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Mildes Urteil für Trio

Nach sechswöchiger Prozessdauer hat jetzt das Stuttgarter Landgericht drei aus Polen stammende Männer (31, 34 und 39 Jahre alt) wegen umfangreicher Autodiebstähle und Hehlerei zu Freiheitsstrafen von eineinhalb bis zu vier Jahren verurteilt.

BERND S. WINCKLER

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KIRCHHEIM/STUTTGART Das Trio hatte unter Anleitung ihres in Kirchheim wohnenden Landsmannes in Stuttgart, Nürtingen, Plochingen, Kirchheim, Oberboihingen und Wendlingen gebrauchte Fahrzeuge und große Mengen von Werkzeuge gestohlen und in ihre polnische Heimat verschoben.

Weit über 20 Fälle hatte der Staatsanwalt gegen die drei Polen vor gut sechs Wochen noch zum Prozessauftakt angeklagt gehabt. Zwölf Fälle waren nun geblieben. Teilweise waren Fahrzeuge darunter, deren Zeitwert nicht einmal mehr 2000 Euro betrug und sich dabei die Frage stellte, ob derartige Autodiebstähle sich für die Täter und für die Auftraggeber überhaupt lohnten. Die Richter der 19. Großen Strafkammer jedoch hatten darüber nicht zu befinden. Für sie galt: Diebstahl ist Diebstahl, der bestraft werden muss.

Die Angeklagten hatten sich nach Überzeugung der Juristen Anfang letzten Jahres entschlossen, ihren Lebensunterhalt durch Kraftfahrzeugdiebstähle zu finanzieren. Durch entsprechende Manipulationen der Wegfahrsperren begann man dann im März letzten Jahres in Oberboihingen mit der Diebstahlserie, die erst am 21. Februar dieses Jahres in Nürtingen mit der Festnahme der Männer endete.

Mindestens zwölf Fahrzeugdiebstähle und in einem Fall ein ganzes Sortiment wertvoller Werkzeuge, stellten die Richter jetzt in dem Urteil fest. Zehn weitere angeklagte Fälle waren nicht mehr aufklärbar.

Das teuerste Gebrauchtfahrzeug war ein Audi A4, den man in einer Juninacht vergangenen Jahres in Plochingen entwendete, nämlich 31 500 Euro. Alle Autos wurden zunächst nach Polen gebracht und dort in einer speziellen Werkstatt mit neuen Fahrgestellnummern und ganz neuen Papieren versehen. Sogar die Zollausfuhr-Unterlagen waren gefälscht worden. In Polen selbst fand man dann die entsprechenden Käufer bei den Marken-Händlern, wobei der Verdienst, gemessen an den Aufwendungen, relativ gering war, wie die Richter feststellten. Zudem waren bereits mehrere Autohändler in Polen von der deutschen Polizei gewarnt und hatten in einigen Fällen die Annahme der gestohlenen Fahrzeuge abgelehnt.

Vor Gericht legten die drei nach anfänglichem Leugnen jetzt volle Geständnisse ab und handelten sich dadurch relativ milde Strafen ein: Der Haupttäter aus Kirchheim muss wegen zwölffachen Diebstahls und Beihilfe zum Rauschgifthandel vier Jahre hinter Gitter. Bei ihm waren damals einige Kilo Marihuana gefunden worden. Die beiden Mittäter kamen mit Haftstrafen von einmal drei Jahren und einmal 17 Monaten davon.