Lokales

"Mehr Leistung für weniger Geld"

Da kommt Freude auf: Wo alle Kosten im Steigflug begriffen sind, kommt aus dem Esslinger Landratsamt die Mitteilung "2005 sinken die Müllgebühren", zum Teil sogar um bis zu 30 Prozent. Hauptgrund dafür ist der neue Kooperationsvertrag mit der Stadt Stuttgart.

KREIS ESSLINGEN Der ab 1. Januar 2005 gültige neue Vertrag zwischen der Landeshauptstadt und dem Landkreis Esslingen mit deutlich günstigeren Konditionen für die Müllverbrennung trägt entscheidend dazu bei, dass der Abfallwirtschaftsbetrieb des Landkreises eine Gebührensenkung vorschlägt. Der Kreistag soll in seiner nächsten Sitzung am 16. Dezember entsprechend einer Empfehlung des Ausschusses für Technik und Umwelt teils deutliche Gebührensenkungen bis zu 30 Prozent beschließen.

Anzeige

Gemeinsam mit dem Geschäftsführer des Esslinger Abfallwirtschaftsbetriebs, Rolf Hahn, ist es Landrat Heinz Eininger in Verhandlungen mit den Vertretern der Landesmetropole und der EnBW gelungen, den bestehenden Verbrennungsvertrag zu Gunsten des Kreises und seiner Einwohner neu auszuhandeln.

"Zu den günstigeren Verbrennungspreisen kommen positive Ausschreibungsergebnisse bei Müll-einsammlung und Papierverwertung hinzu. Dies alles ermöglicht zum Beispiel beim Vier-Personen-Haushalt eine Gebührenreduzierung um 21 Prozent. Die Abfallgebühren haben sich damit seit 1998 nahezu halbiert. Über 2005 hinaus setzen wir auf Kontinuität und sind zuversichtlich, das niedrige Gebührenniveau auch in den nächsten Jahren halten zu können", meint Landrat Heinz Eininger.

Für Geschäftsführer Rolf Hahn sind die Gebührensenkungen der letzten vier Jahre auch Ergebnis einer konsequenten Sparpolitik und offensichtlich richtiger Weichenstellungen im Abfallwirtschaftsbetrieb, ohne dass es zu Abstrichen am Ser-viceangebot für die Bürger kam. Im Gegenteil: Ab nächstem Jahr wird die Gelbe Tonne beziehungsweise der Gelbe Sack alle zwei Wochen (bisher alle vier Wochen) geleert und eingesammelt. In den Sommermonaten vom 1. Juni bis 31. August wird die Biotonne im kommenden Jahr wöchentlich geleert. Sperrmüll wird mit einer nur noch maximal zweiwöchigen Wartezeit (bisher vier Wochen) abgeholt, auf ausdrücklichen Wunsch gegen ein zusätzliches Entgelt sogar innerhalb von drei Arbeitstagen.

Auch die Gewerbekunden des Abfallwirtschaftsbetriebs partizipieren an der Gebührensenkung: ein 1 100 Liter Container, der alle vier Wochen geleert wird, kostet ab dem nächsten Jahr nur noch 409,20 Euro und damit rund zehn Prozent weniger als im Vorjahr. Der Abfallwirtschaftsbetrieb sieht darin einen Anreiz, den Mülltourismus in östliche Länder einzudämmen. Als zusätzliches Angebot für Gewerbekunden gibt es ab dem nächsten Jahr auch 660er Container, 2,5 und 4,5 Kubikmeter Container mit einer Vielzahl von regelmäßigen Leerungsrhythmen oder zur ergänzenden Einmalleerung.

Die Gebühren beim Restmüll im Vergleich zwischen 2004 und 2005:

Leerung alle vier Wochen:

40er-Eimer: 78 Euro (2004), 54,60 Euro (2005);

60er-Eimer: 99,60 Euro (2004), 69,60 Euro (2005);

80er-Eimer: 116,40 Euro (2004), 81,60 Euro (2005);

120er-Eimer: 139,80 Euro (2004), 97,80 Euro (2005);

240er-Eimer: 265,20 Euro (2004), 184,80 Euro (2005)

Leerung alle zwei Wochen:

40er-Eimer: 132,60 Euro (2004), 92,40 Euro (2005);

60er-Eimer: 156 Euro (2004), 108,60 Euro (2005)

80er-Eimer: 156 Euro (2004), 136,80 Euro (2005);

120er-Eimer: 273 Euro (2004), 190,20 Euro (2005);

240er-Eimer: 515,40 Euro (2004), 358,80 Euro (2005).

Der am 28. September 1995 vom Esslinger Kreistag beschlossene Vertrag mit der Stadt Stuttgart über eine dauerhafte Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Abfallentsorgung orientierte sich an den damaligen Marktpreisen und den Prognosen über die Entwicklung der Müllmengen. Dieser Vertrag, mit dem sich der Landkreis Esslingen praktisch davon "freikaufte", eine eigene, sehr umstrittene Müllverbrennungsanlage in Sirnau bei Esslingen zu bauen, beendete die über 20-jährige Mülldiskussion im Kreistag.

Auf der Basis dieses Vertrages, der bei den Liefermengen nach Stuttgart eine Staffelung enthielt, hätte der Landkreis Esslingen ab 2004 70 000 Tonnen Müll zur Verbrennung nach Stuttgart zu einem Preis von rund 255 Euro pro Tonne fahren müssen.

Angesichts der überall sinkenden Müllmengen und der teilweise angebotenen Dumpingpreise zur Auslastung der Verbrennungsanlagen, hat der Landkreis seit Jahren einen günstigeren Preis gefordert. Der neue Vertrag, der die Müllgebührenkalkulation auf neue Füße stellt, sieht eine jährliche Liefermenge von 65 000 Tonnen zum Preis von zirka 140 Euro vor.

Um auf Mengenschwankungen reagieren zu können, wurde zusätzlich eine gemeinsame Optionsmenge mit dem Rems-Murr-Kreis von 10 000 Tonnen pro Jahr ausgehandelt.

tb