Lokales

Mit Ästhetik sein Leben gestaltet

Zum Tode des Kirchheimer Künstlers Boba Cvorkov

Kirchheim. Seine Bilder, seine Drahtplastiken gehören zum Feinsten, was Kunstschaffende in der Region schufen. Am Sonntag starb deren Macher Bastian „Boba“ Cvorkov im Alter von 59 Jahren nach einem Krebsleiden. Heute wird er im Kreise seiner Kunstfreunde auf dem Alten Friedhof in Kirchheim beigesetzt.

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Johannes Nagel

Fernab jeglichen Künstlergehabes gesellten sich zu dem Maler, Grafiker und Plastiker Freunde und Interessierte an der Arbeit mit Kunst. Seine Mal- und Zeichenkurse waren ein beliebter Treffpunkt, weil dort das Erarbeiten und die Auseinandersetzung mit visuellen Erfahrungen erlernt und erlebt wurden. Cvorkovs Ziel: Werben bei seinen Kursteilnehmern für das bildhafte Umsetzen von individuellen, persönlichen und privaten Visionen, Fantasien oder Erlebnissen. Sie über die Hand als Bild zuzulassen, glich einem Akt der Befreiung. Für Boba Cvorkov bedeutete dies künstlerisch zu arbeiten. Handwerk kann erlernt werden, aber der künstlerische Anspruch muss über das Lernen hinausgehen. Boba Cvorkov inspirierte, animierte, stellte Fragen und suchte nach der bildhaften Umsetzung des Mentalen. Darin folgten ihm wohl seit Jahren Kunstinte­ressierte hier in der Region. Damit schloss sich ein Kreis, den er in den 60er-Jahren während seines Studiums der Kunsterziehung an der PH in Novi Sad anlegte. Sein vor wenigen Jahren verstorbener Vater gab ihm wohl jene Sensibilität für das bildhafte Gestalten mit auf den Weg.

Als Neubürger im Schwäbischen musste das Kunstschaffen zunächst lange warten. Als Dekorateur eines Warenhauskonzerns war lebenserhaltendes Handwerk gefragt. Als Grafiker bei der Firma Herma in Deizisau rückte das Gestalten schon gelegentlich in die Nähe künstlerischen Denkens. Als Nachbar des Künstlers und Kunstpädagogen Bertl Zagst kam Boba Cvorkov zum Kirchheimer Kunstverein. Kunst, seine Kunst, durfte wieder stattfinden. Nicht ganz freiwillig machte sich Boba Cvorkov mit Atelierläden selbstständig. Kunst und Kommerz, eigentlich ein Thema mit Gschmäckle, betrieb Boba Cvorkov mit inniger Intensität. Mit dieser Energie zeigte er jene wacklige Brücke zwischen wirtschaftlichem Handel und Neigung, für die der Ästhet Boba bekannt wurde, und der aus vielen Kunden Freunde werden ließ.

Der Kirchheimer Kunstverein, Marktplatz vielseitiger Interessen, war mit seinen Mitgliedern auch ein Freundeskreis. Aber eben einer, dem die Kunst und deren Präsentation am Herzen lag. Kritisches Naserümpfen über die Qualität von Arbeiten der Vereinsmitglieder war nicht seine Sache. Da war er sich über viele Jahre hinweg mit dem ehemaligen Vorsitzenden einig oder gar verbunden. Ihm folgte er sogar als helfende Hand in die Partnerstadt Rambouillet für eine viel beachtete, viel verachtete Ausstellung. Eine Überwindung für Boba Cvorkov, ein Segen für die Ausstellungsmacher, denn fortan gab es nie ein Nein, wenn er um Hilfe gebeten wurde. Mit diesen Erfahrungen unterstützte er Ausstellungen im Kirchheimer Kornhaus, gestaltete die Eröffnungsausstellung im Wernauer Rathaus, im Rathaus in Kirchheim/Neckar, im Rathaus Plochingen und erhielt 1988 den begehrten Kunstpreis der Kreissparkasse Kirchheim. Bestimmt hätte Boba Cvorkov zum anstehenden 60. Geburtstag noch den einen oder anderen Preis erhalten; ganz sicher aber den für Herzlichkeit.

Mit dem Tod von Boba Cvorkov verliert seine Familie und sein Freundeskreis einen spiritus rector, einen Weggefährten und einen Kunstschaffenden mit Charakter und Haltung. Vielleicht war er manchmal zu zurückhaltend, aber mit Gewissheit war er eine Persönlichkeit voller Optimismus und einer Ausstrahlung, die jeden in seinen Bann zog.