Lokales

Mehr Frauen suchten im vergangenen Jahr Schutz

Jahresbericht dokumentiert Entwicklung im Kirchheimer Frauenhaus – Altersdurchschnitt zwischen 20 und 30 Jahren

33 Frauen und 42 Kindern bot das Kirchheimer Frauenhaus im vergangenen Jahr Zuflucht. Damit wurde zwar mehr Frauen als im Vorjahr Schutz gewährt, doch sie blieben deutlich kürzer als früher. Das Haus war also rechnerisch nicht immer ausgelastet. Einen weiteren Trend offenbart der Jahresbericht: Die schutzsuchenden Frauen waren jünger als zuvor, überwiegend zwischen 20 und 30 Jahre alt.

Irene Strifler

Kirchheim. Die Auslastung des Hauses lag im vergangenen Jahr rechnerisch bei „nur“ 70 Prozent, und das, obwohl mehr Frauen und Kinder als zuvor aufgenommen wurden. Der Grund: Viele Frauen blieben nur kurze Zeit, nämlich weniger als zwei Wochen. Außerdem kamen diesmal viele Frauen ohne Kinder.

Die Zimmer optimal zu belegen, fällt in einem kleinen Haus, zu dem das Kirchheimer Frauenhaus mit seinen fünf Zimmern und einem Notzimmer zählt, schwer. Wohnt zum Beispiel eine Frau mit einem Kind in einem Dreibettzimmer, führt das freie Bett zu einer rechnerisch geringeren Auslastung des Hauses.

Vier Teilzeitkräfte teilen sich derzeit die Arbeit im Haus. Dies sind die Diplom-Sozialpädagoginnen Renate Dopatka, Susanne Lorch und Irmgard Pfleiderer sowie die Verwaltungsangestellte Christine Schreiter. Sie nehmen auch seit einem Jahr die Vorstandsaufgaben im Verein Frauen helfen Frauen wahr, nachdem die ehrenamtlich Tätigen nach 16 Jahren ihre Ämter abgegeben haben. Anlass gab eine Umstellung der Finanzierung. Dennoch werden immer ehrenamtliche Mitarbeiterinnen gesucht, die den Verein unterstützen.

Schutzsuchende Frauen wenden sich normalerweise per Telefon an die Mitarbeiterinnen im Frauenhaus, dann wird ein Treffpunkt vereinbart, und die Frauen können, wenn Platz ist, im Frauenhaus unterschlupfen. Dort wird ihnen ganzheitliche Unterstützung angeboten, die von der Vermittlung wichtiger Informationen über regelmäßige Beratungsgespräche bis zur Entwicklung langfristiger Zukunftsperspektiven reichen.

Auf die Kinder wird ein spezielles Augenmerk gelegt. Meist halten sich deutlich mehr Kinder als Frauen im Frauenhaus auf. Viele von ihnen haben miterlebt, wie ihrer Mutter Gewalt angetan wurde. Fast die Hälfte der Kinder war drei Jahre alt oder jünger.

Auch nach ihrem Auszug werden die Frauen begleitet, außerdem findet telefonische sowie persönliche Beratung statt. Dies geschieht im neuen Büro am Postplatz 7 in Kirchheim in Nachbarschaft zur SPD-Landtagsabgeordneten Sabine Fohler. Dorthin kommen auch jene Frauen, deren Partnern ein Platzverweis durch die Polizei ausgesprochen wurde. Dies kann nach einer gewalttätigen Auseinandersetzung innerhalb der Familie geschehen. Der Verein ist für das Einzugsgebiet der Polizeireviere Kirchheim und Nürtingen zuständig und arbeitet mit 31 Ordnungsämtern zusammen. Die Männer werden an die Interventionsstelle in Esslingen verwiesen.

Größer als die Zahl der ins Frauenhaus aufgenommenen Frauen ist stets die Zahl derer, die abgelehnt wurden. So wurde 41 Frauen die Aufnahme verweigert, überwiegend deshalb, weil das Haus voll belegt war. Die aufgenommenen Frauen waren diesmal besonders jung: Mehr als die Hälfte waren 20 bis 30 Jahre alt, ein Drittel 31 bis 40. Fast zwei Drittel waren Hausfrauen beziehungsweise Mütter im Erziehungsurlaub. Fast die Hälfte der Frauen verfügte über einen deutschen Pass. Mit den Migrantinnen war die Verständigung in zwei Fällen nur durch eine Dolmetscherin möglich.

Fast die Hälfte der Frauen hielt sich weniger als zwei Wochen im Frauenhaus auf, ein Viertel von ihnen war schon zum zweiten Mal da.

Wer Hilfe sucht, kann sich unter der Nummer 0 70 21/4 65 53 ans Frauenhaus wenden. Dort sind auch alle hoch willkommen, die sich für Mitarbeit im Verein interessieren. Informationen gibt es unter www.frauenhaus-kirchheim.de.

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