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Mir kommen die Tränen

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Zum Artikel "Eigene Praxis schreckt viele ab", im Teckboten vom 20. Januar:

Das Gejammer des Vorsitzenden der Kassenärztlichen Vereinigung passt einfach nicht in eine Zeit, in der von allen Seiten versucht wird, die Kostenexplosion im Gesundheitswesen in den Griff zu bekommen. Wenn man da vernimmt, die Einnahmen der niedergelassenen Ärzte seien in den letzten zehn Jahren nur um 4,8 Prozent gestiegen, während die Lebenshaltungskosten um mehr als zehn Prozent angewachsen sind, der Beruf eines Hausarztes sei folglich nicht mehr erstrebenswert, fragt man sich, wo leben diese Leute eigentlich.

Für den Rentner sind die Lebenshaltungskosten im selben Maße gestiegen und er hat auch nicht mehr als 4,8 Prozent Rentenerhöhung in den letzten zehn Jahren erhalten und er kann die kommenden Jahre eher mit weniger als mit einer Erhöhung rechnen. Dies aber alles auf geringerem Niveau als bei den Ärzten. Man mag nun einwenden, Ärzte könnten nicht mit Rentnern verglichen werden. Gut, dann vergleichen wir mit Beamten, die von Gehaltserhöhungen nur träumen können oder mit Arbeitern und Angestellten in der Industrie, denn die Errungenschaften, die die Gewerkschaften in mühevollen langen Jahren erreicht haben, in kurzer Zeit zum großen Teil wieder genommen wurden. Alle diese Menschen hätten mehr zu jammern, das Schicksal der Arbeitslosen und Behinderten möchte ich gar nicht näher beleuchten.

Oder versuchen Sie doch mal in einer Facharztpraxis rasch einen Termin zu erhalten. Auch wenn Sie einen haben, sitzen Sie nicht selten noch Stunden, bis Sie dran sind. Ich räume ein, beim Hausarzt ist es nicht gar so schlimm, aber ich habe noch keinen untätig herumsitzen und auf mich warten sehen. Also: Ist der Beruf des niedergelassenen Arztes wirklich so wenig lukrativ?

Jörg Kiener

Vorsitzender des Kreisverbandes Nürtingen im Sozialverband VdK

Owen, Gartenstraße