehörde kategorisch abgelehnt. Deshalb wollte O2 auf dem Bühl mit dem Knotenpunkt zum Zuge kommen.

Auf die Frage aus den Reihen des Gemeinderats, ob nach O2 noch andere Mobilfunkbetreiber auf die Idee kommen könnten, einen solchen Antennenmast auf Ochsenwanger Gemarkung zu errichten, meinte Gareis, es sei unwahrscheinlich, dass Vodafone das Gleiche hier oben aufbauen wolle. Auch bei E-Plus könne er sich das nicht vorstellen und T- Mobile baue keine Richtfunkverbindungen. Allerdings sei nicht auszuschließen, dass diese Anbieter UMTS-Antennen auf den O2-Mast installieren wollen.

"Wir sind bisher von einer Mobilfunkversorgung Ochsenwangs ausgegangen. Jetzt geht es plötzlich um die Gesamtstruktur des überregionalen Netzes", wunderte sich Gemeinderat Siegfried Nägele. Dessen Kollege Rolf-Rüdiger Most outete sich zwar als Handynutzer, "doch wie sieht unsere Landschaft mit dem Mast aus?" Der Gemeinderat habe nicht gegen Drachen und Windräder gekämpft, um sich jetzt die Landschaft auf dem Bühl verschandeln zu lassen. "Der Turm ist für O2 sehr wichtig, aber nicht für die Bevölkerung", meinte Most und lehnte den Mast ab. Dem schloss sich unisono das gesamte Gemeinderatsgremium mit Bürgermeister Kümmerle an.

Ursprünglich war vereinbart, dass O2 eine Fotomontage über einen 50 Meter-Masten im Brucker Hölzle bis zur nächsten Sitzung vorlegt. Dies ist nicht mehr notwendig, denn dieser Standort liegt auf Lenninger Gebiet.