Lokales

Mehr Akzeptanz für Kinder

Über die zum Teil dramatischen Veränderungen vieler demografischer Prozesse in den letzten vierzig Jahren berichtete die Präsidentin des Statistischen Landesamts, Dr. Gisela Meister-Scheufelen, in einer Veranstaltung der CDU- Frauenunion, Region Kirchheim. Erstmals in der Geschichte Baden-Württembergs leben hier mehr ältere als jüngere Menschen, mit steigender Tendenz.

KIRCHHEIM Trotz des winterlichen Wetters konnte die Vorsitzende der Frauenunion (FU), Helena Kapp, eine Reihe interessierter Zuhörerinnen zu der Diskussionsveranstaltung mit dem Thema "Gesellschaft mit Zukunft Mut zu Kindern" begrüßen. Die Präsidentin des statistischen Landesamts Dr. Gisela Meister-Scheufelen verdeutlichte anhand von Statistiken die drastische Bevölkerungsentwicklung in Deutschland beziehungsweise Baden-Württemberg.

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Die steigende Lebenserwartung der Bevölkerung und die schwache Geburtenrate von nur 1,34 Kindern pro Frau in Deutschland und 1,36 in Baden-Württemberg stellen die Alterspyramide auf einen immer schlanker werdenden Sockel. Die Zahlen sprechen eine eindeutige Sprache: Ende 2000 war der Anteil der unter 20-Jährigen erstmals geringer als der Anteil der über 60-Jährigen. Der Alterungsprozess ist aber nicht darauf zurückzuführen, dass die Zahl der älteren Menschen stark zunehmen würde, sondern darauf, dass die Kinder fehlen. Das Problem ist also nicht eine Überalterung, sondern eine Entjüngung.

Deutschland hat, wie kein anderes Land der Erde, schon seit den 60er-Jahren einen dramatischen Geburtenrückgang zu verzeichnen. Aber auch kein anderes Land in Europa erreicht die bevölkerungserhaltende Rate von 2,1. Mit 1,9 Kindern pro Frau schneidet Frankreich hier am besten ab. Obwohl sich laut Umfragen junge Menschen die Zukunft mit Kindern vorstellen, haben zunehmend mehr Frauen und Männer weniger Kinder oder verzichten ganz darauf. Junge Frauen haben heute zwei Ziele in ihrer Lebensgestaltung: Familie und Beruf. Kinderlos bleiben vor allem die hochqualifizierten Frauen mit akademischer Ausbildung.

Entgegen allgemeiner Annahmen haben gutsituierte Familien mehr Kinder als einkommensschwache. Auch wenn die Statistiken beweisen, dass die Gründe für den Rückgang der Geburten vielschichtig sind, eines signalisieren sie deutlich: Die Rahmenbedingungen für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie müssen verbessert und Familien dürfen durch den Entschluss für mehr Kinder nicht in die Armut getrieben werden. Die Gesellschaft braucht junge Menschen, die das Wagnis "Familie" eingehen, und braucht Strukturen, die auf Kinder eingestellt sind und in denen Kinder nicht zur Belastung werden.

Auch die dem Vortrag von Gisela Meister-Scheufelen folgende Diskussion machte deutlich, dass umfassende Kinderbetreuung sowie Einrichtungen und Betriebe, die auf die familiäre Situation Rücksicht nehmen, ein familien- und kinderfreundliches Steuer- und Sozialsystem und nicht zuletzt eine größere Akzeptanz von Kindern in der Gesellschaft den jungen Menschen die Entscheidung für Kinder leichter machen würden.

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