Lokales

Melodisches Liebesdrama in modernem Gewand

NÜRTINGEN Nach dem großen Erfolg der Carmen-Aufführung vor zwei Jahren peilt das Nürtinger Konzertensemble mit seiner fünften

Anzeige

VOLKER HAUSSMANN

Opern-Air-Produktion neue Dimensionen an. Giuseppe Verdis La Traviata soll diesmal die Massen mobilisieren 550 statt, wie beim letzten Mal, 450 Zuschauer pro Vorstellung sind vorgesehen. Insgesamt wird es sieben Aufführungen geben.

Wie Bizets Carmen gehört auch Verdis La Traviata zu den ganz großen Opern-Erfolgen der Musikgeschichte. 1853 uraufgeführt, hat das Werk rasch die Gunst des Publikums erobert und bis heute nichts von seiner Beliebtheit eingebüßt. Verdi hat für den Dreiakter auf Alexandre Dumas Drama "Die Kameliendame" zurückgegriffen. Die Geschichte ist klassischer Opernstoff: Alfredo, ein junger Mann aus gutem Hause, verfällt der in besseren Kreisen verkehrenden, gesundheitlich angeschlagenen Mätresse Violetta, die seine Liebe schließlich auch erwidert. Doch Alfredos Vater schreitet ein. Violetta und Alfredo gehen schweren Herzens getrennte Wege, ohne jedoch ihren Gefühlen zu entsagen. Violetta wird schließlich krank, todkrank. Alfredo eilt an ihr Krankenlager, und auch sein Vater hat endlich ein Einsehen. Zu spät für Violetta. Sie stirbt in Alfredos Armen.

Udo Schoen, der erstmals bei einer Opern-Air-Aufführung Regie führt, hat das Stück, wie er sagt, modern angelegt. Das Bühnenbild besteht deshalb auch vorwiegend aus Glas. Auf der Bühne steht ein Glashaus, in dem die so genannte bessere Gesellschaft, bewacht und abgeschottet von der Außenwelt, verkehrt. Doch auch diese elitäre Welt, die Schoen transparent machen will, ist nicht gefeit vor der Sehnsucht nach der aufrichtigen Liebe.

Schoen, der in Salzburg studiert und in den vergangenen Jahren hauptsächlich Schauspiele inszeniert hat, betont in seiner La Traviata den schauspielerischen Aspekt. Entsprechend sei bei der Zusammenstellung des Ensembles auf Darsteller geachtet worden, die nicht nur singen können, sondern auch gern spielen. In der Rolle der Violetta wird die junge Sopranistin Nina Vitol, die bereits in anderen Opern-Air-Inszenierungen mitwirkte, zu sehen und zu hören sein. Die männliche Hauptrolle, den Alfredo, übernahm der Tenor Alexander Efanov. Das gesamte Ensemble, so Hans-Peter Bader, der wie in den Vorjahren die Gesamtleitung der Aufführung übernommen hat, sei "eine sehr gute Wahl".

Wenig zu singen hat in diesem Stück, so wollte es Verdi, der Chor. Die Mitglieder des rund 70-köpfigen Nürtinger Kammerchors sind deshalb auch als Wachpersonal und Bedienstete zu sehen. Das musikalische Fundament wird in bewährter Weise von den versierten Musikern der Kammersymphonie die zusammen mit dem Kammerchor das Konzertensemble bildet gelegt.

Gespielt wird erstmals auf dem Nürtinger Stadthallenvorplatz. Dort werden, dem zur Kreuzkirche hin ansteigenden Gelände entsprechend, 550 Stühle aufgestellt. Die Bühne befindet sich zentral davor, das Orchester sitzt vom Publikum aus gesehen links. Hans-Peter Bader hofft auf eine gute Akustik, schließlich gehört es zu den ehernen Prinzipien der Opern-Air-Festspiele, dass unverstärkt gespielt und gesungen wird.

Falls das Wetter nicht mitspielt, wird kurzerhand in die Stadthalle ausgewichen. Dann wird es allerdings lediglich eine konzertante Aufführung sein.

Sieben Aufführungstermine sind angesetzt. Werden alle Karten verkauft, werden auch die Kosten, die sich im Bereich zwischen 130 000 und 150 000 Euro bewegen, eingespielt werden können. Auf den bei den vergangenen Opern-Air-Festspielen zusätzlich angebotenen Arienabend, letztes Mal in Gestalt eines Flamencoabends, wurde verzichtet. Stattdessen wird die Zirkusklasse der Musik- und Jugendkunstschule am 23., 25. und 26. Juli die Bühne tagsüber und abends für öffentliche Aufführungen ihrer speziellen Version von Mozarts Zauberflöte nutzen.

Premiere von La Traviata ist am Freitag, 22. Juli, um 20.30 Uhr. Weitere Aufführungen sind am 24., 26., 27., 30. und 31. Juli sowie am 3. August, alle ebenfalls um 20.30 Uhr beginnend.

Eintrittskarten im Vorverkauf gibt es ab kommenden Montag, 2. Mai, im Stadtbüro der Nürtinger Zeitung, Am Obertor 15, Telefon 0 70 22/94 64-1 50. Weitere Informationen sind unter www.opern-air.de zu finden.