Lokales

Meditationen in Wort und Bild

Nach „Die Tür zum Weg“ stellt Hans-Hilmar Seel sein neues Buch „Ich bin nicht allein“ vor

Kirchheim. Dass Hans-Hilmar Seel zu Kirchheims kreativen Köpfen gehört, ist bekannt. Schon mit seinem ersten Buch „Die Tür zum Weg“ gab der Maler und Dichter reichhaltigen

florian stegmaier

Einblick in sein Schaffen. Auch die Ausstellung „Mehr Meer sehen“ im Kunstraum in der Kirchheimer Kornstraße 4 dürfte noch in lebhafter Erinnerung sein.

Deutschlandweite Beachtung fanden seine Werke vergangenes Jahr im Kontext des „Ökumenischen Jugendkreuzwegs“, wo sie im Mittelpunkt von Andachten und Gottesdiensten während der Passionszeit standen.

Nun legt Hans-Hilmar Seel mit seiner neuen Buchveröffentlichung „Ich bin nicht allein“ literarisch und bildnerisch nach. Inhaltlich stringent fügt er darin biblische Texte mit eigenen künstlerischen Interpretationen zusammen. Die so entstandenen „Meditationen in Wort und Bild“ versteht er als Angebote an die Leser, sich zu einer aktiven und individuellen Auseinandersetzung mit grundsätzlichen Fragen des Lebens animieren zu lassen. Anregungen dazu bietet der kleine, reich bebilderte Band in Fülle.

Auch ohne Finanzkrise und Rezessionsängste kann sich der Themenkomplex „Glaube, Gut und Geld“ einer ungebrochenen Aktualität gewiss sein. Gleiches gilt für die „Zwiegespräche, wie sie nicht in der Bibel stehen“, die sich im Spannungsfeld von Glaube und Wissenschaft bewegen.

Damit ist Hans-Hilmar Seel durchaus am Puls der Zeit. Kulturbeobachter sehen längst eine vielfältig auftretende „Renaissance der Religionen“, sprechen von einem gesellschaftlichen Bedürfnis nach „Trans-Säkularität“. Angesichts der naturwissenschaftlichen Tendenz, Erklärungsanspruch auch auf Geist, Seele und freien Willen zu erheben, fühlt sich der Mensch in einer technologisch überformten Welt mit den sogenannten „letzten Fragen“ zunehmend allein gelassen.

Hans-Hilmar Seel rührt an genau solchen Fragestellungen. Patentlösungen kann und will er aber nicht anbieten. Anstatt erbaulich einzulullen oder platte Wohlfühl-Spiritualität zu verbreiten, verweist er die Leser seines Buchs auf deren natürliches Vermögen zu denken, zu reflektieren und sich eigene Urteile zu bilden.

Die Orientierung an Passagen des Alten und Neuen Testaments gibt sich freilassend, setzt Vertrautheit mit der Bibel oder ein christliches Bekenntnis seitens des Lesers nicht zwingend voraus. Hans-Hilmar Seels Texte erheben auch nicht den Anspruch, theologischen Disputen standzuhalten. Sie kommen eher als impulsierende, poetische Miniaturen daher.

„Die Gedichtform wurde deshalb gewählt, weil die Beschäftigung mit den wenigen Worten, die in Reimen miteinander harmonieren, selbst eine intensive Meditation darstellt. Konzentrationen dieser Art auf Geschehnisse und Schriften geben dem Verfasser und dem Leser viel“, erläutert der Autor sein Vorgehen.

Neben einer klaren, ästhetisch reizvollen Konzeption lebt der Band „Ich bin nicht allein“ vor allem von seinem reichlich versammelten Potenzial für den inneren Dialog. „Man sollte sich Zeit nehmen zum Schauen, Lesen und Meditieren“, empfiehlt Hans-Hilmar Seel, „dies ist kein Buch für den schnellen Konsum nebenbei.“

Hans-Hilmar Seel: „Ich bin nicht allein“ – Meditationen in Wort und Bild. Verlag Haus Altenberg, Düsseldorf 2008. Gebunden, 93 Seiten.

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