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Metabo will in Nürtingen 120 Stellen streichen

Der Elektrowerkzeugehersteller Metabo will im Stammwerk in Nürtingen 120 Stellen im gewerblichen Bereich abbauen. Zudem soll für die Angestellten die 40-Stunden-Woche eingeführt werden ohne Gehaltsausgleich. Dafür will das Unternehmen die Belegschaft am Gewinn beteiligen und für die verbleibenden rund 1500 Mitarbeiter eine Beschäftigungsgarantie bis Ende 2009 geben.

HENRIK SAUER

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NÜRTINGEN Bis Mitte des Jahres 2006 soll der Stellenabbau erfolgen. In einer Presseerklärung begründet das Unternehmen den Schritt mit einer "nach wie vor extrem angespannten Markt-, Wettbewerbs- und Kostensituation". Zwar habe man im ersten Halbjahr 2005 ein "nennenswertes" Umsatzplus erzielt, dennoch reichten die bisher geplanten und absolvierten Schritte des Anfang 2005 eingeleiteten Restrukturierungsprogramms nicht aus, "um der Priorität einer langfristigen Unternehmens-, Standort- und Beschäftigungssicherung gerecht zu werden", so Vorstandsvorsitzender Dr. Johannes Haupt.

Der "nicht ungünstige" Verlauf des ersten Halbjahres sei, so Haupt, "eine wichtige Bestätigung des eingeschlagenen Kurses". Schwerpunkte des Restukturierungsprogramms waren bisher die geplante Schließung des Produktionswerks in Laichingen sowie der Abbau von rund 90 Arbeitsplätzen beim Tochterunternehmen Elektra Beckum in Meppen. Jetzt gehe es darum, "auch das Stammwerk in Nürtingen für die Zukunft zu rüsten", so Haupt.

Auf dem Weltmarkt habe es Metabo mit Wettbewerbern zu tun, die kaum noch im jeweiligen Inland produzierten und ihre damit verbundenen Kostenvorteile in wachsendem Maß zu einer aggressiven Preispolitik nutzten. Metabo dagegen erwirtschafte 90 Prozent seines Umsatzes mit im Inland gefertigten Geräten. Eine, so Haupt, "konsequente Standort- und Qualitätsstrategie" lasse sich "auf Dauer nur bei Ausschöpfung aller verfügbaren Kostensenkungs- und Effizienzpotenziale durchhalten". Dabei könne man die größte und wichtigste Produktionsstätte in Nürtingen nicht aussparen.

Ein vom Management erstelltes und dem Betriebsrat vorgelegtes Vorschlagspapier sehe "Schritte zur Kostenreduzierung und Flexibilisierung einerseits sowie konkrete Zusagen des Unternehmens andererseits vor". Die Geschäftsleitung hofft, die Verhandlungen in der zweiten Jahreshälfte abschließen zu können. Die Beschäftigungssicherung bis Ende 2009 für die verbleibenden knapp 1500 Beschäftigten in Nürtingen sei, so Haupt, speziell mit Blick auf die immer schnelleren Marktveränderungen, "eine ungewöhnlich lange und deshalb besonders weitreichende Garantie".

Auf Seiten des Betriebsrats fühlte man sich von der Bekanntmachung der Pläne überrumpelt. Über diese Punkte sei konkret noch nicht verhandelt worden, hieß es.

Von der IG Metall wurde bei einer Veranstaltung der Gewerkschaft im Laichinger Werk, wie verlautete, der Verdacht geäußert, es würden nun in Nürtingen Stellen gestrichen, weil die geplante Schließung des Laichinger Werks und die Verlagerung der rund 90 Arbeitsplätze nach Nürtingen nicht vorgezogen werden könnten. Die Gewerkschaft kämpft in Laichingen für die Einhaltung einer Standortsicherungsvereinbarung, die bis 2008 gilt.

Dieser Verdacht wird vom Vorstandsvorsitzenden in der Pressemitteilung zurückgewiesen. Der Personalabbau im Stammwerk stehe nicht im Zusammenhang mit der geplanten Verlagerung des Laichinger Werks. Das Angebot an die dortigen Mitarbeiter, sie in Nürtingen weiterzubeschäftigen, gelte weiterhin, sie seien von der Personalreduzierung im Stammwerk ausgenommen.

Der Streit um das Laichinger Werk hatte sich diese Woche verschärft, nachdem die IG Metall dem Vorstand vorgeworfen hatte, der dortigen Belegschaft ein Ultimatum gestellt zu haben, den Schließungsplänen bis Ende September zuzustimmen. Das hat das Unternehmen dementiert und bekräftigt, man wolle den Standortsicherungsvertrag nicht vorzeitig kündigen.

Laut Haupt sei mit den jetzigen weiteren Maßnahmen am Hauptsitz "aus heutiger Sicht die Restrukturierung der gesamten Gruppe im Wesentlichen abgeschlossen" und es bestehe wieder Grund zu Optimismus.

Die Standort- und Beschäftigungssicherungsvereinbarung bis 2008 für die Werke Nürtingen und Laichingen war Ende 2003 von Vorstand damals noch unter dem Vorsitzenden Martin Bertinchamp und Betriebsrat vereinbart worden. Die Mitarbeiter hatten damals Lohneinbußen von 250 bis 400 Euro monatlich beziehungsweise die Anrechnung von Tariferhöhungen hinnehmen müssen.