Lokales

Messis ließen verwahrloste Tiere zurück

Messis kennt man eigentlich nur aus dem Fernsehen und sie wohnen weit weg so die gängige Theorie. Eines besseren belehrt wurden die Mitarbeiterinnen des Tierschutzes, als der Anruf eines verzweifelten Vermieters einging, der eine total zugemüllte Wohnung mitten in Kirchheim räumen wollte.

KIRCHHEIM Die Mieter hatten die Wohnung vor einiger Zeit bereits verlassen allerdings ohne Möbel, persönliche Sachen, ihre Tiere und den Müll. Zwischen all den Müllbergen war noch ein Kaninchen untergebracht und die vielen vorhandenen Unmengen von leeren Katzendosen ließen auf die Anwesenheit von Samtpfoten schließen.

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Unter dem Druck der anstehenden Zwangsräumung entschied sich Monika Rehm-Röse, das Kaninchen sofort abzuholen. Im viel zu kleinen Käfig, die gesamte Unterschale bis zum Gitter mit Kot bedeckt, saß ein völlig verängstigtes Tier ohne Wasser, Heu und Futter, das sich beim Rausnehmen ängstlich wehrte. Das total abgemagerte Kaninchen wurde gleich ins Tierheim nach Esslingen gebracht und sofort dem Tierarzt vorgestellt.

Später machten sich Edelgard Neshyba, Monika Rehm-Röse und Ina Hegewald nochmals auf den Weg, um nach den eventuell noch vorhandenen Katzen zu suchen. Ausgerüstet mit Katzenfalle, Fangnetz, dicken Handschuhen und Transportboxen betraten die Tierschutzmitarbeiterinnen ahnungsvoll die Wohnung. Was im Fernsehen immer weit weg ist, wurde hier nun zur Realität. Auf dem Teppich klebte haufenweise Katzenkot, da das ehemalige Katzenklo voll bis unter den Rand und damit nicht mehr benutzbar war. Ein normales Gehen auf dem Boden war nicht möglich hier war Steigen über leere Verpackungen, Essensreste, Kleidung, Zeitungen und gefüllte Müllbeutel angesagt. Der Geruch in der Wohnung war, trotz mittlerweile weit geöffneter Fenster, bestialisch.

Im so genannten Wohnzimmer wurden dann auch zwei Katzen gesichtet, die sofort die Flucht ergriffen, als sie Menschen wahrnahmen. Unter großen Anstrengungen wurden die ersten beiden Katzen eingefangen. Die fanden diese Prozedur alles andere als toll und wehrten sich mit aller Kraft. Es wurde gefaucht, gespuckt, gekratzt und gebissen ein wütender Biss ging sogar durch die Handschuhe durch. Im allgemeinen Durcheinander tauchte dann noch eine dritte Katze auf, die flüchten wollte, dann aber doch im Netz landete. Völlig außer Atem aber froh waren die Mitarbeiterinnen, dass alle Katzen in ihren Transportboxen saßen.

Da der Vermieter ursprünglich von eventuell vier Minitigern berichtete, ging nun die Suche nach Katze Nummer vier los. Das hieß über Müllberge zu steigen und in jede Nische zu schauen, ob es tatsächlich eine Vierte gab. Die Sorge um das Tier ließ die Frauen den Müll vergessen und nach fünfzehn Minuten Suche wurde die letzte Katze entdeckt: Sie hatte sich ganz unter einer Decke vergraben, und nur durch Zufall stütze sich Edelgard Neshyba genau auf dieser Stelle ab und bekam ein Fauchen zu hören. Die Kleinste der Katzen wehrte sich am meisten, aber endlich war auch sie sicher in der Transportbox und die drei Aktiven waren froh, die Wohnung verlassen zu können.

Die total verstörten Katzen bezogen sofort, je zu zweit, eine Box in der Quarantäne im Kirchheimer Katzenheim und wurden mit Schälchen voller Futter erst einmal in Ruhe gelassen. Als Monika Rehm-Röse eine Stunde später zum Fütterungsdienst antrat, saßen alle vier noch ganz angespannt und unglaublich ängstlich in ihren Boxen und auch am Morgen danach war das Futter noch unangerührt.

Nach wenigen Tagen haben sich die Katzen gut eingelebt. "Alle vier lassen sich schon streicheln und bekommen nun extra viele ,Einheiten' davon", sagt Edelgard Neshyba. Sie hofft, dass nach Klärung der Sachlage und dem obligatorischen Tierarztbesuch alle vier möglichst immer zu zweit bald ein neues, schönes und vor allem sauberes Zuhause finden, mit Menschen, die sich um sie kümmern.

ina