Lokales

Mehr Lebensqualität durch erhöhte Sicherheit

Gesund und unabhängig älter zu werden und möglichst lange in den eigenen vier Wänden zu bleiben, das wünscht sich jeder Mensch. Doch mit zunehmender Gebrechlichkeit wachsen Angst und Unsicherheit. Jetzt sorgt ein neues Projekt in Kirchheim für mehr Lebensqualität: "Betreutes Wohnen zu Hause" bringt Sicherheit in jeden Haushalt.

IRENE STRIFLER

Anzeige

KIRCHHEIM Die Initiative hat der gerade mal fünf Jahre zählende Verein Buefet ergriffen und in der Stadt Kirchheim gleich einen aufgeschlossenen Partner gefunden. "Unser Ziel ist, alten Menschen zu ermöglichen, dass sie lange zu Hause leben können", umreißt Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker die Hintergründe des Projekts. Die Stadt profiliert sich bekanntlich als familienfreundlich, dazu gehören auch neue Wege in der Altenhilfeplanung. "Kirchheim bot schon immer den geeigneten Boden für innovative Projekte", meint Matt-Heidecker nicht ohne Stolz und verweist unter anderem auf das vorbildliche Nachbarschaftsnetzwerk im Klosterviertel. Im neuesten Vorhaben geht es nun darum, zukunftsweisende Wege für alte Menschen zu schaffen. Eine Aufgabe, die sich allein schon durch den demografischen Wandel mit Macht stellt.

"Betreutes Wohnen zu Hause" ist ein Stein im Mosaik der Angebote für Ältere", sagt Ruth Hamberger von "Buefet". Hinter diesem Namen verbirgt sich ein solides Netzwerk von Menschen, die durchweg im sozialen Bereich tätig sind und auf bürgerschaftlicher Basis Beratung anbieten. In ihrer aktiven Tätigkeit haben die Fachleute herausgefunden, wo in Kirchheim noch der Schuh drückt und das neue Angebot angestoßen. Dieses richtet sich an Senioren ohne Angehörige oder an solche, deren soziales Netz vor Ort nicht übermäßig eng ist.

Angesprochen werden in erster Linie Menschen mit leichten gesundheitlichen Einschränkungen. Sie können eine Mitgliedschaft erwerben. Dafür erhalten sie einmal wöchtentlich einen Besuch von einem zuverlässigen Menschen, einen Hausnotruf und das Anrecht, jederzeit die Leistungen der Kontaktstelle in Anspruch nehmen zu können. Die wiederum soll im Haus der Sozialen Dienste angesiedelt sein und mit einer Fachkraft besetzt werden, die umfassenden Überblick über die verschiedenen Hilfsangebote im Land um die Teck hat.

Das Problem der hilfsbedürftigen Senioren besteht in Kirchheim nämlich nicht darin, dass es niemanden gibt, an den sie sich wenden können. Vielmehr ist es fast unmöglich, den Überblick zu wahren und die Organisation zu bewältigen. Genau da setzt die Kontaktstelle an. "Das Angebot ist groß und eine professionelle Kraft sieht genau, wo man eingreifen kann", erläutert Gertraud Sieler von "Buefet" die Vorteile. Eine feste Ansprechpartnerin wird für alle Fragen da sein. Bei Bedarf kümmert sie sich um Probleme der häuslichen Versorgung oder organisiert die erforderlichen Hilfen. Regelmäßige Besuche halten den Kontakt mit dem Einzelnen und beugen der Vereinsamung vor. Mindestens genauso wichtig ist der Aspekt, dass pflegende Angehörige Entlastung erfahren können.

Angelika Matt-Heidecker ist sicher, dass viele der heute noch Berufstätigen langfristig ihr Alter organisatorisch gesichert angehen möchten: "Jeder muss sich die Frage stellen: Was geschieht, wenn ich mich nicht mehr selbst versorgen kann?" Um frühzeitig die Weichen stellen zu können, wird es auch eine Art Option auf eine Mitgliedschaft beim Betreuten Wohnen zu Hause geben. Sie ist deutlich billiger und finanziert das ganze Projekt ähnlich einem Förderverein mit. "Wer eine Option hat, hat sofort bei Bedarf das Anrecht auf umfassende Hilfen", erläutert Sozialamtsleiter Roland Boehringer. Denn natürlich kann das neue Netzwerk nicht auf Anhieb zig Neuzugänge verkraften. Die Initiatoren setzen darauf, dass das Interesse langsam aber stetig wächst. "Eine frühe Begleitung durch Besuche ist überaus sinnvoll und beugt der Vereinsamung vor", betont Boehringer. "Frühes Eingreifen erhöht auch die Chance, dass es bei einer Verschlechterung der gesundheitlichen Situation nicht gleich zur Heimeinweisung kommen muss, wenn das nicht gewünscht wird", ergänzt Buefet-Mitarbeiterin Gabriele Burger.

In Bayern hat die Idee vom betreuten Wohnen zu Hause längst Fuß gefasst. Wohin man blickt, entstehen auch hierzulande vergleichbare Modelle, jüngst beispielsweise das Lenninger Netz. "Betreutes Wohnen zu Hause stellt dennoch einen eigenen Kirchheimer Weg dar", geht Boehringer auf die Charakteristika ein. Die enge Verzahnung mit der Stadt steht für Neutralität, die Vernetzung mit einer Vielzahl von Diensten für Multiprofessionalität.

Viele Kooperationspartner und Interessenten wurden schon überzeugt. Doch nicht nur das. "Der Stiftungsrat der Bürgerstiftung hat dem Projekt bereits Geld zugesichert", freut sich die Oberbürgermeisterin. Auch das Buefet-Vermögen, das unter anderem aus der Teckboten-Weihnachtsaktion des Jahres 2001 resultiert, fließt noch teilweise mit ein.

Im Spätsommer soll der Startschuss fallen und eine Fachkraft eingestellt werden. Bis dahin können sich noch jede Menge interessierte Kooperationspartner, Ehrenamtliche, die an Kontakten zu älteren Menschen interessiert sind, oder auch Unterstützung suchende Senioren melden. Wer nicht zur Informationsveranstaltung am 9. Februar kommen kann, ist bei "Buefet" unter der Nummer 0 70 21/88 19 84 richtig.