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Metabo: "Keine kurzfristige Verkaufsabsicht"

Die Sparpläne der Geschäftsleitung sorgen beim Nürtinger Elektrowerkzeughersteller Metabo für große Verunsicherung in der Belegschaft. 120 Stellen sollen wegfallen.

HENRIK SAUER

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NÜRTINGEN Vor einigen Wochen hatte das Unternehmen erstmals die Streichung von Stellen im Stammwerk in Nürtingen angekündigt. 120 Arbeitsplätze bei den gewerblichen Mitarbeitern sollen wegfallen. Der Betriebsrat machte auf einer Betriebsversammlung nochmals deutlich, dass dies nach seiner Meinung gegen die Standortsicherungsvereinbarung aus dem Jahr 2003 verstoße, in der auch Zielgrößen für die Zahl der Beschäftigten bei den gewerblichen Mitarbeitern von 740 bis 750 in Nürtingen und 80 im Werk in Laichingen festgelegt seien. "Für uns hat diese Vereinbarung unzweifelhaft Bestand", so Betriebsratsvorsitzender Peter Teubel. Seit 1996 sei dies die dritte Vereinbarung zur Beschäftigungssicherung, jeweils mit Einschnitten für die Mitarbeiter: "Irgendwann ist das Maß voll."

Vorstandsvorsitzender Haupt hingegen sieht in diesem Punkt eine unterschiedliche Auffassung zwischen Geschäftsleitung und Betriebsrat hinsichtlich der Interpretation von Standortsicherung und Beschäftigungssicherung. Nach Lesart des Vorstands ziele eine Standortsicherung nur auf die Aufrechterhaltung des Standorts ab, ohne sich auf die Beschäftigtenzahl festzulegen. "Das muss noch geprüft werden, wie das zu bewerten ist", so Haupt, der sich aber durch eine erste schnelle juristische Expertise in seiner Haltung bestätigt sieht. Die Vereinbarung war noch unter seinem Vorgänger Martin Bertinchamp geschlossen worden.

Haupt bezeichnet es als Unsinn, dass sich die Geschäftsleitung nicht an die Vereinbarung halten wolle: "Alle Gespräche finden vor dem Hintergrund statt, dass wir die Standortsicherungsvereinbarung akzeptieren." Das habe er auch in der Betriebsversammlung so gesagt.

Der Abbau von Stellen in Nürtingen ist ein Punkt auf einer Liste von Maßnahmen, die dem Betriebsrat vorgelegt wurde, um, so die Geschäftsleitung, die Zukunftsfähigkeit des Standorts Nürtingen zu sichern. So sollen darüber hinaus die Angestellten künftig fünf Stunden pro Woche mehr arbeiten ohne Lohnausgleich, soll es Einschnitte geben beim Weihnachts- und Urlaubsgeld und der Samstag soll in den Bereichen Stahl und Motoren Regelarbeitstag werden. Auch die Verlagerung der Akkugerätemontage nach Shanghai wird dort genannt. Im Gegenzug bietet die Geschäftsführung eine Beschäftigungssicherung bis Ende 2009 sowie eine Gewinnbeteiligung der Mitarbeiter an. Der Betriebsrat lehnt das Paket als inakzeptabel ab und forderte die Geschäftsleitung auf, dieses zurückzuziehen. Erst dann sei eine konstruktive Zusammenarbeit mit der Arbeitnehmerseite möglich.

Haupt spricht von einer Vorschlagsliste als Verhandlungsgrundlage, von der am Ende vielleicht auch nur ein Teil umgesetzt werde: Das ist keine ultimative Forderung. Er weist auch den Verdacht zurück, es gehe bei dem Paket darum, das Unternehmen für einen bevorstehenden Verkauf herauszuputzen, wie von der Gewerkschaft befürchtet: "Unsere Strategie ist langfristig angelegt, das passt doch mit einer kurzfristigen Verkaufsabsicht überhaupt nicht zusammen." Konkret gehe es darum, Wachstum zu erzielen, in Innovationen zu investieren, auf den Standort Nürtingen zu setzen und die Marke zu stärken. Angesichts sinkender Preise und steigender Kosten müssten, um wettbewerbsfähig zu bleiben, alle Kostensenkungs- und Effizienzpotenziale ausgeschöpft werden. Haupt: "Es geht dezidiert nicht um Verkauf oder Gewinnmaximierung für die Eigentümer."

Der Betriebsrat sieht für die Streichung von 120 Stellen keine Notwendigkeit. Die Produktion sei gut ausgelastet. Die Geschäftsleitung möchte die Verhandlungen noch in diesem Jahr abschließen.