Lokales

Menschenrettung unter erschwerten Bedingungen

Die winterlichen Bedingungen machten der Kirchheimer Feuerwehr ihre Aufgabe sicher nicht leichter, aber realitätsnäher. Am Montagabend übte die Wehr in einem der Hochhäuser in der Saarstraße den Ernstfall.

BARBARA GOSSON

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KIRCHHEIM Das angenommene Szenario spielte sich im obersten Stockwerk des neunstöckigen Gebäudes ab. Beim unsachgemäßen Umgang mit Verdünnung oder Reinigungsbenzin sei es zu einer Verpuffung gekommen. Eine Person sei auf Grund ihrer Verletzungen liegen geblieben, zwei andere Personen seien aufs Dach geflüchtet, wo sie um Hilfe rufen, und eine weitere Person sei beim Versuch, den Aufzug zur Flucht zu benutzen, stecken geblieben. Menschenrettung und Brandbekämpfung also unter den erschwerten Bedingungen eines hohen Hauses.

Die Übung fand in Zusammenarbeit mit dem Eigentümer des Gebäudes, der Kreisbau statt. Diese hatte erst kürzlich in die Sicherheit des über 40 Jahre alten Hauses investiert.

Um 20.07 Uhr wurde der Alarm ausgelöst, bereits um 20.09 rückten die ersten Einsatzkräfte aus und waren zwei Minuten später vor Ort. In diesem Fall wussten die Feuerwehrleute, dass eine Übung stattfinden würde, doch im Ernstfall, so Abteilungskommandant Michael Grininger, sei meist auch schon nach spätestens vier Minuten das erste Fahrzeug ausgerückt. Die anderen folgen im Minutentakt. Beim Stichwort Wohnungsbrand rückt die Kirchheimer Feuerwehr standardmäßig mit einem Kommandowagen, einem Löschfahrzeug, einem Tanklöschfahrzeug, der Drehleiter und zwanzig Mann aus, ein Vorgehen, das von Berufsfeuerwehren übernommen wurde. Die Einsatzleitung hatten der stellvertretende Abteilungskommandant Peter Pawel und Klaus Holder. Insgesamt waren 39 Mann im Einsatz, die zusätzlich zu den genannten Fahrzeugen noch mit einem dritten Löschfahrzeug, einem Rüstwagen, einem Gerätewagen für Licht, sowie einem Einsatzleitwagen vor Ort waren.

Obwohl im Gebäude so genannte Steigleitungen auf den Stockwerken vorhanden sind, legte die Feuerwehr eigene Schläuche. "Die Steigleitungen hier sind in Ordnung, aber da man nie weiß, wie sie gewartet werden, verlassen wir uns nicht darauf", erläutert Grininger. Ab dem achten Stock konnten die Feuerwehrleute nur noch mit Atemschutz weiter.

Da der Aufzug im Brandfall nicht benutzt werden kann, mussten die Feuerwehrleute mit der bis zu 20 Kilogramm schweren Ausrüstung durch das enge, durch Disconebel ordentlich verrauchte Treppenhaus, nach oben. Da das Gebäude baurechtlich nicht als Hochhaus, sondern als hohes Haus gilt, ist ein zweiter Rettungsweg nicht vorgeschrieben. Also kann es im Ernstfall in dem schmalen Treppenhaus zu Behinderungen kommen, wenn Evakuierte und Rettungskräfte, die Verletzte transportieren, über die Schläuche der Löschtrupps steigen müssen. Auf die Evakuierung der Bewohner wurde im Übungsfall verzichtet.

Der erste Atemschutztrupp dringt in den stockdunklen, völlig vernebelten Trockenraum im neunten Stock ein. Die zwei Männer tasten sich am Schlauch entlang. Dann wird inszeniert, was auch in der Realität jederzeit passieren kann: Der Atemschutztrupp gerät durch eine Durchzündung beim Öffnen der Fenster selbst in Not. Nun werden weitere vier Mann unter Atemschutz zu ihrer Rettung entsandt. Das muss schnell gehen, der Sauerstoff in den Atemschutzmasken hält nur für 30 Minuten. "Das erfordert natürlich Kondition. Das und die Atemschutzüberwachung wollen wir üben", so Feuerwehrpressesprecher Andreas Schwarz.

Die Rettung der Personen aus dem neunten Stock und dem Aufzug klappt wie am Schnürchen. Unterdessen wird auf der Gebäuderückseite die Drehleiter aufgebaut. Zwar hat die Kreisbau Rasengittersteine verlegen lassen, um schwere Fahrzeuge zuverlässig abstützen zu können, doch diese sind unter dem Schnee nicht zu erkennen und auch die Zufahrt ist nicht ausgeschildert. Ein Hinweis, der von der Kreisbau und ihrem Vertreter Thomas Blei dankend aufgenommen wird. Dennoch kann die Drehleiter aufgestellt und die beiden auf dem Dach als Opfer postierten Feuerwehrleute im Korb gerettet werden.

Geübt wurde am Montagabend auch die patientenorientierte Menschenrettung, bei der das Opfer so schonend wie möglich transportiert wird. Auf Grund der Wetterlage und mit Rücksicht auf die Wohnungseinrichtungen der Bewohner wurde auf Wasser verzichtet.

Michael Grininger zeigte sich mit dem Verlauf der Übung zufrieden: "Die Rettung vom Dach hat wunderbar geklappt." Auch das Haus sei brandschutztechnisch gut mit Rauchabzügen ausgestattet und sicher. Hier sei die Zusammenarbeit mit Hausmeister und Hausverwaltung sehr wichtig, um die örtlichen Gegebenheiten schnell zu überschauen.