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"Mein Emil ist von der Schaukel gefallen"

KIRCHHEIM "Mein Emil ist von der Schaukel gefallen, jetzt tut ihm der Arm ganz arg weh. Er hat wieder so wild gespielt." Kein Wunder, an so einem herrlichen Herbsttag toben sicher auch die 17 Kinder zwischen

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drei und sechs Jahren, denen Schwester Marion Remmler das erzählt, gerne auf dem Spielplatz herum. Trotzdem ist es kein ganz gewöhnlicher Patient, der an diesem Nachmittag im Kreiskrankenhaus Kirchheim bei Schwester Marion auf dem Schoß sitzt. Emil ist nämlich ein großer Elch aus Plüsch. Ihn dürfen die Kinder auf seinem Weg durch die verschiedenen Stationen begleiten. Dabei erfahren sie, wie die Ärzte und Pflegekräfte helfen, wenn etwas weh tut. Schließlich kann der Weg ins Krankenhaus für jeden einmal nötig werden eine positive Erinnerung verringert dann zumindest die Angst.

Am Anfang der Führung sind die meisten noch etwas schüchtern und ganz froh, dass die Mama mitkommt. Aber als es darum geht, sich um den armen kranken Elch zu kümmern, helfen sie fleißig mit. Die eine klingelt für ihn an der Aufnahme, wo sein Fall in den Computer eingegeben wird; die anderen schieben ihn im Rollstuhl zum Röntgenzimmer. Auch kritische Fragen bleiben nicht aus: "Kann man Emils gebrochenen Arm auf dem Röntgenbild überhaupt sehen? Ein Stofftier hat doch gar keine Knochen!" Interessant finden die Kinder die gezeigten Röntgenaufnahmen aber trotzdem. Nicht nur kaputte Knochen sind darauf zu erkennen, sondern auch die Schräubchen mit denen der Bruch repariert werden kann. Nun aber schnell zurück zu Emil, der inzwischen ein Schmerzmittel braucht. Zum Glück merkt der kritische Marius, dass der Pfleger vergessen hat, die Arznei in das Becherchen zu geben. . .

Als nächstes können die Kinder bewundern, wie sich der tapfere Elch ohne mit der Wimper zu zucken - einen Gips anlegen und eine Blutprobe abnehmen lässt. Das liegt bestimmt an dem schmerzstillenden "Zauberpflaster", das im Kirchheimer Krankenhaus bei kleinen Patienten immer zum Einsatz kommt. Schließlich muss der pelzige Verletzte auch noch in den Operationssaal.

Obwohl Dr. Christina Rebstock und der Pfleger Stefan Jäck, die die Kinder durchs Krankenhaus führen, sich hier in ihrem eigenen Arbeitsbereich, der Anästhesie, besonders gut auskennen, ist es gar nicht so einfach dem Elch eine Narkose zu geben, denn die Atemmaske will auf seine breite Schnauze einfach nicht passen. Weil auch die Messgeräte sich nicht über seine dicken Pfoten streifen lassen, stellen die Kinder reihum die eigenen Finger zur Probemessung zur Verfügung. Für die meisten Kinder ist es der erste Besuch im OP nur die dreijährige Lea erzählt, sie könne sich noch genau erinnern, wie sie hier drinnen auf die Welt gebracht wurde. Im Überwachungszimmer, wo normalerweise frisch Operierte sich von der Narkose erholen, können die Kinder, die nun fast eine Stunde aufmerksam waren, noch einmal selbst Hand anlegen. Gegenseitig kleben sie sich Messpflaster für das EKG auf die Brust und die Größeren können sogar die Kabel festknipsen. Als das EKG die Herzschläge auf dem Monitor sichtbar macht, gibt es wieder was zu staunen: Das Herz der kleinen Lea arbeitet mit 120 Schlägen pro Minute viel schneller als das von Sara mit ihren sechs Jahren. Das ist schon in Ordnung, bestätigt Dr. Rebstock, kleine Herzen schlagen schneller. Angesichts der begeisterten Mitarbeit scherzt die Ärztin, die Nachwuchswerbung sei wohl gelungen. Tatsächlich geht die Führung mit dem Elch, die jetzt eine erfolgreiche Premiere erlebte, vor allem auf die große Nachfrage nach einem Informationsangebot für Kinder zurück, die beim Tag der offenen Tür schon zu Tage getreten war. Entsprechend viele Anfragen hat der Krankenhaus-Förderverein für künftige Führungen schon erhalten. Anmelden können sich Schulklassen und Kindergartengruppen ebenso wie einzelne Interessierte. Dem Starpatienten Emil stehen wohl noch einige Auftritte bevor.