Lokales

Minister spielt den Donauwellenwalzer

Das 29. Bulkeser Heimattreffen fand am Wochenende in der Patenstadt Kirchheim statt. Und auch die Patin zählt nicht mehr zu den Jüngsten. Immerhin hat die Stadt Kirchheim diese Patenschaft vor 40 Jahren sehr zur Freude der Bulkeser übernommen.

RUDOLF STÄBLER

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KIRCHHEIM Große Wertschätzung wird dem alle zwei Jahre am Pfingstwochenende abgehaltenen Bulkesertreffen entgegengebracht. Innenminister Heribert Rech fühlte sich inmitten der Bulkeser genauso wohl wie drei Generationen Kirchheimer "Stadtchefs". Neben der amtierenden Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker waren auch die Ex-Oberbürgermeister Peter Jakob und Werner Hauser Gast in der Kirchheimer Stadthalle.

Der Vorsitzende des Heimatausschusses Bulkeser, Franz Jung, erinnert bei seiner Begrüßung der zahlreichen Gäste zunächst daran, dass die Stadt Kirchheim vor 40 Jahren die Patenschaft über die Heimatortgemeinschaft Bulkes übernommen hat. So habe der damalige Oberbürgermeister Franz Krönig versprochen, dass die Stadt Kirchheim alles tun werde, um Mittelpunkt und Hort der Bulkeser in aller Welt zu sein und zu bleiben. Es folgten, so Franz Jung, weitere Höhepunkte wie die Heimatstube unter Oberbürgermeister Werner Hauser, die Vereinbarung über die Zukunftssicherung der Bestände der Heimatstube unter OB Peter Jakob, und Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker schrieb in ihrem Neujahrsgruß an die Bulkeser: "Seien sie versichert, dass die Stadt Kirchheim auch in Zukunft zu ihren Pflichten aus der Patenstadt steht, die sie für die Bulkeser übernommen hat. Jung: "Wir können mit Stolz sagen, Bulkes lebt für die kommenden Generationen in Kirchheim weiter, denn Kirchheim habe es wie keine andere Stadt verstanden, uns eine neue Heimat zu geben." Jung abschließend: "Was Generationen unserer Vorfahren in mühevoller Arbeit geschaffen hatten und heute nicht mehr ist, kann wenigstens so unserer Jugend vor Augen geführt werden."

Oberbürgermeisterin Matt-Heidecker erinnerte in ihrem Grußwort an die Begründung der Patenschaft vor nunmehr 40 Jahren. Damals sei Kirchheim den heimatvertriebenen Bulkesern zum Mittelpunkt und Ort für ihre ideellen und materiellen Kulturgüter geworden. Mit der einstimmigen Bekräftigung der Patenschaft durch den Gemeinderat im Jahre 1996 habe man sich gemeinsam als Brückenbauer der Verständigung mit den östlichen Nachbarn verstanden. Neben dem Wirken in die Vergangenheit habe die Partnerschaft auch einen Auftrag für die Zukunft bekommen. "Wenn wir beim diesjährigen Heimattreffen dem 40-jährigen Bestehen unserer Partnerschaft gedenken, so tragen wir Verantwortung für eine friedvolle Entwicklung in einem starken Europa." Eine zweite Heimat anzunehmen, ohne die erste zu vergessen, bezeichnete sie als einen "Prozess, der zeitlebens nie ganz abgeschlossen sein wird." Nicht unerwähnt ließ sie dabei, dass die Heimatvertriebenen in Zeiten überall herrschender Not und Knappheit natürlich nicht uneingeschränkt mit offenen Armen empfangen wurden, doch sei die gelungene Integration zweifellos "eine der größten Leistungen im Nachkriegsdeutschland." Ein Zitat von Jean Paul beendete ihr Grußwort: "Erinnerung ist das einzige Paradies, aus dem wir nicht vertrieben werden können".

Eitel Freude herrschte bei den Bulkesern natürlich, dass Innenminister Heribert Rech in die Stadthalle gekommen war. Er ist auf eigenen Wunsch hin auch Landesbeauftragter für Vertriebene, Flüchtlinge und Aussiedler. Und wenn er zu den Bulkesern spricht, dann kennt er die Problematik ganz genau. Gehörten doch seine Eltern auch zu den Vertriebenen nach dem 2. Weltkrieg.

Er erinnerte daran, das es große Anstrengung von Heimatvertriebenen verlange, ihre Kultur, ihre Tradition und Bräuche am Leben zu erhalten. So setzten sich mit bewundernswerter Kraft und Ausdauer seit Jahrzehnten zahllose ehrenamtlich tätige Menschen in den landsmannschaftlichen Vereinigungen dafür ein. Und der Minister betonte in der Kirchheimer Stadthalle: "Baden-Württemberg ist den Vertriebenen und Flüchtlingen ein verlässlicher Partner." Über die finanzielle Unterstützung der Vereinigungen und Verbände der Vertriebenen hinaus erforsche und präsentiere das Land besonders die donauschwäbische Kultur und Geschichte mit eigenen Einrichtungen. "Auch in der aktuellen Koalitionsvereinbarung wurde erneut klargestellt, dass die Regierungsparteien die Geschichte des Landes als untrennbar verbunden sehen mit der Aufnahme und Eingliederung der Heimatvertriebenen und Flüchtlinge", betonte der Minister.

"Wir wollen mit den Vertriebenen und Flüchtlingen gemeinsam die vor uns liegenden Aufgaben meistern", sagte Rech. Eine dieser Aufgaben sei die erfolgreiche Fortführung des Verständigungs- und Versöhnungspro-zesses mit den Ländern Ost- und Südosteuropas. "Ihre heimatliche Kultur, aber auch die leidvollen Erfahrungen der Vergangenheit, sind der Schlüssel zu den Menschen, die heute in ihrer alten Heimat leben." Rech ist überzeugt: "Wer sich über das Leid des anderen informiere, werde auch Verständnis und Mitgefühl für diesen entwickeln. Sein Besuch in der Vojvodina im Jahr 2004 habe ihm die Leistung der heimatvertriebenen Donauschwaben in den landsmannschaftlichen Vereinigungen eindringlich vor Augen geführt. "Sie haben auf der Ebene der menschlichen Begegnungen in all den vergangenen Jahren den Boden für die Begegnungen auf der politischen Ebene erst bereiten und mühsam bestellen müssen. Geduldig und beharrlich haben Sie, allen voran die gewählten Vertreter der Landsmannschaft, den Kontakt und das Gespräch gesucht." Der Innenminister dankte den Bulkesern abschließend für ihr vielfältiges Wirken zum Erhalt ihrer heimatlichen Kultur und zur Pflege ihrer Heimatortsgemeinschaft.

Und zum Abschluss spielte er sich noch in die Herzen der Gäste. Rech setzte sich an den Flügel und spielte den Donauwellenwalzer.