Lokales

"Mate, wir sind durstige Seelen . . ."

KIRCHHEIM Der Flieger, Globetrotter und Buchautor Hans Schneider, 65, flog mit einer kleinen Cessna 150, einem einmotorigen Schulflugzeug, um die Welt. Welche Abenteuer er dabei erlebte und welche Gefahren er zu bestehen hatte, darüber

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RICHARD UMSTADT

berichtet der Teckbote in einer lockeren Sommerserie aus Hans Schneiders Buch "Der Flug des Raben".

"Corvus" taufte der Autor seinen kleinen Blechflieger, nach seinem schwarzgefiederten Freund, dem Kolkraben. Mit ihm startete der Weltenbummler am 2. Mai 1990 in Südfrankreich. Sein Flug gen Osten führte ihn über das Mittelmeer nach Asien. Nach einigen abenteuerlichen Zwischenstopps in Afghanistan und Indien entschloss sich Hans Schneider über Indonesien und die Timor-See nach Australien zu fliegen.

Die Landung ist erfolgt. Terra australis ist erreicht. Der Flug dauerte neun Stunden und vierzehn Minuten. Kupang Darwin war gleichzeitig Schneiders längster Non-Stop-Flug überhaupt.

Den fünften Kontinent erkundet der fliegende Schwabe von Nord nach Süd und dann im Uhrzeigersinn von West nach Ost. Von Darwin hebt "Corvus" in Richtung Ayers Rock ab und überfliegt Arnhem Land und die Macdonnell Ranges immer dem Stuart-Highway entlang. Bei einem Tankstopp lernt er den alten John mit seinen drei Hunden kennen, der in den 50er-Jahren in Daly Waters hängen blieb. John war Pilot bei der Royal Airforce. Der Mittsiebziger beschreibt dem Schwaben detailliert das Inferno eines Nachtangriffs auf Stuttgart 1944 ("I bombed Stuttgart. Is it rebuilt?").

Der Weltenbummler verabschiedet sich von John und folgt wieder dem Highway über Aileron, dem australischen Segelfliegermekka, und dem Ayers Rock, dem heiligen Berg der Aborigines, löscht seinen Durst in der Mintebie-Bar im Outback mit Victoria Bitter und stattet der unterirdischen Opalschürferstadt Cooper Pedy einen Besuch ab. Am Ende seiner australischen Kontinentaldurchquerung von Nord nach Süd wartet an der Südküste die Fisch- und Getreidestadt Ceduna.

Der Kontinent wird dem Raben nun seinen westlichen Teil unter die Flügel schieben. Nach Eyre, Esperance und Albany landet der Globetrotter schließlich in Perth mit seinem hochmodernen Zentrum und den schmucken Bungalows. Zwei faule Wochen verbringt Hans Schneider in Perth und der Abschied von Jandakot, "dem gastfreundlichsten aller Flughäfen Australiens" fällt schwer.

Über der küstennahen, seichten Lagune der Shark Bay stürzt sich der Pilot aus 100 Meter Höhe auf einen drei Meter langen Hammerhai und fängt die Maschine in vier Meter über dem Wasser ab, um just in diesem Augenblick den Hai zusammen mit dem Schatten der Cessna in der glasklaren See auf Zelluloid zu bannen. Alle Faktoren müssen stimmen. 38 Mal fliegt der besessene Fotograf an, zwei Mal gelingt sein Vorhaben. In Carnarvon an der Westküste ruht sich der Flieger vom Fotoshooting aus.

Der Coastal Highway kreuzt seinen weiteren Flugweg. Tafelberge in Pilzform, baumlose, zackige Felstäler charakterisieren diese gottverlassene Gegend Westaustraliens. Dann fliegt er wieder der Küste entlang und tankt in Broome auf. Zuchtperlenindustrie und Tourismus sind hier die wichtigsten Eckpfeiler heimischer Wirtschaft.

Die Betonpiste von Wyndham schrammt einen langen schwarzen Strich ins lehmfarbene Land. Ein anderer Pilot nimmt Schneider mit in die Stadt, die sich zwanglos die Straße entlang zieht. Als er vor einem Bottleshop ein Victoria Bitter schlürft, gesellt sich ein 60-jähriger Aborigine mit grauem Kraushaar und Knollennase zu ihm. "Mate, we are thirsty people!" tut er seinen Durst kund. Three-bags, so nennt ihn sein Stamm, ist Leader des Clans. Der Globetrotter händigt dem Alten eine seiner drei Bierbüchsen aus. Im Nu ist das Bitter mit dem Gurgeln einer sich leerenden Badewanne eingesogen. "Three-bags, ich bin hier gelandet, um meine Sprittanks aufzufüllen und nicht, um dich abzufüllen", bremst Schneider. Der Clan-Chef überlegt kurz, steht behände auf, geht hinüber zu seinem Clan und kommt bald darauf wieder zurück. In der Hand hält er die hellbraune Hülsenfrucht eines Affenbrotbaumes, die mit zwei sehr kunstvoll eingravierten Motiven geschmückt ist: einem Vogel und einem Känguru. Three-bags will dafür ein Sixpack. Bekommt er sofort. Zum Abschiedstrunk spendiert der Flieger nochmals sechs Flaschen, denn das Kunstwerk ist mehr wert. Three-bags und sein Clan winken, als der Pilot sich mit 50 Litern Benzin auf den weiten Weg zum Flugplatz macht.

Das Vogelschutzgebiet Daly River bildet den Übergang zu festem Grund. Typischer Northern-Territory-Bewuchs nimmt seinen Anfang. Drei herrliche Wasserfälle im Litchfield Park leiten das Treffen mit einem alten Bekannten ein dem good old Stuart Highway. Eine Runde Australien ist geschafft.

INFODas Buch "Der Flug des Raben" von Hans Schneider ist zu beziehen beim Autor selbst unter 01 79/7 68 08 53 oder bestellung@der-flug-des-raben.de. Das reich bebilderte Werk kostet 42 Euro und wird vom Autor handsigniert geliefert. Es ist in Kirchheim aber auch in den Buchhandlungen Schieferle, Wellingstraße 24, Schöllkopf, Alleenstraße 3, und Zimmermann, Max-Eyth-Straße 3, sowie bei Schreibwaren Weixler, Dettinger Straße 11, zu bekommen.