Lokales

Messe als Motor für die Wirtschaft

Impulsgeber und Motor für die Wirtschaft in der Region soll die Landesmesse auf den Fildern werden. Auch der Landkreis Esslingen und die Stadt Kirchheim versprechen sich durch die Nähe zur Messe einen Schub. Die Präsentation auf der Expo Real in München lässt auf den Verkauf von Gewerbeflächen im Kruichling hoffen.

ANKE KIRSAMMER

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KREIS ESSLINGEN Landrat Heinz Eininger gab sich bei der gestrigen Pressekonferenz im Stuttgarter Flughafen, dem "Tor zur Welt", optimistisch, dass die derzeit im Bau befindliche Messe für das Land und den Kreis ebenfalls das Zeug hat, Tor beziehungsweise Schaufenster zur Welt zu werden. Die Teilnahme des Landkreises und der drei Großen Kreisstädte Filderstadt, Nürtingen und Kirchheim vergangene Woche an der Expo Real, der wichtigsten deutschen Messe für gewerbliche Immobilien, wertete der Chef der Kreisverwaltung als Erfolg. "Alle drei Städte sind mit ihren starken Gewerbegebieten, und dem, was sie als Städte zu bieten haben, aus Sicht unserer Wirtschaftsförderung auf großes Interesse gestoßen." Eininger baut darauf, dass Branchen wie der Dienstleistungssektor, Hotellerie, Gastronomie und die Medien im Umland von der Messe profitieren werden. Und er zog ein von Roland Berger & Partner im Oktober 2000 vorgestelltes Gutachten heran, wonach sich unmittelbar aus dem Bau ein "Gesamtproduktionseffekt" von knapp 1,9 Milliarden Euro ergibt, das entspricht 19 000 Vollzeitbeschäftigungsjahren. Im näheren und weiteren Umfeld gehe man durch die Messe von 2 800 bis 3 000 neuen Arbeitsplätzen aus.

Doch bis es so weit ist, werden die Städte und Gemeinden der Region erstmal kräftig zur Kasse gebeten. "Wir haben den Schulterschluss mit der Messe bereits vollzogen", sagte Kirchheims Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker, gab jedoch unumwunden zu, das Mammutprojekt bringe für die Kommunen nicht nur Vorteile. Allein in diesem Jahr hat die Teckstadt 87 000 Euro für die Messe beizusteuern, bis 2008 werden es insgesamt 700 000 Euro sein, die die Region von der Stadt fordert. Woher dieses Geld kommen soll, steht angesichts der desolaten Haushaltslage derzeit noch in den Sternen.

Nichtsdestotrotz stimmte die Oberbürgermeisterin in den Kanon mit ein und lobte den werbewirksamen Auftritt des Landkreises samt der drei Großen Kreisstädte auf der Expo Real. "Der Wirtschaftsförderer konnte gute Kontakte knüpfen; wir haben ein sehr gutes Feedback bekommen." Konkret erhofft sich Angelika Matt-Heidecker Käufer für Flächen im Kruichling. In dem direkt an der Autobahn gelegenen Gewerbegebiet sind noch fast neun Hektar städtischer Flächen verfügbar. Sollte weiterer Bedarf bestehen, kann das Areal weiter vergrößert werden. Als Pluspunkte des mit 190 Euro pro Quadratmeter im Vergleich mit anderen Städten nicht ganz billigen Gebietes führte die Rathauschefin unter anderem die Nähe zum Flughafen und den zu erwartenden S-Bahn-Anschluss an und rückte die Konzeption des "Kaufhauses Innenstadt" in den Blick. Auch setzt sie auf den Wochenendtourismus mit reichhaltiger Gastronomie. "Wir stehen in den Startlöchern", betonte Angelika Matt-Heidecker. Für den Kruichling lägen Anfragen aus dem Hotelgewerbe vor. "Ich hoffe, wir sind bis zur Eröffnung der Messe gut gerüstet und können dem Bedarf nachkommen."

Dem Geschäftsführer der Projektgesellschaft Neue Messe, Ulrich Bauer, zufolge wird mit einer Fertigstellung im September 2007 gerechnet. Er versicherte, das Projekt werde im Kostenrahmen von 806 Millionen Euro bleiben. Den Schluss zog er aus den bisherigen Submissionsergebnissen, die sich mit Ausnahme der Stahlbaukosten im Rahmen der Kostenberechnung bewegten. Das Umland werde bereits durch den Bau profitieren. Rund 60 Prozent der Stahl-, Stahlbeton und Erdarbeiten würden von Firmen aus Baden-Württemberg erledigt. Aber auch Unternehmen aus den neuen Bundesländern kämen zum Zug, so beim Fassadenbau. Während einzelner Messen entstünden Arbeitsplätze für Handwerker jeglicher Art ebenso wie für Dienstleister. "Man kann davon ausgehen, dass im Umfeld das Fünffache des Messeumsatzes erzielt wird." Für Bauer besteht kein Zweifel, dass Städte wie Kirchheim, Nürtingen und Filderstadt stark von der Messe profitieren werden. Wie Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker hatten ihr Amtskollege Otmar Heirich aus Nürtingen und der Erste Bürgermeister aus Filderstadt, Dieter Lentz, ihre Gewerbegebiete Bachhalde beziehungsweise Affelter in der Pressekonferenz kurz vorgestellt. Dieter Lentz machte jedoch auch klar, dass Filderstadt nicht in der Lage ist, allen Wünschen der Industrie nachzukommen. Flächen für große Betriebe wie Logistikfirmen, die sich in der Nähe des Flughafens ansiedeln wollen, müssten erst noch gefunden werden.

Große Hoffnungen setzten die Vertreter auf dem Podium in das Projekt Stuttgart 21. Sie versprechen sich davon eine Beschleunigung für den regionalen Zugverkehr und einen weiteren Schub für den Landkreis.