Lokales

"Mautflüchtigen" Brummi-Fahrern auf der Spur

Tag für Tag wälzt sich die Blechkarawane durch Wernau. In den vergangenen Wochen verstärkte sich bei einigen Bürgerinnen und Bürgern der Eindruck, dass sich darunter vermehrt Lastwagen mischen. Deshalb haben sich die Freien Wähler entschlossen, die Fahrzeuge zu zählen, um festzustellen, ob "Mautflüchtlinge" die hohe Verkehrslast noch erhöhen.

KLAUS HARTER

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WERNAU Die erste Zählung erfolgte im März. 18 113 Striche machten die Zählerinnen und Zähler. Sie stehen für 17 439 Autos und 674 Lastwagen. Von ihren Plätzen hinter einem Schaufenster aus beobachteten sie das Verkehrsgeschehen auf der Kirchheimer Straße von 4 bis 24 Uhr. Eine zweite Zählung folgt, wenn die Landesstraße nach Kirchheim wegen der Ausbauarbeiten gesperrt ist, kündigt Michael Huber vom Arbeitskreis Technik und Verkehr des FWV-Ortsverbandes an. Das ist voraussichtlich im August der Fall. Die Sperrung ist eine ausgezeichnete Gelegenheit, um den Anteil des Durchgangsverkehrs und des hausgemachten Verkehrs zu ermitteln oder wenigstens abzuschätzen. "Die Chance haben wir sonst nicht mehr, dass die Verbindung nach Kirchheim gekappt wird", sagt Huber.

Weitere Zählungen sind geplant, wenn die Landesstraße sie wird in den nächsten Monaten zwischen dem Freitagshof und dem Würstlesberg ausgebaut wieder geöffnet ist sowie nach der Sanierung der Plochinger Steige. Denn die Wernauer befürchten, dass eine komfortablere Straße mehr Auto- und Brummifahrer dazu verlockt, die Autobahn bei Kirchheim zu verlassen und die Abkürzung über Wernau ins Neckartal zunehmen. Noch anziehender speziell für den Schwerlastverkehr von München in Richtung Heilbronn, so eine weitere Befürchtung, könnte die Verbindung über die Landesstraße und die B 10 werden, wenn der Tunnel am Pragsattel in Stuttgart fertig gestellt und somit ein Nadelöhr beseitigt ist.

Gut 50 Kilometer auf der Autobahn und damit Mautstrecke können die Brummifahrer auf diesem Weg umgehen, haben die Freien Wähler ausgerechnet. Aber "betriebswirtschaftlich macht das keinen Sinn", betont Michael Huber. Wer die Autobahn verlässt, braucht selbst mit Tunnel am Pragsattel länger, spart aber gerade mal zwischen 4,50 und 7 Euro Maut. Der Eindruck, die Zahl der Brummis auf der Ortsdurchfahrt nehme zu, könne dadurch geprägt sein, dass zwischen 9 und 12 Uhr 173 Lastwagen gezählt wurden, durchschnittlich also fast jede Minute einer, meint Huber. Denn um diese Zeit seien besonders viel Leute in der Stadt unterwegs, das heißt, das Verkehrsaufkommen werde stärker wahrgenommen.

Die Zählerinnen und Zähler haben den Eindruck gewonnen, dass zumindest ein großer Teil des Autoverkehrs hausgemacht sein könnte. Neben mehreren anderen haben sie allein das Auto "einer bekannten Persönlichkeit aus Wernau" fünfmal gezählt.