Lokales

Max und Vedat bekommen ein Gesicht

KIRCHHEIM Darf ein muslimisches Kind die Weihnachtsgeschichte spielen? Die Kindergarten-Freunde Max und Vedat klären diese Frage

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KARIN AIT ATMANE

auf ihre Art. Die Geschichte der cleveren Jungs hat der Theologe Thomas Erne, der in Kirchheim-Ötlingen wohnt, vor einigen Jahren geschrieben. Jetzt ist "Vedat und das Weihnachtsspiel" als Bilderbuch erschienen, von der Köngener Künstlerin Friederike Nordmann farbig und kindgerecht illustriert. Max und Vedat sind Freunde. Und wenn Vedat nicht beim Weihnachtsspiel mitmachen darf, weil sein Vater findet, dass man Religionen nicht vermischen soll, dann will Max auch nicht. Dabei bleibt der Steppke obwohl die ganze Aufführung ins Wasser zu fallen droht und die anderen Kinder sauer auf ihn sind. Max zeigt mit seinem Dickkopf Zivilcourage, und mit Hilfe seiner klugen Oma und einer Erzieherin, die sich auf seine Ideen einlässt, kann er das Problem tatsächlich lösen. Mehr noch: Christen und Muslime kommen sich ein Stückchen näher.

Thomas Erne, der in Ötlingen wohnt und als Privatdozent an der Universität Tübingen und der kirchlichen Hochschule Bethel tätig ist, hat schon mehrere religiöse Bücher für Kinder veröffentlicht. Die Geschichte von Vedat und Max schrieb er vor einigen Jahren, damals war er noch Pfarrer in Köngen. Dort wurde sie auch vorgelesen. "Das wäre ein schönes Bilderbuch", dachte die Köngenerin Friederike Nordmann, Mutter von drei Töchtern, Lehrerin und Bildhauerin. Sie begann zu illustrieren in aller Ruhe, über Jahre hinweg und zunächst ohne das Ziel einer Veröffentlichung. Das sei eher ein "meditatives Rückzugs-Gebastel" für sie selbst gewesen, sagt sie. Erne erfuhr davon erst bei einer zufälligen Begegnung im vergangenen Sommer, als die Bilder zum Text grade fertig waren. "Das war wie ein Weihnachtsgeschenk", sagt er und findet auch das Ergebnis "grandios": "Das ist ein Buch, in dem man ganz viel entdecken kann." Denn Nordmann hat mit viel Liebe zum Detail gearbeitet. Sie zeichnete zunächst Entwürfe für jede Seite und füllte diese dann in Collage-Technik aus. Die Menschen, die vorkommen, sind mitsamt Fingern, Haaren und Gesichtern aus Papier "gerupft", wobei auch echte Charakterköpfe zustande kamen so wie Vedats Vater mit seinem zerfurchten Gesicht und den buschigen Augenbrauen. Die Möbel oder die Pizza auf dem Teller sind dagegen aus Katalogen und Zeitschriften ausgeschnitten oder auch selbst zusammengebaut wie die Kindergarten-Stühle im ersten Bild.

Ihr Material hat die Künstlerin mit Fantasie und Sorgfalt ausgewählt: Da gibt es chinesische und arabische Schriftzeichen auf dem Kopftuch der Oma, Vorhänge aus Geschenk- und Tortenpapier, selbstgemalte Kinderbilder und echten Schmuck zu entdecken. Nur ein Bild fällt als kolorierte Radierung aus der Reihe. Es brauchte einigen Aufwand, bis das fertig war, sagt Nordmann, die sich einarbeitete und am Ende auf der Presse der Burgschule druckte: "Das war sehr spannend für mich, die verschiedenen Techniken auszuprobieren." Und weil Friederike Nordmann mit Ehemann Ronald auch gleich einen Verlags-Fachmann zur Hand hatte, wurde schließlich doch noch ein Bilderbuch aus dem Ganzen.

INFO"Vedat und das Weihnachtsspiel" kann direkt beim Verlag Kesselwiese, Blumenstraße 6/1 in Köngen bezogen werden (www.kesselwiese.de) oder über den Buchhandel. Thomas Erne und Friederike Nordmann stellen das Buch am Mittwoch, 6. Dezember, um 16 Uhr in der Wernauer Bücherei vor.