Lokales

Milde Strafen für drei Betrüger

In 31 Fällen ältere Damen mit dem Enkel-Trick um insgesamt 200 000 Euro betrogen

Drei Männer saßen gestern reumütig auf der Anklagebank des Stuttgarter Landgerichts. Mit gesenkten Köpfen gaben sie zu, in Nürtingen und Umgebung betagte Damen mit dem „Enkel-Betrugs-Trick“ um insgesamt 200 000 Euro erleichtert zu haben.

Nürtingen/Stuttgart. Der Trick ist bekannt und perfide zugleich. Ein vermeintlicher Enkel oder anderer Familienangehöriger ruft bei einer betagten Frau entweder in deren Wohnung oder auch im Pflegeheim an, schildert eine prekäre Notlage und bittet um rasche finanzielle Hilfe. Er schicke einen Freund zur Abholung des Betrages. Die Angerufene freut sich, einmal von ihrem Enkel ein Lebenszeichen zu erhalten und hilft dann gerne in einer Notlage. In insgesamt 31 Fällen sollen die drei Angeklagten sich in dieser Weise an ihre Opfer herangemacht und dabei relativ hohe Summen kassiert haben.

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Zwei der Angeklagten fungierten ausschließlich als Geld-Abholer, währen

d eine angebliche „Soraya“, die jetzt nicht mit auf der Anklagebank sitzt, die Telefonanrufe getätigt habe. So zum Beispiel am 27. November vergangenen Jahres bei einer 67-jährigen Nürtingerin. Der angebliche Neffe der Frau meldete sich und teilte mit, dass er sich im Ausland in einer plötzlichen Notlage befinde und 26 000 Euro dringend benötige. Die 67-Jährige wollte helfen, ging zur Bank und schilderte dort beim Geldabheben den Fall. Das war ihr Glück: Der Bankkassierer klärte sie auf. Hier floss kein Geld.

Ganz anders bei einer 84-jährigen Frau noch am selben Tag in Nürtingen. Nachdem ihr ein angeblicher Verwandter am Telefon von großer finanzieller Not im Ausland berichtete, zahlte sie einem Abholer 30 000 Euro an der Haustüre. Eigentlich sollten es 56 000 Euro sein. Doch die betagte Dame hatte nicht so viel Geld. Wachsamer dagegen waren eine 78-jährige Frau in der Nürtinger Goethestraße und eine weitere 74-jährige Nürtingerin. Sie fielen auf den Trick nicht herein und zahlten die geforderten 16 000 und 30 000 Euro nicht.

Dafür wurden weitere 28 ältere Frauen im gesamten Mittleren Ne­ckar­raum bis nach Schweinfurt und Bad Mergentheim mit dem „Enkel-Betrugs-Trick“ um hohe Beträge erleichtert. Die Polizei hat ermittelt, dass die Täter zuerst genau das Umfeld der Opfer ausgekundschaftet hatten, ehe sie zuschlugen. Die kassierten Gelder seien je zur Hälfte zwischen den angeklagten Abholern und der Anstifterin „Soraya“ geteilt worden, sagen sie jetzt in ihrem Prozess.

Die Strafen fielen milde aus: Der Bandenchef erhielt drei Jahre Haft, ein weiterer Angeklagter zwei Jahre mit Bewährung und der dritte im Bunde, der als Fahrer fungierte, zehn Monate, ebenfalls auf Bewährung, plus Geldauflagen von insgesamt 11 500 Euro.