Lokales

Menschen in Bewegung bringen

Bei der Akutversorgung lässt sich in Zeiten knapper Kassen schlecht sparen. Bei langfristigen Therapien sieht es leider anders aus auch wenn Ärzte das Sparen "langfristig unsinnig" nennen. Dass Michael Ciupka trotzdem geholfen wurde, verdankt er der neuen Stiftung "Pro Quarto". Diese wirbt nun um Förderer.

PETER DIETRICH

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ESSLINGEN 5 000 Euro für ein Jahr Behandlung das mag nach viel Geld klingen. Wer jedoch den heutigen Gesundheitszustand des 42-jährigen Ciupka mit Videoaufnahmen aus der Vergangenheit vergleicht, kann an dieser Investition der neuen Stiftung nicht zweifeln. Nach einer Rückenmarksentzündung konnte Ciupka nicht einmal mehr sitzen, war komplett pflegebedürftig. Dann begann er in der Esslinger Aerpah-Klinik mit der Vibrationstherapie. "Mich hat gewundert, dass das so schnell ging", meint er heute angesichts seiner großen Fortschritte, auch wenn er noch einen weiteren Therapieweg vor sich hat.

Auch beim 20-jährigen Philip Scherer, nach einem Skiunfall ebenfalls teilweise gelähmt, grenzen die Fortschritte an ein Wunder. Heute kann er wieder frei stehen, kann mit seinen Stützen statt hundert Meter ganze zwei Kilometer gehen, und das viel sicherer als vorher.

"Das System imitiert das Gehen auf der Stelle", erläutert Martin Runge, Ärztlicher Direktor der Aerpah-Kliniken Esslingen und Ilshofen, die Wirkungsweise der "Galileo"-Geräte. Deren schnelle Schwingungen, verbunden mit einem Wippen, bewirken abwechselnd auf beiden Körperseiten reflexartige Bewegungen der Muskeln. So lässt sich das Bewegungszentrum Becken ansprechen, und das Rückenmark lernt wieder, die richtigen Impulse zu geben. Das alles geschieht viel intensiver als in Gehversuchen: Eine Minute Gerätetherapie, vergleicht Runge den Trainingseffekt, entspreche 1500 mühevollen eigenen Schritten.

Würden Therapien wie diese konsequent angewandt, betont Wolfgang Latendorf, Geschäftsführer der Stiftung, könnten "sehr viele Leute mit viel geringerem Aufwand gepflegt werden". Doch oft geschehe nichts. Neben den Kosten liege dies auch an mangelnder Information, beobachten die Stiftungsgründer, und wollen deshalb die Chancen und Möglichkeiten der Altersmedizin verstärkt bekannt machen. Einer Medizin, die auch jüngeren Menschen hilft die Galileo-Geräte werden inzwischen sogar in der europäischen Raumfahrt eingesetzt.

"Ich hoffe, dass eine breite Bewegung zustande kommt, die Betroffenen werden es ihnen danken", hofft VdK-Präsident Walter Hirrlinger, Schirmherr der öffentlichen Stiftungspräsentation in der Aerpah-Klinik. Die Verzahnung von Akutversorgung und medizinischer Rehabilitation funktioniere leider immer noch nicht. Runge, der im wissenschaftlichen Beirat von "Pro Quarto" vertreten ist, erläuterte den Stiftungsnamen: Er erinnere nicht an das Viertele oder ein Abrechnungsquartal, sondern an das vierte Gebot aus der Bibel, man solle Vater und Mutter ehren. Außerdem weise es auf den "vierten Lebensabschnitt" hin. "Der Abfall des Körpers ist nicht naturgegeben", betonte er, denn Muskeln und Knochen seien erneuerbar. "Ob ich noch fünf oder fünfzig Jahre laufen will, macht keinen Unterschied", verwies er auf das altersunabhängig notwendige Bewegungstraining. Schon ein einfaches Übungsprogramm helfe, wichtig sei die regelmäßige Anwendung.

Auf Regelmäßigkeit hofft die Stiftung natürlich auch bei ihren Förderern und bittet sie um monatliche Beiträge. Doch auch Einzelspenden seien willkommen - ob 100 Euro für eine ärztliche Untersuchung oder 28 000 Euro für ein Fitness-Center in einer Senioren-Wohnanlage. Weitere Informationen finden Interessenten im Internet unter www.proquarto.de.