Lokales

Mehr Mitsprache

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Michael Hennrich hat mit Physiotherapeuten aus Kirchheim und Nürtingen die Probleme des Berufsstandes erörtert.

KIRCHHEIM Die Therapeuten behandeln seit Jahren Menschen mit Verletzungen oder Patienten, die sich operativen Eingriffen unterziehen mussten. Seit der neuen Heilmittelrichtlinie vom Sommer sei es nach deren Aussagen zu massiven Problemen bei Verordnungen und der Abrechnung mit den Krankenkassen gekommen. So habe sich der Verwaltungsaufwand ernorm erhöht, weil weit über die Hälfte der Heilmittelverordnungen nicht entsprechend den Vorgaben des Kataloges ausgestellt seien.

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Auch die so genannten Langfristverordnungen, mit denen Patienten über eine längere Zeit betreut werden können, würden nur noch sehr selten ausgestellt. "Das betrifft vor allem die chronisch kranken Menschen," bedauert der Physiotherapeut Hermann Allmendinger. "Wenn ein Mensch etwa nach einem Schlaganfall oder mit Multipler Sklerose zu uns kommt, darf auf keinen Fall die Behandlung unterbrochen werden. Sonst fangen wir anschließend nicht bei Null an, sondern im Minusbereich." Nach dem neuen Katalog ist dies nur noch außerhalb des Regelfalles, mit genauer ärztlicher Begründung möglich, sonst sind nach jeder Behandlungsserie zwölf Wochen Zwangspause einzuhalten.

Probleme gebe es auch bei der Zuzahlung. Musste ein Patient früher 15 Prozent der Kosten tragen, so zahle er heute zwar nur noch 10 Prozent der Behandlungskosten; dafür aber zusätzlich 10 Euro Gebühr pro Verordnung.

Die bei dem Gespräch anwesenden Physiotherapeuten, Logopäden und Ergotherapeuten aus dem Nürtinger und Kirchheimer Raum möchten ihren Patienten eine optimale Behandlung zukommen lassen. "Da kann es auch mal erforderlich sein, die Behandlung zu variieren, den Behandlungsumfang anzupassen oder mal eine Woche zu pausieren" erklären sie. "Das dürfen wir aber momentan nicht. Wir müssen uns genau nach den Vorgaben des verordnenden Arztes richten."

Der Bundestagsabgeordnete Michael Hennrich betonte die Wichtigkeit des Gespräches, weil die Therapeuten nur wenig Gehör, insbesondere im zuständigen Bundesausschuss (BAÄK) finden würden. Das sei, so Hennrich, aber wichtig, weil die Prävention ein immer größeres Gewicht bekomme und die Therapeuten deshalb verstärkt gefordert seien.

Der Abgeordnete sicherte zu, sich um die Themen mehr Mitsprache und Therapiefreiheit zu kümmern und weitere Informationen einzuholen. Er werde diesen Bereich im Gesundheitsausschuss des Deutschen Bundestages zur Sprache bringen. Hennrich meinte, für ihn seien keine Gründe ersichtlich, die einer Ausweitung der Therapiefreiheit im Heilmittelbereich entgegenstehen.

In einem weiteren Punkt war man sich einig: Die Wirtschaftlichkeit der physiotherapeutischen Praxen hat stark gelitten. Den Therapeuten mache eine zunehmende Bürokratisierung, wie durch die neuen Zuzahlungsregeln, schwer zu schaffen. Zudem sei die Kostenerstattung, die sie für ihre Leistungen bekämen, unangemessen niedrig. Viele Therapeuten sehen sich dadurch in ihrer Existenzgrundlage gefährdet.

pm