Lokales

Mehr Betreuungsplätze für Kinder unter drei

Angebot und Nachfrage unter einen Hut zu bringen, wird immer mehr zur Herausforderung

Es gibt immer weniger Kinder. Dennoch wachsen die Ausgaben der Kommunen für die Kinderbetreuung gewaltig. Auch Kirchheim wird in den kommenden Jahren speziell in den Ausbau der U3-Betreuung gehörig investieren.

Kirchheim. Ab August 2013 werden alle Kinder im Alter von ein bis drei Jahren einen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz haben. „Weitere U3-Plätze sind dringend erforderlich“, machte Geschäftskreisleiter Gerhard Gertitschke im Gemeinderat klar. Nach heutigem Stand müssten bis nächsten Sommer noch 332 Plätze geschaffen werden. Dann hätten 34 Prozent der Kinder unter drei Jahren einen Betreuungsplatz. Die Stadt will jedoch die Quote sogar auf 43,75 Prozent erhöhen. Freie Träger sind hier mit im Boot.

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Dass enormer Bedarf gegeben ist, steht außer Frage. Im vergangenen Kindergartenjahr konnten 57 Kinder zunächst nicht bedient werden - aus vielfältigen Gründen. Natürlich deckt sich das rechnerische Angebot räumlich und zeitlich nicht immer mit den individuellen Bedürfnissen. So wird das Thema Wohnortnähe für Eltern immer wichtiger, wie Gertitschke berichtete. „Wir unterstützen das“, machte er klar, dass für die Stadt das Gebot „Kurze Beine, kurze Wege“ hohe Priorität genießt.

Dennoch gibt es immer wieder Probleme. So beispielsweise in jüngerer Vergangenheit im Schafhofkindergarten. Nachdem dort alle Plätze belegt waren, mussten Kinder, die ganz in der Nähe wohnen, in weiter entfernte Einrichtungen verwiesen werden. Betroffene Eltern unterstrichen im Gespräch mit der Verwaltung und Gemeinderäten die Schwierigkeiten, ein soziales Netzwerk im Wohngebiet zu bilden.

Probleme gibt es mitunter auch beim Übergang von einer U3 auf eine Ü3-Gruppe. Wenn ein Kind beispielsweise im April drei Jahre alt wird, ist nicht immer der nahtlose Übergang in eine Ü3-Gruppe in der gleichen Einrichtung garantiert. „Organisatorisch haben wir einfach keinen zeitlichen Puffer mehr“, beschreibt Gertitschke das Problem. Früher wurde ein Dreijähriger erst zum Herbst in den Kindergarten geschickt, egal, ob er im April oder im Juni Geburtstag hatte. Was Eltern mehrerer Kinder verständlicherweise auch ärgert, ist die Tatsache, dass manchmal Geschwister zwei verschiedene Einrichtungen besuchen sollen.

Überwiegend waren die Stadträte der Meinung, dass Kirchheim in Sachen Kinderbetreuung gut dastehe, dies zeige der Landesvergleich. Redner, die sich auf die konkreten Zahlen beriefen, bewerteten die Situation weniger rosig. So kommentierte Dr. Silvia Oberhauser, Vorsitzende der Frauenliste, die Tatsache, dass im U3-Bereich die reale Belegung nur einer Quote von 19,5 Prozent entspreche, mit der Bemerkung: „Das ist jämmerlich.“ Andreas Schwarz, nicht nur als Stadtrat und Grünen-Landtagsabgeordneter, sondern seit jüngster Zeit zweifellos auch als frischgebackener Vater am Thema Kinderbetreuung interessiert, unterstrich den Aspekt, dass Kinderbetreuung Wirtschaftsförderung sei.

Ralf Gerber von den Freien Wählern betonte, dass vieles in Sachen Kinderbetreuung gut laufe. Natürlich sei es immer ärgerlich, wenn das eigene Kind nicht in den Wunschkindergarten gehen könne. Deswegen müsse über Mängel dieser Art verstärkt gesprochen werden. Gertitschkes Zusage, aktiv auf alle Eltern zugehen zu wollen, reichte Gerber bei weitem nicht. 70 Plätze, die rein rechnerisch im Herbst im Au-Kindergarten fehlen könnten, bereiteten ihm nämlich jetzt schon großes Kopfzerbrechen: „Da ist Gefahr im Verzug!“ warnte er. Gertitschke hingegen verwies auf die Tatsache, dass der rechnerische Bedarf theoretischer Natur sei. Nach der Verrechnung mit ABC-Schützen und der Auflistung der tatsächlichen Interessenten ergäben sich meist wesentlich entspanntere Verhältnisse. Dr. Silvia Oberhauser insistierte auf eine Präsentation des konkreten Platz-Angebots, um gegebenenfalls noch handeln zu können. Diese Vorstellung soll in der Juni-Sitzung erfolgen.

Einigkeit herrschte darüber, dass es sich gelohnt hat, seit 2007 in eine Stelle für Fachberatung für Kindertagesstätten zu investieren. Die Fachberaterin hat die Aufsicht über 18 Kindertageseinrichtungen. Ziel der neuen Stelle war ursprünglich, die Mitarbeiterinnen bei der Umsetzung des neuen Orientierungsplanes des Landes zu begleiten und Qualität zu garantieren.

Kindergartenfachberaterin Claudia Dehm skizzierte kurz die Qualitätsentwicklung an Kirchheims Kindertageseinrichtungen von der Festlegung erster pädagogischer Standards bis zur Erarbeitung eines Qualitätshandbuchs. Große Bedeutung kommt auch der Sprachförderung in den Einrichtungen zu. Aktuell wird ein einheitliches Sprachförderkonzept entwickelt.

„Ich wünsche mir, dass sie die Garantin der neuen Qualität in Kindergärten sind und immer dranbleiben“, gab Dr. Silvia Oberhauser der Fachfrau mit auf den Weg. Ralf Gerber sah die Qualität bestätigt durch die Tatsache, dass sich Bürger hier nie wegen Mängeln an den Gemeinderat wandten.

Die Betreuung der Kindergartenkinder ist für die Kommunen finanziell kein Pappenstil. In Kirchheim wird diese Aufgabe im Jahr 2014 12,7 Millionen Euro beanspruchen. 5,6 Millionen kommen aus Gebühren und diversen Zuweisungen, 7,1 Millionen legt die Stadt drauf.