Lokales

Messerstecher drei Jahre hinter Gitter

Schwurgerichtskammer nahm dem Angeklagten eine Notwehrsituation nicht ab

Wegen gefährlicher Körperverletzung muss nach dem Willen der Schwurgerichtskammer des Stuttgarter Landgerichts ein 40-jähriger Kraftfahrer aus Kirchheim drei Jahre hinter Gitter. Der Mann hatte im Streit um eine ausstehende Bezahlung einen Schwarzarbeiter bei der Wohnungsrenovierung mit Messerstichen im Gesicht schwer verletzt.

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Bernd Winckler

Kirchheim. Genau vier Wochen lang verhandelte die Stuttgarter Strafkammer gegen den Mann, nachdem das Kirchheimer Schöffengericht den Fall nach erster Verhandlung an das Landgericht überwies. Die Anklage lautete auf ein Verbrechen des versuchten Totschlags. Und für Tötungsdelikte ist immer das Landgericht zuständig.

Letztlich kam aber nach aufwendiger Beweisaufnahme nun doch nur noch der Tatbestand einer gefährlichen Körperverletzung heraus. Der Angeklagte hatte durch das Opfer, einen gelernten Gas-Wasser-Installateur, eine seiner Eigentumswohnungen in der Eisenbahnstraße in Kirchheim per Schwarzarbeit renovieren lassen. Jedoch vor Fertigstellung der Arbeiten verlangte der Handwerker eine weitere Abschlagszahlung. Deshalb traf man sich am 17. Januar letzten Jahres an Ort und Stelle, wobei es dann zum Streit über die Zahlung kam.

Im Verlauf des Streites wollte das Opfer seine Werkzeuge mitnehmen und die Arbeiten einstellen, was der Angeklagte dadurch verhinderte, indem er den Mann von der Treppe gewaltsam wegzog. Danach setzte es gegenseitige Fausthiebe, ein Besenstiel wurde geworfen und der Angeklagte rannte in die Küche, um dort - zu seinem Eigenschutz, wie er vor Gericht bekundete - ein Messer zu holen. Dieses Messer wies eine Klingenlänge von acht und eine Breite von drei Zentimetern auf. Angesichts dieser Waffe flüchtete der Arbeiter vom Haus weg in Richtung Stuttgarter Straße und stolperte an einer Verkehrsinsel. Der Angeklagte war ihm gefolgt und griff den am Boden Sitzenden nun mit dem Messer an, versetzte ihm eine fast zehn Zentimeter lange und zwei Zentimeter tiefe Schnittwunde von der Schläfe bis zum Auge. Nur durch das Eingreifen eines dritten Mannes konnte er von weiteren Stichen abgehalten werden.

Dass dies eine „Notwehr“ war, wie der Beschuldigte vor Gericht beteuerte, wiesen die Juristen der Schwurgerichtskammer zurück. Eine versuchte Tötung war es aber nach Würdigung der Beweisaufnahme ebenfalls nicht, auch keine „schwere Körperverletzung“, die allerdings nach Auffassung des Anklägers vorlag und er dafür in seinem Plädoyer drei Jahre und neun Monate Haft beantragte. Für ihn galt die schwere Verletzung, die das Opfer wahrscheinlich für immer im Gesicht zeichnet, als Hinweis auf eine schwere Tat. Immerhin musste der Mann im Kirchheimer Krankenhaus mit 16 Stichen genäht werden und er hatte sehr viel Blut verloren.

Der Kraftfahrer ist bereits vier Mal einschlägig vorbestraft und muss jetzt laut dem gestern verkündeten Urteil drei Jahre Freiheitsstrafe verbüßen. Sein Verteidiger hatte auf eine Bewährungsstrafe von zwei Jahren plädiert.