Lokales

Mehr Bildung und sinnvolle Freizeitgestaltung

Stufenweise wollen sowohl die Grundschule der Alleenschule als auch die Konrad-Widerholt-Grundschule vom kommenden Schuljahr an den Ganztagsbetrieb einführen. An der Alleenschule liegt der Einrichtungserlass des Kultusministeriums bereits vor. Die Konrad-Widerholt-Schule dagegen startet im September mit der Erprobungsphase in einer ersten Klasse.

ANDREAS VOLZKIRCHHEIM An der Hauptschule der Kirchheimer Alleenschule ist die Ganztagsbetreuung gewissermaßen bereits "kalter Kaffee": 1994 hat dieses Angebot an der Jahnstraße begonnen. "Damals hat die Schule schon über ein Angebot für die Grundschule nachgedacht", berichtet Schulleiter Uwe Häfele aus der Amtszeit seines Vorgängers Horst Müller. Zu dieser Zeit sei die Ganztagsgrundschule bildungspolitisch aber noch kein Thema gewesen. 2001 sei das Thema an der Alleenschule neu aufgelegt worden, und mit Beginn des Schuljahrs 2004/2005 habe die Erprobungsphase angefangen.

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An dem wöchentlichen Probetag seien wichtige Erfahrungen gesammelt worden, sodass das Ganztagskonzept für die Grundschule, das vom kommenden Schuljahr an zunächst für die Klassen 2 und 3 im Angebot ist, seine Alltagstauglichkeit bereits bewiesen hat. "Das ist nicht übergestülpt, sondern aus dem Schulalltag gewachsen", nennt der stellvertretende Schulleiter Volker Blankenhorn einen entscheidenden Vorteil, und Uwe Häfele ergänzt: "Alle am Schulleben Beteiligten, insbesondere die Lehrkräfte, sind in den Prozess mit eingebunden. Wir haben pädagogische Tage dazu gehabt, und entstanden ist daraus unsere umfassende Konzeption."

Was die bildungspolitische Akzeptanz der Ganztagsgrundschule betrifft, scheinen auch die Eltern inzwischen von dem Thema angetan zu sein. "Das Kind ist betreut, es kann lernen und spielen, verbringt auch außerhalb des Unterrichts Zeit mit anderen Kindern und geht sinnvollen Freizeitaktivitäten nach", beschreibt Rektor Häfele den Nutzen des Ganztagskonzepts, wie ihn die Eltern auch in einer internen Umfrage bestätigt haben. Dieser Umfrage zufolge würden 50 Prozent der Eltern ihr Kind voraussichtlich zum Ganztagsbetrieb anmelden, 30 Prozent bräuchten noch Bedenkzeit und lediglich 15 Prozent würden das Angebot "definitiv nicht in Anspruch nehmen".

Die Teilnahme am Ganztagsschulprogramm der Alleengrundschule ist zunächst freiwillig. Wer sich allerdings angemeldet hat, verpflichtet sich damit, ein Schulhalbjahr lang dabeizubleiben. Verbindlich sind für die Ganztagsschüler mindestens zwei Nachmittage. Schüler, die das Ganztagsangebot nicht wahrnehmen, können zwar am Essen teilnehmen, aber nicht am zusätzlichen AG-Angebot. An der Alleenschule soll es jedoch keine gesonderten Ganztagsklassen geben. Konrektor Blankenhorn sagt über den Vorteil dieser Regelung: "Wenn ein Kind in die Ganztagsschule wechselt, muss es deswegen nicht auch noch die Klasse wechseln."

Kosten für die Eltern von Ganztagsschülern entstehen lediglich für das Mittagessen und, falls nötig, für die Kernzeitenbetreuung. Gewährleistet ist somit eine Betreuung von 7 bis 16 Uhr an so vielen Wochentagen, wie jemand darauf angewiesen ist. Diese verlässliche Betreuung ist für Rektor Häfele einer von drei Grundpfeilern des Ganztagsangebots, das vom Schuljahr 2007/2008 an für alle Alleengrundschüler gelten soll, also auch für die Klassen 1 und 4. Die beiden anderen "Säulen" bezeichnet Häfele mit "mehr Zeit für Bildung", was sich in zusätzlichen Fördermöglichkeiten niederschlägt sowie mit "Anregungen zur sinnvollen Freizeitgestaltung". Als Beispiel dafür nennt er den Erfolg der Basketballer aus der Alleenhauptschule bei "Jugend trainiert für Olympia" oder auch das Grundschulchorangebot in Kooperation mit dem Kirchheimer Liederkranz.

