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Mauerwinkel als Totentafeln und Platz für Blumen

Immer mehr Menschen entscheiden sich für eine Urnenbeisetzung. Diesem Wunsch will auch die Gemeinde Lenningen Rechnung tragen. Sechs Planvarianten für ein Urnenfeld auf den Unterlenninger Friedhof wurden in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats präsentiert. Diese werden auch den Bürgern in einer Informationsveranstaltung vorgestellt.

IRIS HÄFNER

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LENNINGEN Des sensiblen Themas bewusst, besichtigte der Lenninger Gemeinderat den Pforzheimer Stadtfriedhof, um sich Anregungen für alternative Urnenbeisetzungsformen zu holen. Mit dabei war auch Harald Fischer, der in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats sechs Varianten für den Friedhof in Unterlenningen vorstellte.

Geradezu begeistert ist er von dem Areal, an dem die Urnengräber entstehen sollen. "Das ist ein markanter und großer Bereich", sagte er. Zudem wird diese Fläche, direkt neben den Treppen gelegen, aufgewertet, da dort bislang Erde und Reisig zwischengelagert wird. "Die Urnenwand ist die kostspieligste Lösung", erklärte Harald Fischer. Die Winkelwand mit 115 Kammern kostet etwa 110 000 Euro, die symmetrische Wand mit 60 Kammer zirka 70 000 Euro. Zwar ist der Pflegeaufwand dieser beiden Varianten gering, in der Herstellung ist es jedoch ein hoher Posten. "Wenn man den Betrag umlegt, kommt man auf fünf oder sechs Erdbestattungen", so der Planer. Er findet es zudem pietätvoller, wenn die Urnen in der Erde zerfallen. "In der Urnenwand kommen sie nach der Liegezeit so heraus, wie sie reingestellt wurden", gab er zu bedenken.

Eine Urnenwandterrasse mit begrünter Pergola bietet etwa 50 Kammern Platz. Diese Variante würde etwas erhöht über dem Weg liegen und ebenfalls zirka 70 000 Euro kosten. In der Gemeinschaftsgrabanlage aus Natursteinstelen kommen 32 Grabstellen unter, die für zwei Beisetzungen zugelassen sind. Die Kosten belaufen sich hierfür auf rund 40 000 Euro.

Die beiden letzten Varianten sind die Favoriten des Planers, ebenso vieler Gemeinderäte. "Die Charakteristik der Landschaftsgräber mit Naturstein ist durch die Einbeziehung des natürlichen Hangs und der bestehenden Bäume gekennzeichnet", erklärte Harald Fischer. Die Lagerfläche wird vollständig umgewandelt und es entstehen zwei Stichwege zu den jeweiligen Bruchsteinen, die die Namen der Verstorbenen aufnehmen. "Die Beisetzungen der Urnen finden in einer vielfältig gestalteten Pflanzfläche statt", so der Planer weiter. Für rund 30 000 Euro würden 48 Urnenerdplätze entstehen und doppelt belegt werden können.

Als letzten Vorschlag unterbreitete Harald Fischer die Gemeinschaftsgrabanlage mit Mauerwinkel als Totentafeln. Pro Bauabschnitt bietet sie für etwa 25 Urnen Platz, wobei pro Grabstelle ebenfalls zwei Urnen zugelassen sind insgesamt also 100 Beisetzungen. Dieses Vorhaben würde etwa 50 000 Euro kosten. "Das Umfeld der Anlage ist stark durch Treppen, Mauern und Wasserbecken oberhalb der Böschung geprägt. Die Variante integriert diese Gegebenheiten und behält trotzdem klare Eigenständigkeit", so der Planer. Auch bei dieser Gemeinschaftsanlage wird mit dem Grabrecht ein Pflegevertrag erworben, der für die gesamte Liegezeit gilt. "Das Grab und die Gesamtanlage wird dauerhaft gepflegt, eine individuelle Pflege ist nicht möglich", erläuterte Harald Fischer, der Variante sechs empfiehlt, da sie den Bestand einbindet und die bestehenden Gestaltungsmotive aufgreift.

Favorit von Karl Sigel ist Variante fünf, da sie in vier Bauabschnitten abgewickelt werden kann. "Das sieht gut aus und ist in einer überschaubaren Zeitspanne belegt", erklärte er. Dieser Vorschlag ist schon allein aus Kostengründen für Wolfgang Tröscher interessant, wenngleich er auch Variante sechs gut findet.

"In den Köpfen vieler Bürger wird die Urnenwand verankert sein. Wir sollten sie von den anderen Plänen überzeugen", erklärte Inge Kodera, die persönlich Variante fünf die Stimme geben würde. Das Herz von Roland Sailer schlägt für den sechsten Vorschlag. Ihm ist zudem wichtig, dass der gesamte Bereich "in Ordnung" gebracht wird. Jürgen Rau fehlt bei den letzten Varianten der direkte Bezug zur Urne. "Es sind maximal zwei Meter, die überblickt werden", widersprach Harald Fischer. Er gab zudem zu bedenken, dass sich an Feiertagen die Blumen bei Urnenwänden oftmals stapeln. "Bei einer Gemeinschaftsanlage ist immer ein Plätzle da", so der Planer. Dieter Beuttel und Falk Kazmaier bevorzugen wegen des anspruchsvollen Ambientes Variante sechs.

Der Gemeinderat setzte ein klares Signal. Er favorisiert die beiden letzten Varianten und lehnt eine Urnenwand in klassischer Form ab, wobei alle Räte der Ansicht sind, die Stimmung bei der Bürgerinformationsveranstaltung abzuwarten, die am Donnerstag, 1. März, stattfindet, ehe eine endgültige Entscheidung getroffen wird. Dabei werden alle sechs Vorschläge anhand von Plänen vorgestellt. Im kommenden Jahr soll die Maßnahme dann umgesetzt werden.