Lokales

"Mens sana in corpore sano"?

Manchmal vergesse ich, mein Handy aufzuladen. Wenn ich dann telefonieren will, blinkt auf dem kleinen Bildschirm eine Nachricht auf: "Bitte Akku aufladen!" Wenn ich dieses Signal nicht ernst nehme, hört man während des Gespräches ein nerviges Piepsen. Wenn ich auch dieses Signal ignoriere, dann schaltet das Handy irgendwann automatisch ab.

Ähnlich wie ein Handy muss auch ein Mensch immer wieder seinen Akku aufladen. Sein Körper braucht Nahrung und Schlaf, seine Seele braucht Entspannung, neue Anregungen, Musik, Freude an den angenehmen Dingen dieses Lebens und sein Geist braucht Gottes Wort, Gebet und Anbetung. Im Gleichklang von Körper, Seele und Geist wäre dann der Satz zu verstehen, dass ein gesunder Geist in einem gesunden Körper ist. Doch kürzlich, während eines Ärztekongresses, auf dem es um neue Chemotherapien für Brustkrebskranke ging, als eine Patientin aufstand und laut in den Saal sagte: "Ihr Reden über Gesundheit macht mich krank", herrschte sekundenlang betretenes Schweigen. Was wollte sie sagen? Dass der menschliche Körper nicht nur ein Spielfeld sich immer technokratischer gebärdender Mediziner ist? Dass der Mensch seine Würde und seine Seele auch dann behält, wenn der Körper nicht gesund ist? Dass er gerade dann zu einer viel tieferen Dimension des Lebens vordringen kann? Wer möchte dem widersprechen. Ist also der oft wiederholte, als Überschrift zitierte Ausspruch des römischen Satirikers Iuvenal (47 113 n. Chr.) nicht ziemlich naiv? Er ist richtig und falsch zugleich. Richtig ist, dass unser Wohlbefinden sich steigert, wenn wir uns gesund fühlen. Und der Sport kann dazu beitragen. Die Sportmediziner bestätigen, dass es auf das richtige, individuell zu bestimmende Maß und auf die ebenso 'ange-messene' Sportart ankommt. Darüber gibt es viele Bücher, in denen betont wird, dass Beweglichkeit, Koordination und Ausdauer wichtiger seien als Kraft. Falsch an Iuvenals Spruch ist, dass er einen zwingenden Zusammenhang zwischen gesundem Körper und gesunder Seele beziehungsweise gesundem Geist suggeriert. Auch Sportler oder sportlich Trainierte können seelisch krank sein, umgekehrt können kluge und psychisch ausgeglichene Menschen hinfällig oder unbeweglich sein. Von Gottfried Benn stammt der schöne Satz, die ganze abendländische Kultur sei im männlichen Sitzen entstanden. Gerade die Kranken und Alten erinnern uns an die Kehrseite des Zitats und erweisen die Berechtigung des (von mir gesetzten) Fragezeichens hinter ihm. Ist es nicht auch bemerkenswert und hier lässt sich dann endlich eine Brücke zum Christentum schlagen , dass sich christliche Tugenden wie Hilfsbereitschaft, ja sogar Nächstenliebe ohne all die Menschen, die nicht im Vollbesitz ihrer Kräfte sind, gar nicht hätten entfalten können?

Anzeige

Ähnlich wie beim Handy erfordert es Zeit und Disziplin, den Akku aufzuladen. Ähnlich auch der "menschliche Akku". "Lobe den Herrn meine Seele und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat!" Der Psalmbeter muss geradezu der Seele den Befehl erteilen, den Akku mit Lob an die Energie Gottes anzuschließen.

Sommerzeit ist Urlaubszeit. Der normale Trott wird unterbrochen. Im Berufsleben und auch in der Gemeinde sind die Veranstaltungen und Sitzungen reduziert. Nutzen Sie diese Zeit, Ihren Akku aufzuladen. Und achten Sie einmal darauf, womit Sie Ihren Akku füllen. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen schöne Ferien und eine gute Erholung.

Stefan U. Kost

Pfarrer an der Evangelischen

Auferstehungskirche in Kirchheim