Gegenüber dem ursprünglichen Raumkonzept musste die Alleenschule umplanen, nachdem das damalige Oberschulamt einem Erweiterungsbau für den Freizeit- und Bewegungsbereich nicht zugestimmt hatte. "Wir haben deshalb gemeinsam mit der Stadtverwaltung und dem Hochbauamt nach räumlichen Lösungen im Bestand gesucht", erzählt Uwe Häfele. So wird der Ganztagsbereich auf ingesamt drei Stockwerke verteilt sein. Zum Programm gehören Kreativ- und Bewegungsräume ebenso wie Gruppenräume mit Schülerbücherei und Mediothek oder auch ein Ruhe- und Leseraum, der Rückzugsmöglichkeiten bieten soll. Die Umbaumaßnahmen beginnen bereits jetzt in den Osterferien und sollen zum Beginn des neuen Schuljahrs fertiggestellt sein.

An der Konrad-Widerholt-Schule dagegen fängt der Umbau erst nach den Pfingstferien an und soll dann zum Schuljahresbeginn 2007/2008 abgeschlossen sein. Was zwischen Bismarck- und Armbruststraße im Gegensatz zur Alleenschule bislang nämlich noch fehlt, ist die Mensa, die in einem Anbau im unteren Hof eingerichtet wird. Deshalb sollte der Ganztagsbetrieb sowohl an der Konrad-Widerholt-Grundschule als auch an der -Förderschule ursprünglich erst im September 2007 beginnen.

An der KW-Grundschule gibt es aber eine personelle Besonderheit, wie Rektor Bernd Neugebauer mitteilt: "Mein Stellvertreter Gerhard Neumann hört nach dem Schuljahr 2006/2007 auf, und ich eigentlich auch." Nun will Neugebauer noch ein halbes Jahr länger im Amt bleiben, um bis Ende Januar 2008 wenigstens noch eine Zeit lang mit dem neuen stellvertretenden Schulleiter zusammenzuarbeiten. Die Ganztagsschule haben bislang nämlich vor allem Rektor und Konrektor in die Wege geleitet. Und weil sie ihren Nachfolgern kein Konzept hinterlassen wollen, dem es an praktischer Bewährung fehlt, beginnt bereits vom kommenden Schuljahr an die Erprobungsphase für eine der neuen Ersten Klassen "trotz fehlender Mensa und Sozialräume".

Sukzessive wird dann die Ganztagsgrundschule ausgebaut. Bislang ist pro Jahrgangsstufe eine feste Ganztagsklasse eingeplant. "Es kann sein, dass später ein größerer Zustrom kommt", mutmaßt Bernd Neugebauer. "Die Eltern stehen dem positiv gegenüber, und in zehn bis 15 Jahren wird die Ganztagsschule der Normalfall sein." Das Konzept der KW-Schule sieht Ganztagsangebote von Schulbeginn bis 16 Uhr vor, mit der Möglichkeit zur kostenpflichtigen Kernzeitenbetreuung ab 7 Uhr und bis 16.30 Uhr.

Dass die Konrad-Widerholt-Grundschule anders als die Alleenschule auf feste Klassen setzt, deren Schüler ausnahmslos jeden Tag am Ganztagsbetrieb teilnehmen, begründet Bernd Neugebauer folgendermaßen: "Die Kinder sollen Freude haben, und wir wollen versuchen, den ganzen Schultag als eine Einheit zu gestalten." Dazu gehöre der richtige Mix aus Spannung und Entspannung, aus Bewegung und Ruhe am Vormittag wie auch am Nachmittag. Noch ein weiteres ehrgeiziges Bestreben verfolgt der Schulleiter mit seinem Konzept: "Die Eltern sollen in der beruhigenden Lage sein, dass alles erledigt ist, wenn ihr Kind heimkommt von den Hausaufgaben bis zum Nachlernen."