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Mehr Schutz für Wiesensalbei und Wendehals

Wiesensalbei, Knäuelglockenblume, Karthäuser-Nelke . . . Wendehals, Halsbandschnäpper, Bergmolch . . . die Liste der Tier- und Pflanzenarten, die der Tier- und Landschaftsökologe Dr. Jürgen Deuschle mit seinem Team in der Ötlinger Halde aufgestöbert hat, ist beeindruckend. Ihren Erhalt hat sich der Gemeinderat auf die Fahnen geschrieben.

IRENE STRIFLER

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KIRCHHEIM "Standorte wie die Ötlinger Halde werden heutzutage nicht mehr ertragreich bewirtschaftet", führte Deuschle die Mitglieder des Technischen Ausschusses in die Materie ein. Sein Büro für Tier- und Landschaftsökonomie hatte das von der Stadt Kirchheim in Auftrag gegebene Pflege- und Entwicklungskonzept für die Ötlinger Halde erstellt. Ziel ist, die mit der Jesinger Halde begonnene Revitalisierung der Haupthalden fortzusetzen. Hier wie dort soll die Offenhaltung der Landschaft durch Schafe als lebende Rasenmäher unterstützt werden. Der Hangbereich zwischen Ötlingen und Kirchheim umfasst 41 Hektar und ist von Bedeutung für das Landschaftsbild und die Naherholung. Aufgrund des Wegfalls der traditionellen Bewirtschaftung änderte sich das Landschaftsbild bereits erheblich. Etliche Einzeleigentümer sind, wie Dr. Deuschle ausführte, gezwungen, ihre Flächen in irgendeiner Weise selbst zu bewirtschaften. Wie die Untersuchung ergab, wird heute nur noch die Hälfte des Gebietes von Grünland eingenommen. Gehölzbrachen bedecken bereits sieben Hektar, groß ist aber auch der Anteil an intensiver Gartennutzung.

Die mageren Wiesen und Weiden der Hanglagen stufen die Fachleute als sehr "artenreich und floristisch hochwertig" ein. Auch eine üppige Vogelarten-Zahl wurde im Projektgebiet nachgewiesen, darunter der vom Aussterben bedrohte Halsbandschnäpper und weitere Arten, die auf der Roten Liste von Baden-Württemberg als gefährdet eingestuft sind.

"Auf der Grundlage der faunistischen und floristischen Daten wurde die Erhaltung eines weitgehend geschlossenen Streuobstbestands und des mageren, artenreichen Grünlands als zentrale Entwicklungsziele festgesetzt", lautet eine Schlussfolgerung der Expertise. Vorrangig ist die Beseitigung der großflächigen Verbuschung und die standortgerechte Bewirtschaftung des verbliebenen Grünlands. Schafe werden die Hauptakteure im Plangebiet werden, erste Kontakte wurden bereits mit den dort tätigen Haltern aufgenommen. Eine Förderung, wie sie auch für die Jesinger Halde erfolgt, ist für das neue Projektgebiet in Aussicht gestellt.

Der Kleingartennutzung in der Halde wird langfristig keine große Zukunft eingeräumt, die Pflege des Streuobstbestands soll Aufgabe der Grundstückseigentümer bleiben. Hier schlägt das Büro lenkende Maßnahmen der Stadt vor, etwa das Anbieten von Schnittkursen. Das Wegenetz durch das Gebiet soll zum Zwecke der besseren Bewirtschaftung wie auch zur Steigerung der Erlebbarkeit der Halde verbessert werden.

"Die Voraussetzung für den Erfolg ist die Beteiligung der Eigentümer", kam SPD-Fraktionsführer Walter Aeugle sogleich auf einen Knackpunkt zu sprechen. Reinhold Ambacher von den Freien Wählern appellierte angesichts der Erfahrungen in Jesingen, auch wirklich alle Beteiligten rechtzeitig ins Boot zu nehmen. Das war auch Ötlingens Ortsvorsteher Hermann Kik ein wichtiges Anliegen. Er bezeichnete das Gesamtkonzept, das tags zuvor im Ötlinger Ortschaftsrat vorgestellt worden war, als "super", äußerte jedoch gleichzeitig gewisse Bedenken im Hinblick auf die Umsetzung. So müsse der Aufwand hinterfragt werden. Außerdem warnte er vor übermäßiger Reglementierung derer, die immerhin im Gebiet noch aktiv Hand anlegen, und stellte fest: "Vieles kann man auch jetzt schon ohne Plan verfolgen!"

Grundsätzliches Lob für das Konzept kam von Andreas Schwarz (Grüne Alternative) und Birgit Müller (Frauenliste). "Wie können leider die Entwicklung nicht zurückdrehen, also müssen wir trotz Kosten zähneknirschend zustimmen", bilanzierte CDU-Fraktionsführer Helmut Kapp. Der städtische Finanzierungsbeitrag ist in der Summe für Naturschutzaufgaben enthalten. Hierfür stellt die Stadt jährlich 15 000 Euro zur Verfügung.

Grundsätzliche Kritik kam lediglich von Albert Kahle (FDP/KIBÜ), der die Präsentation des Entwicklungskonzeptes als "fatalen Fehler" bezeichnete. Was hier geplant sei, meinte er mit Blick auf Rodungsmaßnahmen, führe dazu, dass Tierarten der Lebensraum künstlich entzogen werde. Im Übrigen seien bei Regenphasen Abrutschungen zu befürchten. Er sprach sich dafür aus, das Ganze zu vergessen und lieber froh zu sein, dass es vereinzelt Leute gebe, die ihre Gütle pflegten.

Mit einer Gegenstimme segnete der Technische Ausschuss die Hauptinhalte des Pflege- und Entwicklungskonzeptes ab. Die Verwaltung wird die Eigentümer anschreiben und um ihre Mitwirkung bitten. Wie Planungsamtsleiter Dr. Oediger mitteilte, ist bereits für Donnerstag, 17. November, eine Informationsveranstaltung in der Ötlinger Waldorfschule vorgesehen, bei der die geplanten Maßnahmen der interessierten Öffentlichkeit vorgestellt werden sollen.