Lokales

Mehrarbeit durch Messe

Der Personalmangel in der Lebensmittelkontrolle wird seit drei Jahren beklagt seit der Übernahme der Mitarbeiter des polizeilichen Wirtschaftskontrolldienstes durch den Landkreis. Durch die Eröffnung der neuen Landesmesse hat sich der Zustand verschärft. Er habe "mindestens drei Stellen zu wenig", sagt Gerhard Stehle, Leiter des Veterinäramtes.

ROLAND KURZ

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KREIS ESSLINGEN Bei jeder Messe auf den Fildern sind nun die Kontrolleure des Landkreises gefragt, weil dort nicht nur die Restaurants geöffnet sind, sondern oft zusätzliche Verpflegungsstände aufgebaut werden. Zwei Mitarbeiter mehr wollte Stehle von Anfang an, weil ihm bei der Verwaltungsreform nur jene neun Leute überlassen worden sind, die beim Wirtschaftskontrolldienst für Lebensmittel zuständig waren. Das WKD-Personal für Gewerberecht und Umweltschutz hat das Innenministerium dem Landkreis nicht gegönnt.

Was den Chef des Veterinäramtes ärgert, ist, dass das Land inzwischen seine Verantwortung für die Lebensmittelkontrolle ganz von sich weist. Das sei Aufgabe der Landratsämter, sage jetzt Landwirtschaftsminister Hauk. Der baden-württembergische Landkreistag habe sich des Themas auch angenomen, "aber wir kommen einfach nicht recht weiter", sagt Stehle. In der Landespolitik stehe die Konsolidierung des Etats an vorderster Stelle, die Lebensmittel würden wohl erst wieder ein Thema, wenn das Kind in den Brunnen gefallen sei.

Besonders gravierend sei der Personalengpass im ländlichen Raum. Wenn ein Kreis insgesamt nur zwei oder drei Kontrolleure habe, dann könne das bei Krankheit oder Urlaub gar nicht mehr ausgeglichen werden.

Was effektiv funktioniert, ist der Austausch der Polizeibeamten. Der Kreis hat die ersten drei eigenen Kontrolleure ausgebildet und drei Polizisten wieder zurückgeschickt. Bei einer Kontrollquote von 40 Prozent der Betriebe im Jahr, ist Stehle auch mit der eigenen Leistung ganz zufrieden. Einen Getränkehändler brauche man nicht jährlich kontrollieren, aber Gastronomen oder Metzgereien würde er gerne jährlich einen Besuch abstatten. Doch das sei "nicht zu schaffen". Vorgeschrieben ist, jeden Betrieb mindestens alle drei Jahre zu kontrollieren.

Für 6500 Betriebe, die Lebensmittel herstellen oder vertreiben, ist das Esslinger Amt zuständig: von der Imbissbude über die Fleischfabrik zur Gastrononomie, auch Fruchtsafthersteller und Schokoladenfabrik müssen kontrolliert werden. Nicht eingerechnet sind dann noch die mindestens 500 landwirtschaftlichen Betriebe.